Wie schreibt man eigentlich "Ällwis Pressli"?

Wie schreibt man eigentlich "Ällwis Pressli"?

Eine technische Revolution blieb in Erinnerung: Irgendwann in den späten 50er-Jahren hatten wir ein neues, modernes Radio bekommen. Eines mit fünf elfenbeinfarbenen Tasten. Und auf diesen stand zu lesen: MW, LW, UKW 1 und UKW 2, links von allen – Aus.

Das neue Gerät hatte nach meinem Empfinden einen viel besseren Klang. Wenn auch das Radioprogramm, das meine Eltern mit Vorliebe hörten, noch immer das gleiche war. Sonntagmittags ab 13 Uhr das Sonntagskonzert. Da erklangen die Stimmen von Rudi Schuricke und Margot Eskens, Gerhard Wendland und Caterina Valente, auch von Vico Torriani oder Liselotte Malkowski. Irgendwann konnte man alle Lieder mitsingen. Man nannte sie noch Gassenhauer. Anglizismen gab es noch nicht hierfür. Erfolgreiche amerikanische oder englische Lieder bekamen einen deutschen Text und wurden neu aufgenommen. Irgendeines Tages, das neue Radio hatte mich animiert, begann ich die Mittelwelle, Langwellen und die beiden Ultrakurzwellen Zentimeter für Zentimeter abzudrehen. Da sagte irgendjemand ununterbrochen Zahlen durch. Warum eigentlich? Mancher Radiosender war undeutlich, ein anderer kam nur leise rüber. Auch gab es welche, die waren auf unterschiedlichen Frequenz-Kanälen gleich mehrfach zu hören. Und dann war da auf einmal ein Sender, der redete in einer fremden Sprache. Eigentlich konnte ich das nicht verstehen. Da waren doch Grenzen dazwischen. Französisch, Englisch - oder so was. Irgendwann sprach jemand von "Ällwis Pressli", so hatte ich es jedenfalls verstanden. Meine Eltern konnten mir nicht sagen, was oder wer das ist. Aber ich hatte das Wort Rock gehört. Und das war mir ja bekannt. Was dann kam, war eine ganz andere Melodie als im Sonntagmittagprogramm des Südwestfunks. Das war schneller und lauter. Und als ich dann noch begann zu versuchen, mich im ungewohnten Rhythmus des Liedes zu bewegen, da hörte ich meine Eltern sagen: "Mach die Negermusik aus. Radau gibt es genug auf der Straße." Doch das Lied hatte mich fasziniert. Es war anders als alle bisher gehörten. Ich wollte es wieder hören. Aber wie schrieb man jenes "Ällwis Pressli" eigentlich richtig? Und dann, per Zufall, fand ich in der Wochenendbeilage des Trierischen Volksfreunds ein etwas ähnlich klingendes Wort. Elvis Presley stand da. Nur das "v" irritierte mich. Das ist bestimmt ein Druckfehler, so dachte ich, eigentlich müsste es ja ein "w" sein. Und ein Foto war daneben abgebildet. Ein junger Mann in einem "Hawaiihemd", der als Soldat nach Deutschland kommen sollte. Was war ein Hawaiihemd? Egal, ich wollte auch so eines. Und ich wollte damit fotografiert werden. Wenige Wochen zuvor hatte ich meinen eigenen Fotoapparat bekommen. Eine Agfa Clack. Man brauchte einen Rollfilm mit acht Aufnahmen. Jedes Negativ musste einzeln eingedreht werden. Auf der Rückseite des Apparates war links unten ein kleines Fenster, kleiner als pfenniggroß, in der man die Negativnummer sah. Man durfte nicht zu weit drehen, dann waren die Fotos überlappt. Mit eben dieser Kamera hätte ich gerne ein Foto von mir im von mir erstrittenen Hawaiihemd. Ich wollte gerne wie Ällwis Pressli, Entschuldigung, wie Elvis Presley aussehen. Übrigens. Das Lied hieß "Jailhouse Rock", der Sender war AFN. Und das Foto wurde im Sommer 1958 in Karthaus mit Blick auf Zewen-Oberkirch gemacht.