Wie kam es zu dem verheerenden Zusammenstoß von Frau und Auto in Taben-Rodt?

Kostenpflichtiger Inhalt: Prozess um versuchten Mord in Taben-Rodt : Gericht spielt Tat nochmal durch

Wie kam es zu dem verheerenden Zusammenstoß von Frau und Auto in Taben-Rodt? Im Prozess um versuchten Mord geht ein Gutachter diese Frage nach.

Wie in einem Fahrsimulator wirkt die Animation, die auf einer Leinwand in einem Saal des Trierer Landgerichts gezeigt wird. Der Betrachter sitzt quasi hinter dem Steuer eines Dacia Duster. Das Auto biegt nach rechts in eine abknickende Straße mit seitlichen Parkplätzen ein. Eine Frau überquert die Fahrbahn wenige Meter vor dem Wagen. Doch das Auto fährt ungebremst weiter und erfasst die Frau. Der Körper fliegt auf die Motorhaube, der Kopf prallt gegen die Windschutzscheibe.

So könnte sich die Tat, um die es im Prozess um versuchten Mord in Taben-Rodt geht, Mitte November 2018 abgespielt haben. Denis Klippel, öffentlich bestellter Sachverständiger für Unfallrekonstruktion, hat den Hergang im Auftrag des Gerichts virtuell nachgestellt. Das vor allem im Frontbereich und links vorne ramponierte Fahrzeug, das nach dem Zusammenstoß mit der Frau gegen einen Baum gefahren wurde und bei Dreisbach in der Saar landete, hat er dafür eingehend untersucht. Sein Fazit: Die Schäden, zu denen ein sternförmiger Bruch der Winschutzscheibe gehört, sind typisch für den Zusammenstoß mit einem Fußgänger. Ein Jeansstoff-Abdruck und Haare an den möglichen Kontaktstellen wurden dem Opfer laut Klippel zugeordnet. Weitere Mängel am Fahrzeug, beispielsweise an der Radaufhängung, die zu einem Unfall hätten führen können, habe es nicht gegeben.

Der Fahrer sei mit mindestens 30 Kilometern pro Stunde gefahren, sonst wäre die Frau nicht auf die Motorhaube geflogen, erklärt der Gutachter. Er nimmt an, dass der Wagen auf der rechten Fahrbahnseite gefahren ist und die Fußgängerin die Kreuzung diagonal überquert hat – so soll sie es laut eigenen Angaben sonst gemacht haben. Der Sachverständige folgert aus seinen Berechnungen: Unter diesen Umständen hätte der Autofahrer den Zusammenprall durch Bremsen oder Ausweichen verhindern können. Je weiter links er gefahren wäre, desto mehr Zeit hätte er dafür gehabt.

Der Taben-Rodter Fall ist knifflig, denn das Opfer kann sich nicht an die Kollision erinnern, und auch der mutmaßliche Täter gibt an, nichts davon zu wissen. Fakt ist, dass die Frau, die an jenem Novembertag vom Parkplatz am Bürgerhaus zu ihrer Arbeitsstelle gehen wollte, durch die Kollision erheblich verletzt wurde und nun als schwerbehindert gilt. Der Angeklagte ist ihr Ex-Freund, allerdings war das Verhältnis kompliziert. Sieben Jahre lang hat der Beschuldigte eigenen Aussagen zufolge eine Art Doppelleben geführt: Er hat mit einer anderen Frau zusammengelebt und mit der angefahrenen 44-Jährigen nebenher eine Beziehung geführt. Wenige Monate nachdem sie diese Liaison beendet hatte, kam es zu dem Zusammenstoß mit dem SUV (Sportgeländewagen). 34 Zeugen wurden in dem Verfahren bislang angehört. Das Gericht hat zudem vier Gutachten beauftragt: neben dem Kraftfahrzeug-Gutachten ein psychiatrisches, ein psychologisches und ein rechtsmedizinisches. Der 46 Jahre alte Angeklagte, ein Heizungsbauer aus dem Saarland, hat sich bisher lediglich zu seiner Person geäußert. Er gab an, 2018 wegen Depressionen in einer Psychiatrie behandelt worden zu sein.

Sein Anwalt Andreas Ammer führt am Montag an, dass es viele Möglichkeiten gibt, wie sich der Zusammenprall zugetragen haben könnte. Er fordert weitere Berechnungen für den Fall, dass die Frau anders gelaufen, der Wagen schneller und woanders losgefahren ist. Richterin Petra Schmitz bittet ihn, sich auf einige Forderungen zu beschränken und diese schriftlich reinzugeben. Eventuell muss der Gutachter dann erneut aussagen.

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