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Wenn Retter Helfer brauchen: Notfallseelsorger in der Stadt Trier und im Kreis-Trier-Saarburg rücken etwa 50 Mal pro Jahr aus

Wenn Retter Helfer brauchen: Notfallseelsorger in der Stadt Trier und im Kreis-Trier-Saarburg rücken etwa 50 Mal pro Jahr aus

Todesnachrichten überbringen oder Rettern helfen, wenn eine Reanimation nicht erfolgreich war: Das ist die Aufgabe von Notfallseelsorgern, die im Kreis Trier-Saarburg etwa 50 Mal pro Jahr im Einsatz sind. Der TV hat nachgefragt, was sie tun, wenn sie an ihre Grenzen kommen.

Saarburg/Konz/Trier. "Welches Bild würden sie am liebsten ausschalten?" Mit dieser Frage spricht der Saarburger Pastor Georg Goeres Menschen an, die Schlimmes erlebt haben, sei es ein tödlicher Unfall oder der Verlust eines Freundes oder nahen Angehörigen. Der Geistliche ist Notfallseelsorger und spendet "Erste Hilfe für die Seele".Meist bei Unglücken zu Hause


Pfarrer Peter Winter sagt: "Wichtig ist, dass in der Notsituation von außen jemand kommt, der die Ausbildung hat, aber nicht unmittelbar betroffen ist." Die beiden Pfarrer sind zwei von elf kirchlichen Notfallseelsorgern in der Stadt Trier und dem Kreis Trier-Saarburg. Rund 80 Prozent der Einsätze erfolgen nach Unglücken im häuslichen Bereich, sagt Winter - zum Beispiel nach erfolglosen Wiederbelebungsversuchen. Seltener seien die Seelsorger hingegen nach Verkehrsunfällen, Selbstmordversuchen oder plötzlichem Kindstod gefragt. Informiert werden sie immer über die Einsatzleitstelle der Feuerwehr.

Unterstützung bekommen die kirchlichen Kräfte vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Dort sind laut Diakon Martin Nober, Sprecher der Notfallseelsorge im Bereich südlich der Stadt Trier, zwölf Mitarbeiter mit der Notfallnachsorge betraut. Laut Roland Mayer, Leiter der Notfallnachsorge vom DRK Konz, gibt es keinen Unterschied zur kirchlichen Seelsorge bei Notfällen. Die Ausbildung und die alltägliche Arbeit seien dieselbe, nur der Name sei anders.
Eine der Frauen in dem Helfer-Team ist die Saarburger Gemeindereferentin Anja Hoffmann. Betroffene Frauen, vor allem muslimischen Glaubens, sprächen lieber mit einer anderen Frau, sagt sie. Hoffmann bestätigt wie ihre männlichen Kollegen: "Am schlimmsten ist es, wenn Kinder beteiligt sind." Unmittelbar tauche da die Frage auf: "Wie ist es, wenn das dein Kind wäre?" Wenn die Retter sehen, dass Freunde, Bekannte oder Kollegen betroffen sind, kommt es zu starken Belastungssituationen.

Wenn der Notarzt oder die Sanitäter gehen müssen, bleibt der Notfallseelsorger, so lange es nötig ist. Todesnachrichten werden gemeinsam mit der Polizei überbracht. Auch hier geht der Beamte zuerst wieder weg vom Einsatzort.Rollentausch in Ausbildung


In der Ausbildung zum Notfallseelsorger werden die Situationen nachgestellt. Die Teilnehmer müssen mal in die Rolle des Helfers schlüpfen, mal das Opfer spielen. In ihrem Notfallrucksack gibt es nicht nur Schreibmaterial für die Dokumentation, sondern auch Bücher mit Gebeten, Listen mit Ansprechpartnern für weitere Hilfe, ein Buch für Kinder mit dem Titel "Wie geht es dir im ,Himmel'?, Plüschtiere und der Piepser, der anzeigt: Es ist Alarm!
Und wie gehen Retter und Seelsorger selbst mit dieser Belastung um? Der Saarburger Wehrführer Christof Leinenbach, der in seinen 35 Jahren bei der Feuerwehr schon viel Schlimmes gesehen hat, sagt zum Beispiel: "Wir sind doch alle nur Menschen. Nach dem Einsatz fangen die Rädchen im Kopf an zu rattern." Wichtig sei, im Kameradenkreis darüber zu reden, damit niemand im Team mit den Eindrücken allein gelassen wird. Jeder bete still. Georg Goeres fügt hinzu: "Ich darf Tränen zulassen. Niemand muss den starken Mann spielen."
Obwohl nicht unmittelbar betroffen, kann sich bei Notfallseelsorgern das Erlebte anstauen. "Dann hilft die Supervision", erklärt Georg Goeres. Das sind Gespräche mit Psychologen der Universität Trier oder mit der kirchlichen Lebensberatung.

Immer eine Woche lang haben Notfallseelsorger Bereitschaft. Meist fällt auch mindestens ein Einsatz in diese Woche. Pro Jahr werden alle Seelsorger zusammen zu etwa 50 Einsätzen gerufen. "Heilige Messen werden wir nicht abbrechen", sagt Goeres. Immer werde versucht, das soziale Netzwerk der Betroffenen zu aktivieren, Familie, Nachbarn, Freunde. Aber auch die Nachbetreuung ist möglich. "Die Seelsorger vor Ort sind ebenfalls verpflichtet zu helfen", erklärt der Saarburger Pastor. Auf Wunsch werde zusammen gebetet und ein Segen ausgesprochen. Anja Hoffmann hat immer einen Rosenkranz dabei: "Das ist gerade bei älteren Leuten wichtig." Riten anderer Glaubensrichtungen werden geachtet. "Wir fühlen mit, aber mit leiden dürfen wir nicht", sagt DRK-Mann Roland Mayer. Jeder Notfallseelsorger habe seinen Werkzeugkasten im Kopf, wie am besten geholfen werden könne.
Mehr Informationen im Internet unter der Adresse:
www.notfallseelsorge.deExtra

Die Notfallseelsorge im Kreis Trier-Saarburg und der Stadt Trier ist in zwei Bereiche gegliedert: Trier-Süd und Trier-Nord. Zum Bereich Trier-Süd gehören laut Diakon Martin Nober aus Konz die Verbandsgemeinden Konz, Saarburg, Hermeskeil und Kell am See. Der Bereich Trier-Nord umfasst die Stadt Trier sowie die Verbandsgemeinden Trier-Land, Ruwer und Schweich. Die Notfallseelsorger wechseln sich bei wöchentlichen Bereitschaftsdiensten ab. Rettungskräfte wie das Deutsche Rote Kreuz, Malteser Hilfsdienst, Feuerwehr und Polizei können die Notfallseelsorge (nicht zu verwechseln mit der Telefonseelsorge) bei Bedarf in besonderen Krisen und Notsituationen jederzeit über die Feuerwehrleitstelle Trier anfordern. Für sie ist die Notfallseelsorge rund um die Uhr erreichbar. dothExtra

Erst Ende der 90er Jahre kam die Notfallseelsorge so richtig auf die Beine. In den Kursen, die dafür belegt werden müssen, habe damals ein Referent die hohe Frühverrentung bei der Münchner Berufsfeuerwehr beklagt, erzählt der Geistliche. Das fiel bereits in den 80er Jahren auf. Forciert wurde die Notfallseelsorgeausbildung nach dem schrecklichen Zugunglück von Eschede am 3. Juni 1998, bei dem 101 Menschen starben. Danach wurde erst das Krankheitsbild Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt und anerkannt. doth