Verkehr: Wer ist Anlieger? Firmen in Trassem leiden unter Sperrung

Verkehr : Wer ist Anlieger? Firmen in Trassem leiden unter Sperrung

Gewerbetreibende einer Trassemer Ausfallstraße beklagen hohe Einbußen. Der Grund: Ihre Kunden dürfen nicht durch den gesperrten Ort fahren, da sie nicht als Anlieger gelten.

Sonja Kranich macht sich große Sorgen. „Ich bin am Verzweifeln“, sagt die Musiklehrerin. Wegen der Sperrung der Trassemer Ortsdurchfahrt kämen keine neuen Schüler zu ihr, doch sei sie darauf angewiesen, weil stetig welche aufhörten. Kranich: „Die Leute denken: Da kann man nicht mehr hinfahren.“ Die Musikerin, die Klavier, Gitarre, Akkordeon und Kirchenorgel unterrichtet, beklagt außerdem, dass rund die Hälfte der bisherigen 60 Schüler nicht mehr zu ihr kommen möchte und sie deshalb selbst ins Auto steigen muss.

Der Grund: Die Leuktalstraße, in der Sonja Kranich unterrichtet und die nach Freudenburg-Kollesleuken führt, gehört zwar zu Trassem, aber nicht zum Sperrgebiet. Das bedeutet: Wer dort ein Anliegen hat, gilt trotzdem nicht als Anlieger in der innerörtlichen Umfahrung, der Kirchstraße. Diese Straße ist tabu für ihn. Er muss aus Richtung Saarburg kommend die offizielle Umleitung über Saarburg-Kahren und Merzkirchen-Portz nehmen. Der Weg verlängert sich dadurch um rund zehn Kilometer. Kranich: „Zwei Frauen, die ich unterrichtet habe, wurden von der Polizei 20 Minuten lang gefilzt. Sie haben anschließend bei mir gekündigt.“ Grundsätzlich kritisiert die Musikerin: „Es war vorher nicht klar, dass wir nicht durch den Ort fahren dürfen. Wir wurden nicht informiert.“ Auch Beschwerden beim Ortsbürgermeister hätten nichts gebracht.

Vier weitere Unternehmer gibt es in der Leukbachstraße. Einer von ihnen ist Marc Rosengarten, Betreiber des gleichnamigen Forellenguts. Er beziffert den Umsatzrückgang in seinem Hofladen durch die Sperrung auf ein Drittel. Er hofft, dass für die Anlieger der Leukbachstraße und Teile der Saarburger Straße und ihre Kunden eine Möglichkeit gefunden wird, durch den Ort fahren zu dürfen. Zudem hofft er, dass die Sperrung die Dorfgemeinschaft nicht dauerhaft entzweit. „Alle sind betroffen“, sagt Rosengarten.

Zum Fakt, dass Bewohner der Ausfallstraße in der Kirchstraße keine Anlieger sind, sagt Trassems Ortsbürgermeister Roland Konter: „Das war mir auch nicht klar.“ Er weist daraufhin, dass er dies nicht ändern könne. Die Polizei habe ihm erklärt, dass dies die rechtliche Lage sei. Sie habe zugesagt, das Problem großzügig zu handhaben. Mit dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) Trier ist Konter laut eigener Aussage wegen des Themas im Gespräch. Frank Zimmer vom LBM erklärt, dass grundsätzlich nur dort gesperrt werden solle, wo es erforderlich sei. In der Leuktalstraße, die als Kreisstraße Trassem mit Kollesleuken verbinde, sei dies aber nicht der Fall. Ein weiterer Kontrapunkt: Um ein einziges Sperrgebiet zu erhalten, müsse die Verbindung zur Kirchstraße ebenfalls gesperrt werden. Laut Zimmer ist stattdessen zu überlegen, wie es möglich ist, den Kreis der Anlieger der Kirchstraße zu erweitern. Doch dies sei eine verkehrsrechtliche Frage, die  die Straßenverkehrsbehörde, also die Kreisverwaltung beantworten müsse.

Ein weiteres Thema, über das sich Trassemer geärgert haben, war die Sperrung der Kehrbachstraße. Raimund Boquoi vom Verein Bürger für Trassem kritisiert: „Zwei, drei Tage vorher haben die Anlieger ein Schreiben von der Firma bekommen, in dem stand, dass die Straße ab montags geschlossen ist. Doch das war nicht von vornherein so geplant.“ Es sei ein weiterer Bauabschnitt dazugenommen worden, worüber keiner informiert worden sei.

In diesem Punkt widersprechen Konter und Frank Zimmer vom LBM. Beide weisen darauf hin, dass laut Planung von Anfang an vorgesehen war, beim derzeit bearbeiteten Bauabschnitt, der hinter der Schulstraße beginnt, die Einmündung der Kehrbachstraße miteinzubeziehen. Konter erklärt: „Nun wurde der Folgeabschnitt dazugenommen, aber das hat die Verkehrsführung an dieser Stelle nicht beeinflusst.“ Dass der Bauabschnitt nun bis vor die Kirchstraße reicht, hat zur Folge, dass die Arbeiten an der Brücke über den Sprenkelbach vorgezogen werden. Das bringt laut Zimmer zeitliche Vorteile, denn diese Arbeiten könnten nicht bei Winterwetter laufen. Ein Subunternehmer übernehme sie mit zusätzlichem Personal. Zeitliche Verzögerungen würden so vermieden. Laut Zimmer wird versucht, die Einmündung zur Kehrbachstraße bis Ende des Jahres wieder befahrbar zu machen.

Sperrung_der_Trassemer_Ortsdurchfahrt_und_Umleitung. Foto: TV/Scheidweiler, Jonas

Angesichts der Irritationen und Kritik gesteht Ortsbürgermeister Konter ein: „Ich hätte mit dem Landesbetrieb Mobilität eine weitere Infoveranstaltung vereinbaren sollen.“ Bald soll es nun eine Bürgerversammlung geben (siehe Info).

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