Wie ein Treffer das Leben eines Soldaten gerettet hat

Wie ein Treffer das Leben eines Soldaten gerettet hat

Heinz Kolz aus Reinsfeld hat die Kriegserlebnisse seines Vaters unter dem Titel "Heimatschuss" veröffentlicht. Basis sind detaillierte Tagebuch-Einträge.

Reinsfeld/Tawern Es ist der 13. Oktober 1943. Zwei Tage sind es noch bis zu seinem 17. Geburtstag, als Albert Kolz aus Reinsfeld zur Wehrmacht eingezogen wird. Während der Zugreise nach Russland beginnt der junge Mann seine Aufzeichnungen. Er schreibt seine täglichen Kriegserlebnisse in einen kleinen Taschenkalender, von dem er stets ein Exemplar bei sich trug.
In den 1990er Jahren schreibt Kolz seine Einträge von damals in ein Manuskript um. Sein Sohn Heinz hat diese Aufzeichnungen jetzt nochmals überarbeitet und - zehn Jahre nach dem Tod des Autors - mit ergänzenden Informationen als Buch herausgebracht. Der Titel: "Heimatschuss".
"Bereits die Soldaten im Ersten Weltkrieg nutzten diesen Begriff", sagt Heinz Kolz. So habe man es genannt, wenn sich Soldaten eine Schussverletzung zuzogen, die ernst, aber nicht tödlich war. Weil sie nicht an der Front behandelt werden konnten, wurden die Männer in die Heimat zurückgebracht, was allerdings nicht unbedingt bedeutete, dort auch bleiben zu dürfen.
Mitte Oktober 1943, kurz vor seinem 19. Geburtstag, wird Albert Kolz durch einen Granateinschlag verletzt, sein erster Heimatschuss. Jeden Tag vertraut der junge Soldat seine Erlebnisse seinem Tagebuch an: den Beschuss durch die Russen, die Zahl und die Namen der gefallenen Kameraden, aber auch die Erlebnisse mit der Zivilbevölkerung. 1943 war die Wehrmacht bereits vor der Übermacht der Roten Armee auf dem Rückzug. Seine Frage nach dem "Endsieg", so schildert es Kolz, beantwortete sein vorgesetzter Unteroffizier mit einer Gegenfrage: "Glauben Sie an den Weihnachtsmann?"
Die Notizen lassen den Leser die Grauen des Krieges aus erster Hand erfahren. Authentisch wird beschrieben, in welch großer und dauernder Gefahr ein Wehrmachtssoldat schwebte. "Einmal wurde er auf einem Wachturm abgelöst. Kaum war die Ablösung auf dem Turm, fiel ein Schuss. Der Unteroffizier, der gerade hinaufgeklettert war, starb nur fünf Minuten nach der Ablösung", gibt Heinz Kolz eine Situation von vielen wieder, in der sein Vater knapp dem Tode entging.
Sein Vater habe den eigenen Kindern früh erzählt, wie er den Krieg erlebt habe - anders als viele seiner Schicksalsgenossen. "Sonntags saßen wir auf dem Sofa, und Vater begann zu erzählen", erinnert sich der mittlerweile 62-jährige Sohn. Als er die Geschichte vom Wachwechsel auf dem Ausguck erfuhr, war er fünf Jahre alt: "Solche Geschichten bleiben ein Leben lang präsent."
Das Buch ist für den Autor wie für den Herausgeber eine Traumabewältigung, auch deshalb, weil Albert Kolz ein sehr begabter Geschichtenerzähler war. Grundlage sind jedoch die Notizbücher, mit denen das Geschehen festgehalten wurde, und zwar auf den Tag genau. "Leute, die ebenfalls in Russland kämpften, sind dankbar für dieses Buch", sagt Heinz Kolz. Es sei erlebte Geschichte aus der Sicht der Familie und eine Mahnung an künftige Generationen, Menschen mit kriegsverherrlichendem Gedankengut nicht an die Macht kommen zu lassen. "Mein Vater war gegen die Nazis und christlich eingestellt", sagt Kolz.
Den Titel "Heimatschuss" habe er auch gewählt, weil "Heimat in einer Front-Kampfsituation Hoffnung und Anker ist, der den Willen stärkt, überleben zu wollen."
Nach dem Krieg heiratete Albert Kolz und baute ein Haus in Tawern (VG Konz), wo er bis vor zehn Jahren lebte.
Extra: 650 EXEMPLARE GEDRUCKT


"Heimatschuss", das Tagebuch des Infanteriesoldaten Albert Kolz, ist im Verlag Matthias Ess aus Bad Kreuznach erschienen ( <%LINK auto="true" href="http://www.ess.de" text="www.ess.de" class="more"%> ). Die Auflage liegt bei 650 Exemplaren. Herausgeber ist Heinz Kolz (62). Der Band mit 188 Seiten und 21 Schwarzweißfotos kostet 14,90 Euro.

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