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Wie ein schwerer Klotz auf Rädern

Wie ein schwerer Klotz auf Rädern

Fahren, dribbeln und auf den Gegner achten: Rollstuhlbasketball verlangt den Spielern einiges an Ausdauer und Koordination ab. Wie sich das anfühlt, können Interessierte bei einem Jedermann-Turnier der Trierer Dolphins am 14. Mai ausprobieren. TV-Redaktionsmitglied Hannah Schmitt ist vorab schon mal in den Rolli gestiegen.

Trier. Wie eine Einkaufswagenschlange schiebt Günter Ewertz, Übungsleiter bei den Dolphins, eine Reihe von Rollstühlen in die Trierer Wolfsberghalle. Kinder und Jugendliche stürmen an mir vorbei, rennen oder rollen durch die breite Eingangstür. Ich stehe im Flur, habe keine Ahnung, was genau mich beim Training mit den Rollis erwartet - und noch keinen Rollstuhl. "Probier den mal. Der könnte passen", sagt Günter Ewertz. Niedriger schwarzer Ledersitz, tiefe Rückenlehne, vorne ein Metallring, der Stöße abfangen soll - so sieht mein Gefährte für die kommenden Stunden aus.

Die letzten Minuten vor dem Training: Kühl drücken die Metallstangen seitlich gegen meine Oberschenkel. Meine Füße berühren gerade noch die Fußablage. Kaum sitze ich im Rollstuhl, fühle ich mich schon unpassend angezogen. Eine Jeans war wohl doch die falsche Wahl. Ein Blick zu den Jugendlichen beruhigt mich. Viele von ihnen trainieren auch in Alltagskleidung.

Aufwärmen: "Dreh schon mal ein paar Runden", ruft Günter Ewertz mir zu und gibt meinem Rolli einen Schubs. Unkoordiniert rolle ich über den Hallenboden. Um mich herum brausen die Kinder mit voller Geschwindigkeit, bremsen mit ihren Händen kurz vor der Wand ab, drehen sich behände um die eigene Achse. Ich bin froh, wenn ich geradeaus fahren kann. Die ganze Konzentration auf meine Arme gerichtet, schiebe ich gleichmäßig die Räder nach vorne. Glaube ich zumindest. Aber der Rollstuhl möchte nicht so, wie ich das möchte.

Spielpraxis: Wir steigen langsam ein, passen uns die Bälle zu, üben gleichmäßiges Fahren und Bremsen. Meine Beine wollen aus dem Rolli raus, Schuhe und Räder kommen sich immer wieder in die Quere. Vor allem, wenn ich einen Ball aufheben soll. Während ich noch versuche, dabei nicht nach vorne rauszufallen, kommt von der Seite schon einer der anderen Spieler und schnappt mir den Ball weg. Ich fühle mich langsam, unbeweglich, wie ein schwerer Klotz auf Rollen. Von allen Seiten überholen mich Rollstühle. Ob behindert oder nichtbehindert, jeder andere ist schneller als ich. Trainer Dirk Passiwan bezieht mich dennoch ins Spiel mit ein. Ich bin Teil einer Mannschaft, bekomme eine Abwehr- und Angriffsposition zugewiesen. Plötzlich muss ich nicht nur mich, meinen Rolli und den Ball, sondern auch noch den Gegner kontrollieren. Über die Regeln sieht er bei mir netterweise hinweg. Eigentlich sind nur drei Anschübe erlaubt, ohne zu dribbeln. Bei mir werden es meistens ein paar mehr.

Nach dem Training: Es ist ein komisches Gefühl, nach rund zwei Stunden aus dem Rolli aufzustehen, wie gewohnt auf zwei Beinen zum Auto zu laufen. Irgendwie hatte ich mich schon ein bisschen an meinen fahrbaren Untersatz gewöhnt. Nur meine Hände nicht. Sie riechen nach Gummi, sind rot vom Bremsen und schwarz von den Reifen. Und wie sich morgen der Muskelkater anfühlen wird, möchte ich mir gar nicht erst vorstellen.

EXTRA

ROLLIS TRIER



Der Rollstuhl-Sportclub Trier wurde 1985 gegründet. Die erste Mannschaft spielt in der ersten Rollstuhl-Basketball-Bundesliga. Seit Mitte der 90er Jahre hat der Verein eine eigene Kinder- und Jugendabteilung, der inzwischen 41 Kinder angehören. Trainiert wird die Gruppe montags um 19 Uhr in der Arena und freitags um 15 Uhr in der Wolfsberghalle von den Bundesliga-Spielern Dirk Passiwan und Tara Feser sowie dem Übungsleiter Günter Ewertz. Das Jedermann-Turnier wird am Samstag, 14. Mai, zwischen 10 und 17 Uhr in der Wolfsberghalle ausgetragen. Pro Teammeldung gilt eine Spende in Höhe von 50 Euro als Teilnahmegebühr. Einzelspieler bezahlen sieben Euro, Vereinsmitglieder fünf Euro und Kinder drei Euro. Sportrollstühle werden bei Bedarf gestellt. Anmeldungen bis zum 30. April per E-Mail an dolphins@gmx.de hsc