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Diskussion: „Wer braucht den Wolf in der Region?“

Diskussion : „Wer braucht den Wolf in der Region?“

Ein Saarburger Verein will vor dem Wolf warnen und lädt zu einer Podiumsdiskussion ein. Noch ist das Raubtier kein Thema in Rheinland-Pfalz, doch in Deutschlands Nordosten hat es Landwirte bereits dazu gebracht, ihren Betrieb aufzugeben.

Rund 60 Wolfsrudel leben derzeit in Deutschland. Das geht aus einer Erhebung des Bundesamts für Naturschutz und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf hervor. Die Wolfs-Vorkommen konzentrieren sich demnach auf das norddeutsche Tiefland, das sich von Sachsen über Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen bis nach Niedersachsen erstreckt.

Laut rheinland-pfälzischem Umweltministerium gibt es bislang keine Hinweise, dass die Tiere im hiesigen Bundesland ansässig sind. Experten rechnen allerdings damit, dass sie früher oder später auch dorthin zurückkehren werden. Und was passiert dann? Dann tritt der unter Federführung des Umweltministeriums erarbeitete Managementplan in Kraft. Darin ist festgelegt, dass Präventionsmaßnahmen wie Elektronetzzäune oder Drahtgeflechtzäune  gefördert und für gerissene Nutztiere und Hütehunde ein Ausgleich gezahlt wird.

Doch reicht das aus?  Günter Hunsicker, Vorsitzender des Vereins landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen Saarburg, macht sich Sorgen um den Fortbestand der Weidetierhaltung. Er verweist darauf, dass Betriebe in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wegen Schäden durch die Raubtiere bereits aufgegeben hätten. Deshalb möchte der Verein auf das Thema aufmerksam machen und hat für Freitag, 2. März, 20 Uhr, eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Wer braucht den Wolf in Rheinland-Pfalz?“ in Trassem organisiert (siehe Info). Alle Parteien außer der AfD und auch Umweltministerin Ulrike Höfken seien dazu eingeladen worden. Zugesagt hätten allerdings nur CDU-Mitglieder, sagt Hunsicker. Doch der Mann aus Fisch macht sich nicht nur um die Weidetierhaltung Sorgen. Hunsicker verweist auf ein Papier des Niedersächsischen Landfrauenverbands. Diese sehen beispielsweise Waldkindergärten in ihrer Existenz gefährdet. Sie befürchten, dass Freizeitaktivitäten wie Radfahren und Wandern im Wald durch die Ausbreitung des Wolfs infrage gestellt würden und dass Touristen aus Angst vor dem Tier keinen Urlaub mehr auf dem Bauernhof  machen wollen.

Auch im Vertrag zur möglichen Koalition, über den die SPD-Mitglieder noch bis Freitag, 2. März, abstimmen, ist der Wolf Thema. Dort heißt es: „Im Umgang mit dem Wolf hat die Sicherheit des Menschen oberste Priorität. Wir werden die EU-Kommission auffordern, den Schutzstatus des Wolfs abhängig von seinem Erhaltungszustand zu überprüfen, um die notwendige Bestandsreduktion herbeiführen zu können. Unabhängig davon wird der Bund mit den Ländern einen geeigneten Kriterien- und Maßnahmenkatalog zur Entnahme von Wölfen entwickeln. Dazu erarbeiten wir mit der Wissenschaft geeignete Kriterien für die letale Entnahme. Wir wollen, dass Wölfe, die Weidezäune überwunden haben und für den Menschen gefährlich werden, entnommen werden.“

Wölfe sind in Deutschland durch das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Die vorsätzliche Tötung  gilt als Straftat und kann mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden. Auf Europäischer Ebene hat Deutschland eingewilligt, die sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie umzusetzen, die den Wolf ebenfalls besonders schützt. Demnach muss Deutschland dafür Sorge tragen, dass Wölfe langfristig einen lebensfähigen Bestand aufbauen können (den sogenannten „guten Erhaltungszustand“). International ist Isegrim durch das Washingtoner Artenschutzabkommen sowie die Berner Konvention geschützt, die Deutschland beide ratifiziert hat.