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Wie der Bettsäächer nach Iowa kam

Wie der Bettsäächer nach Iowa kam

Nikolaus Dumont aus Perl ist 1873 nach Amerika ausgewandert. Sein Vater Peter folgte samt Familie drei Jahre später. In Iowa machte der Dumont-Clan Geschichte. Eine ganz besondere, findet auch das Deutsche Auswanderermuseum in Bremerhaven.

Perl/Keokuk County. In den Dörfern um Perl herrscht im 19. Jahrhundert Aufbruchsstimmung. Auch bei Familie Dumont aus Besch: Peter Dumont packt mit Frau und Töchtern, wie viele Nachbarn und Bekannte, 1876 die Habseligkeiten und folgt Sohn Nikolaus nach Keokuk County/Iowa, in ein neues Leben.
Mehr über diese Auswanderer - ihre Vorfahren - erfuhr Cornelia Weiler aus Völklingen erst 140 Jahre später. Seit 2009 hat sie Kontakt zu den Nachfahren der Dumonts.
Seither hat sie eine "amerikanische Familie", sagt sie. Und dafür dankt sie den ersten Dumonts, die "aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch, um dem preußischen Militärdienst zu entgehen" auszogen - und im Mittleren Westen Geschichte(n) machten.
Weil sie "besonders ist und viele spannende Aspekte" eines Auswanderer-Lebens in der Neuen Welt enthält, hat das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven die Geschichte in seine Sammlung aufgenommen.
"Ich und meine ‚Amerikaner\', wir freuen uns sehr darüber", sagt Cornelia Weiler. Wie sie mit den Urhebern der Geschichte, Peter und Nikolas Dumont, verwandt ist, weiß sie gar nicht genau. "Meine Urgroßmutter und Peter Dumont könnten Cousin und Cousine gewesen sein. Die Familien rund um Perl heirateten ständig auf Cousinebene, so dass es in den Ahnentafeln eine Menge Überschneidungen gibt."
Peter Dumont jedenfalls - ein Leinenweber, geboren 1830 - bestieg mit seiner Familie das Dampfschiff "Vaterland" und erreichte die USA am 15. April 1876. In Keokuk County ließ er sich bei seinem Sohn Nikolaus nieder, der schon 1873 ausgewandert war und im Mittleren Westen als Farmer arbeitete - genauso wie sein Vater.
"Die Dumonts erreichten einen bescheidenen Wohlstand und konnten mit ihren Kindern ein sicheres und gutes Leben führen. Das Farmhaus von Nikolaus Dumont ist noch heute in Familienbesitz", erzählt Weiler.
Die Dumonts wurden ein "ziemlich großer Clan" - und prägten ihre neue Heimat. Seit sie etwa ihre kulinarischen Traditionen mitbrachten, wird in Haushalten im Mittleren Westen echter Perler "Bettsäächersalad mit Speck und Bratkartoffeln" serviert.
Cornelia Weiler weiß das von ihrer Cousine sechsten Grades, Janice Young aus Iowa, deren Urgroßvater Nikolaus Dumont war. Auf die Adresse ihrer Cousine stieß Weiler bei einer Ahnenforschung im Nachlass eines Verwandten.
Jener enthielt einen Brief aus Amerika, der zehn Jahre auf dem Postamt von Nennig gelegen hatte. Warum er lange nicht zugestellt wurde, ist unbekannt. Jedenfalls standen eine Ahnentafel und eine Adresse drin.
Heute besuchen sich Young und Weiler regelmäßig. "Nach 140 Jahren sind die Familien wieder in Kontakt gekommen - das finde ich ausgesprochen spannend", sagt Weiler. Im Mai war sie zuletzt in Iowa und besuchte den Friedhof von Harper in Keokuk County. "Ich hatte den Eindruck, auf dem Friedhof von Nennig zu sein", sagt sie. "Auf den Grabsteinen standen dieselben Familiennamen" - auch die ihrer Vorfahren.