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Weshalb die Tawerner auch Schänzjer heißen

Weshalb die Tawerner auch Schänzjer heißen

Wie beschwerlich das Leben in Tawern früher war, zeigt eine Skulptur im Vorraum des Bürgerhauses: Zwei Dorfbewohner ziehen einen mit Brennholz beladenen Handkarren. Geschaffen hat die Figuren der 75-jährige Hobby-Bildhauer Gerhard Michel.

Tawern. Ein Mann und eine Frau, beide leicht gebeugt, haben sichtlich Mühe, den schwer beladenen Handkarren zu ziehen. Sie transportieren Brennholz in Bündeln - im Dialekt als "Schänzjer" (siehe Extra) bezeichnet. Gerhard Michel, der die beiden Figuren als Geschenk zur Einweihung des Bürgerhauses Ende 2011 geschaffen hat, erklärt, weshalb er gerade dieses Motiv gewählt hat: "Schänzjer wird noch heute als Spitzname für die Einwohner Tawerns verwendet."
Einblicke in den Alltag


So bekannt waren die zahlreichen Bauern, die im Winter das Holz von Tawern nach Trier brachten, dass der Aufruf "Die Schänzjer kommen!" nicht nur die Ware bezeichnete, sondern auch die Lieferanten und schließlich alle Tawerner meinte. "Zu ihrer kleinen Landwirtschaft verdienten sich die Bauern damit noch bis ins 20. Jahrhundert etwas hinzu", erklärt Michel.
Die Holzbildhauerei ist das Hobby des 75-Jährigen, der zugleich auch Vorsitzender des Vereins Römisches Tawern ist. "Ich wollte im Ruhestand eine sinnvolle Beschäftigung haben", erzählt er. Also belegte er Kurse in Bayern und in Österreich, wo die Handwerkskunst eine lange Tradition hat. In seinem Haus hat er sich eine Werkstatt eingerichtet, an der Wand hängen viele Werkzeuge, mit denen der Rohstoff bearbeitet wird. "Zum Arbeiten braucht man ein weiches Holz", erklärt Michel. Für seine "Schänzjer" hat er Linde verwendet.
Bei seiner Arbeit legt der Hobbykünstler viel Wert auf Details wie die richtige Körperhaltung der Figuren oder die bäuerliche Kleidung. Auch an den Proviant für den beschwerlichen Weg hat Michel gedacht: In einem Korb hat er dem Paar ein Brot und einen Apfel mitgegeben.
So erfahren die Besucher des Bürgerhauses nicht nur, weshalb die Tawerner "Schänzjer" genannt werden, sondern erhalten zugleich einen Einblick in den beschwerlichen und von Armut geprägten Alltag der Menschen, die früher hier lebten.Extra

Der Ausdruck "Schänzje" für ein Bündel Brennholz ist in weiten Teilen des Rheinlands bis nach Köln und in den Westerwald sowie in Hessen belegt. Der Begriff hängt mit der Schanze als militärischer Anlage zusammen (daher auch: sich verschanzen), die mit Reisigbündeln befestigt wurde. Die Herkunft des Wortes ist nicht vollständig gesichert, möglicherweise geht es auf das italienische "scanso" (Abwehr) zurück. daj