Wie sieht die Nitratbelastung in der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell aus?

Kostenpflichtiger Inhalt: Umwelt : Nitratbelastung in der VG Saarburg-Kell: Wasser noch trinkbar, aber gefährdet

Wie sieht die Situation des Trinkwassers in der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell aus, und was bedeuten die geplanten Auflagen beim Düngen für die Bauern? In der Verbandsgemeinderatssitzung gab es darauf nicht nur beruhigende Antworten.

Zwei TV-Berichte über die Nitratbelastung von Grundwasser im November waren Anlass für eine Informationsoffensive in der Sitzung des Rats der Verbandsgemeinde (VG) Saarburg-Kell. Laut diesen Berichten hat die VG wie viele andere Regionen auch ein Problem mit dem stickstoffhaltigen Salz, dessen Abbauprodukte in höheren Mengen als gesundheitsgefährdend gelten.

Es wurden im Grundwasser Nitratwerte gemessen, die über dem Grenzwert für Trinkwasser, also über 50 Milligramm Nitrat pro Liter liegen. Deshalb gehört die VG in entsprechenden Karten zu den roten Gebieten in Deutschland, ist also ein Areal mit schlechtem Grundwasserzustand.

Die CDU im Rat hatte einen von allen Fraktionen getragenen Antrag gestellt, in dem sie die Verwaltung bat, Fachleute zum Thema einzuladen. Laut der CDU-Fraktionsvorsitzenden Simone Thiel machten sich viele Bürger Sorgen um das Grundwasser. Es gehe jedoch auch um die Frage, wie es mit der Bewirtschaftung der Kulturlandschaft durch die Bauern künftig weitergehe. Denn Überdüngung ist eine Ursache der Nitratbelastung.

Die Experten Was Alfred Weinandy von der Regionalstelle Trier der Struktur- und Genehmigungsdirektion, und Franz Petri, Werkleiter der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell, darlegten, beruhigte die Kommunalpolitiker zum Teil. Doch einfach Entwarnung geben wollten die Experten nicht.

Demnach liegen zwar die Messwerte überall da, wo Trinkwasser gewonnen wird, deutlich unter dem Grenzwert. Doch anderswo wurde mehr Nitrat gefunden. Weinandy nannte die Quelle Kundelbur (östlich von Kirf) als Beispiel. 97,8 Milligramm Nitrat pro Liter wurden dort gemessen. Trinkwasser wird dort allerdings nicht gewonnen.

Petri sagte: „Unser Trinkwasser ist so trinkbar, wie es aus dem Boden kommt.“ Es muss also nicht wie in anderen Regionen vermischt werden, um den Nitratwert zu senken. Doch Petri wies darauf hin, dass das Wasser nicht unbelastet sei. Die stärksten Belastungen lägen bei 25 Milligramm pro Liter, beispielsweise im Brunnen Irsch. Bei einigen Quellen seien die Werte in den vergangenen Jahren zudem angestiegen. Petris Schlussfolgerung: „Wir müssen etwas tun. Wir müssen das Wasser für die nächste Generation sichern.“

Um das Grundwasser vor Nitrat zu schützen, sind laut Weinandy Wasserschutzgebiete das wichtigste Instrument. Bebauung, Straßenbau und Landwirtschaft (Düngung) sind dort nur eingeschränkt möglich. Laut Weinandy steht die ehemalige VG Kell insgesamt besser da beim Thema Trinkwasser. Dort würden Nitratwerte von maximal 5 Milligramm gemessen. Dies hänge damit zusammen, dass sich die Wasservorkommen unter Wald befänden.

Die Landwirte kämpfen angesichts neuer Verordnungen im Hinblick auf Nitrat um ihre Existenz. Dies machten Hans-Peter Wacht aus Fisch und sein Kollege Heinz-Peter Rauen deutlich. Sie waren zusammen mit sechs weiteren Landwirten vom Saargau und von Zerf in die Ratssitzung gekommen. Wacht sagte: „Hinter uns stehen 80 Landwirte und Winzer.“ Interessensgemeinschaft Rote Gebiete nennt sich die Gruppe.

Wacht erklärte, dass ihn das neue Agrarpaket 350 000 Euro kosten würde. Wegen der verkürzten Zeit zur Gülleausbringung müsse er einen neuen Güllebehälter anschaffen. Er brauche neue Gerätschaften, um den Dung bodennah zu verteilen. Die geforderte Düngereduzierung um 20 Prozent würde zudem Erntemenge und -qualität des Getreides reduzieren, was weniger Ertrag bedeute.

Wacht, der einen mittelgroßen Betrieb mit Milchkühen und Nachzucht hat, will sich dann mindestens von den Jungtieren trennen, die noch auf den Streuobstwiesen weiden. Er befürchtet jedoch, dass die Auflagen für einige mittlere Betriebe, wie sie in der Region üblich sind, das Aus bedeuten.

Dabei haben die Landwirte grundlegende Zweifel an der Methodik, die zur Einteilung in die roten Gebiete geführt hat, wie Heinz-Peter Rauen darlegte. So sei für das 30 000 Hektar große Gebiet, in dem auch der Saargau liegt, der Nitratgehalt an drei Stellen gemessen worden: in Kirf, Kahren und Ensch. In den beiden letztgenannten liegen die Messwerte meist über dem Grenzwert. Rauen hat eine mögliche Erklärung dafür: Sowohl in Ensch wie in Kahren befinden sich alte Deponien im Boden. Doch ob die Werte da herrührten, sei nie untersucht worden.

Rauen moniert generell, dass Deutschland die Messpunkte falsch ausgewählt habe. Quellen bei alten Deponien beispielsweise seien bereits ausgeschlossen. Zudem seien in erster Linie die Punkte mit schlechten Werten gemeldet worden. Wie sonst könne es sein, dass Deutschland laut Umweltbundesamt das beste Trinkwasser (zum Großteil aus Grundwasser gefördert) auf der Welt habe, aber die schlechtesten Grundwasserdaten Europas? Die nächste Kritik: die etwa 800 Messpunkte in Deutschland seien zu wenig, andere Länder hätten viel mehr gemeldet. Die Bauern fordern, kleinteiliger zu messen.