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Wie die Sozialarbeit an Grundschulen im Kreis Trier-Saarburg abläuft

Kinder : Wie die Sozialarbeit an Grundschulen im Kreis Trier-Saarburg abläuft

Seit 2021 unterstützen Sozialpädagogen die jüngsten Schüler im Kreis Trier-Saarburg. Dabei hilft die mehrjährige Erfahrung aus Konz und dem Ruwertal.

Bei Schulsozialarbeit geht es nicht nur um krasse Einzelfälle, sondern auch darum, dass alle Schülern lernen, gewaltfrei und friedlich Konflikte zu lösen. Und darum, dass Klassen- und Schulgemeinschaften funktionieren. Das machen die Anwesenden beim digitalen Pressegespräch über Schulsozialarbeit an Grundschulen im Kreis Trier-Saarburg klar. Seit Jahresbeginn gibt es nicht mehr nur an den weiterführenden Schulen des Kreises, sondern auch an den 47 Grundschulen der Verbandsgemeinden (VG) sozialpädagogische Angebote. Das kostet rund 500 000 Euro, die sich der Kreis und die sechs Verbandsgemeinden Saarburg-Kell, Konz, Schweich, Trier-Land, Ruwer und Hermeskeil teilen. Dafür wurden 6,13 Vollzeitstellen mit 13 Mitarbeitern besetzt. So wollen die Beteiligten alle Grundschulen (4200 Schüler) im Kreis bei Bedarf versorgen können.

Konzeptionell ist die Arbeit so angelegt, dass es in jeder VG mindestens eine Präsenzschule gibt, in der die Fachkräfte ansässig sind. Deren Aufgabenbereich dehne sich aber auf „Satellitenschulen“ aus, also Schulen, in denen die Fachkräfte bei Bedarf tätig werden können, aber nicht dauerhaft vor Ort sind. Kreissprecherin Martina Bosch schildert ein Beispiel: „In der VG Hermeskeil ist die Grundschule der Stadt Präsenzschule. Von dort aus erfolgt die Arbeit ebenso für die Schulen in Beuren, Gusenburg, Reinsfeld und Züsch.“

Die VG Ruwer und Konz sind die Vorreiter, die Schulsozialarbeit an Grundschulen schon vor der Kreisinitiative aus eigener Tasche gezahlt und angeboten haben. In Konz läuft das Angebot zum Beispiel seit 2015. Die Präsenzgrundschulen waren bis 2021 St. Nikolaus und St. Johann in der Stadt Konz. Von dort aus haben zwei Schulsozialarbeiter (eine Vollzeitstelle) alle neun Grundschulen in der VG mit fast 1200 Schülern betreut. Und es hat sich gelohnt, so schildert es Bürgermeister Joachim Weber: „Wir haben den Aufschlag gemacht. Aber damit ist das Thema nicht abgedeckt.“ Die Kreisbeigeordnete Simone Thiel (CDU) erläutert, dass es eine freiwillige Leistung des Kreises sei. Der Kreis gehe in Vorleistung bei der Finanzierung, hoffe aber darauf, dass sich künftig auch das Land beteilige – wie bei den weiterführenden Schulen. Weber unterstützt die Forderung und meint, dass es gerade bei Problemfällen wichtig sei, möglichst früh ein sozialpädagogisches Angebot zu gewährleisten. In der VG Konz kümmert sich das Jugendnetzwerk Konz um die Schulsozialarbeit, in den anderen Verbandsgemeinden der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes. Inhaltlich spricht das Angebot Kinder, Eltern und Sorgeberechtigte, Lehrer und die Schulgemeinschaften an. „Niemand muss die Dinge in Anspruch nehmen“, heißt es beim Kreis. „Im Fokus steht eine bedarfsorientierte Unterstützung.“ Und der Bedarf wurde durch eine Abfrage an allen Grundschulen erfasst. Erfragt wurde beispielsweise die Zahl der Kinder mit psychischen Problemen. Demnach haben in der zweiten Grundschulklasse bis zu 30 Prozent der Kinder (in absoluten Zahlen 312) psychische Auffälligkeiten (der TV berichtete im Juni 2020).

Ein wichtiger Aspekt ist die Prävention. Das begrüßt Jugendamtsleiter Andreas Beiling. Er sieht in der Grundschulsozialarbeit ein niedrigschwelliges Angebot vor Ort, das die sozialraumorientierte Jugendhilfe sinnvoll ergänzt. „Die Familien werden eher erreicht, als wenn sie nach Trier zur Verwaltung kommen müssten“, sagt er. Gespannt wartet Beiling derzeit auf Rückmeldungen nach dem Lockdown. Nach dem vergangenen Jahr sei eines klar gewesen: Die Schule habe den Kindern und Familien sehr gefehlt.