Wenn Tapeten getackert werden

ZERF. (hm) "Lieber einen Mann, als gar keinen Ärger", hieß es am Samstag in der Zerfer Ruwertalhalle. Dort sorgte der Heimatverein mit einem Dreiakter bei 300 begeisterten Zuschauern für gute Laune.

Es ist der 24. Juni, ein warmer Sommertag, doch im Wohnzimmer der Familie Fetzer steht noch immer der Weihnachtsbaum, an dem sich mit letzter Kraft einige Nadeln festhalten. Die Wohnung versinkt im Chaos, denn die Umgebung des Christbaums wurde von Emil (Paul Justinger), dem Herrn des Hauses, zum Sperrgebiet erklärt. Und mitten in den Streitereien um den Baum und das seit 25 Jahren nicht mehr tapezierte Wohnzimmer keimt bei Emil und seiner Frau Betti (Christa Molitor) der Verdacht, man könne in einer Woche Silberhochzeit haben. Der Verdacht wird zur Gewissheit, als Emil das Datum auf seinem Ehering lesen kann. Das ist die Ausgangslage für das furiose Treiben, dass der Heimatverein in Zerf in Szene setzte.Silberhochzeit: Bei Fetzers regiert das Chaos

Die Vorbereitungen für das große Fest sorgen für chaotische Zustände im Hause Fetzer. Schon bald steht die komplette Wohnung auf dem Kopf und ein Verschönerungsvorschlag jagt den anderen. "Ein Sideboard würde sich dort in der Ecke gut machen", schlägt Helga (Sabine Steier), die Frau von Kumpel Oswald, vor. "Was soll ich damit, ich koche immer am Herd", ist die Antwort des genervten Hausherren. Vor allem mit den neuen Tapeten steht Emil auf Kriegsfuß. Die wollen nicht an der Wand halten. "Geh, hol den Tacker", ist seine Anweisung an Freund Oswald (Werner Willems). "Das macht man heute so." Überhaupt: Während die Frauen groß feiern wollen, sind die Männer der Meinung, ein Obstkuchen und eine Tasse Kaffee wären völlig ausreichend, wenn man bedenkt, was sie in all den Ehejahren bereits erlitten haben. Die Enttäuschung ist groß, bei Helga und Betti fließen Tränen und auch Emil gerät in Panik, als Betti die Anreise der Erbtante Edith (Gaby Fries) verkündet. Schnell wird allen klar, dass man deren Erwartungen wohl kaum gerecht werden kann. Auch Sohn Stefan (Guido Wallrich) wird in den Trubel mit hineingezogen. Zum Schein soll sich der Junggeselle nämlich eine Frau angeln. "Dabei bin ich doch so schüchtern", sagt er seufzend. So ist guter Rat teuer, schließlich baut Emils gesamte Altersvorsorge auf Tante Edith auf, und man will auf keinen Fall enterbt werden. Doch auch dieses Mal gibt es nach drei Akten wieder ein Happy-End, kehren bei den Fetzers wieder Ruhe und Zufriedenheit ein. Gut gelaunt sind nach dem letzten Vorhang auch 300 Zuschauer, deren Erwartungen die Akteure unter der Regie von Doris Mertz voll erfüllt haben. Stellvertretend für viele im Publikum lobt Edmund Bohr aus Baldringen: "Ich komme mit meiner Frau jedes Jahr, und es ist immer wieder erfrischend." Eine Wiederholung des Schwanks gibt es am 4.November an gleicher Stelle um 20 Uhr zu sehen.

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