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Wieder Streit um das Feuerwehrmuseum

Wieder Streit um das Feuerwehrmuseum

Die Stadt Hermeskeil wird beim laufenden Bau des Feuerwehrmuseums an vier Stellen abspecken und dadurch die Kosten um 50 000 Euro auf circa 3,81 Millionen Euro drücken. Das hat der Rat am Dienstag mit großer Mehrheit beschlossen. Wegen der bislang erfolglosen Suche nach einem Pächter für die Gastronomie kochte die Diskussion trotzdem hoch.

Hermeskeil. Eine Ratssitzung ohne Theater beim Thema Feuerwehrmuseum: Gibt\'s das in Hermeskeil? Nein, das gibt\'s nicht! Dabei sah es am Dientagabend zunächst ganz danach aus, als würde der Rat rein sachlich über das wichtigste Projekt in der Stadt diskutieren, das aus einem Neubau und dem sanierten Altbau des früheren Heimatmuseums bestehen wird. Mit großen Mehrheiten verständigte sich das Gremium darauf, bei den noch ausstehenden Arbeiten am neuen Feuerwehrmuseum an vier Stellen der beiden Gebäude Abstriche zu machen und dadurch weniger Geld auszugeben. Auf diese Suche nach Einsparmöglichkeiten hatte sich der Stadtrat begeben, weil Architekt Christoph Eiden bereits im September - vor allem wegen der Sanierung des Altbaus - einen Anstieg der Baukosten angekündigt hatte (der TV berichtete).
Sie sollten ursprünglich - so die Schätzung im März 2010 - bei 3,666 Millionen Euro liegen. Nachdem nun 60 Prozent der gesamten Bauleistungen ausgeschrieben und beauftragt sind, hat Eiden diese Kostenschätzung um 195 000 Euro auf 3,861 Millionen Euro nach oben korrigiert - das ist ein Preisanstieg von 5,3 Prozent. "Wir sitzen jetzt aber hier, um diese Prozentzahl runterzukürzen", betonte Eiden.
Kunststoff statt Aluminium


Durch die aktuelle Entscheidung des Gremiums wurden die Kosten wieder um 50 000 Euro gedrückt. Konkret werden im Altbau keine 30 Fenster aus Aluminium installiert, sondern es werden Kunststofffenster bestellt. Einsparungen bringen auch günstigere Bodenbeläge aus PVC und der Verzicht darauf, im Erdgeschoss des Neubaus die Decke zu schwärzen. Bei einem großen Posten entschied sich das Gremium hingegen, die teurere, dafür aber langlebigere Variante beizubehalten. An der Außenhaut des Neubaus werden sogenannte Vorhangfassaden - das sind hochdruckgepresste Laminatplatten - angebracht. Obwohl ein Verputz 110 000 Euro günstiger wäre, verzichtete das Gremium auf Anraten Eidens und des Bauamtsleiters Harald Haubricht auf diese Einsparmöglichkeit. Man müsse bei einem Verputz die Fassade häufiger streichen und dann für viel Geld ein Gerüst aufstellen, argumentierten die Fachleute. Nur am Anbau zur Gastronomie, der auf der Rückseite Richtung Amtsgericht liegt, wird anstelle der Laminatplatten der günstigere Verputz verwendet.

Ein Vorstoß der CDU sorgte dann aber trotzdem noch für Streit: Bernd Mende und Markus Forster kritisierten, dass es nach wie vor keinen Pächter für den Gastronomiebereich im Erdgeschoss des Altbaus gibt. "Dabei haben Sie immer angekündigt, dass alles einfacher wird, wenn das Museum im Bau ist", so Forsters Vorwurf an die Adresse von Stadtbürgermeister Udo Moser (Bürger für Bürger, BFB). Sollte die Suche nach einem Investor weiter erfolglos bleiben, müsse man sich professionelle Hilfe holen. Diesen Einwand konterte Moser jedoch mit dem Hinweis, dass er schon Anfang 2012 in einer Ratssitzung angeregt habe, eine auf die Vermittlung von Gastronomieprojekten spezialisierte Firma einzuschalten. Diese hätte im Erfolgsfall eine Provision erhalten. Seinen Vorschlag, so Moser, habe aber ausgerechnet die CDU wegen der damit verbundenen Kosten abgelehnt. Im Übrigen hielt Moser der CDU vor, dass sie - etwa nach internen Querelen im Förderverein, der das Museum später betreiben soll - den Start der Bauarbeiten "monatelang behindert hat." Wegen der Verzögerungen habe man schon interessierte Gastwirte ziehen lassen müssen.
Moser räumte ein, dass es konkret keinen Bewerber für die Gastronomie gibt. "Wir bemühen uns aber weiter und gehen verstärkt in die Werbung."
Der Rat einigte sich bei vier Neinstimmen darauf, dass die Stadt noch bis zum 31. März 2013 auf eigene Faust einen Gastronomiepächter sucht und erst dann professionelle Unterstützung in Anspruch nimmt.Meinung

Auf Schlingerkurs
Muss man Feuer und Flamme für das Hermeskeiler Prestigeprojekt Feuerwehrmuseum sein? Das muss man sicher nicht. Denn niemand kann mit Gewissheit sagen, ob die Stadt mit ihrem sehr, sehr teuren Bauprojekt den gewünschten Impuls für die Wiederbelebung der darbenden Innenstadt setzt oder ob sie sich damit nicht in ein zu großes finanzielles Abenteuer stürzt. Vielen Ratsmitgliedern hat diese Frage auch Bauchweh bereitet, was oft genug betont wurde. Doch letztendlich haben sich nach jahrelangen Debatten mit Ausnahme der Linken alle Ratsfraktionen zum Bau des Museums bekannt. Das gilt auch für die CDU, deren aktuelle Kritik an Stadtbürgermeister Moser schon merkwürdig ist. Denn in der Tat kommen die Christdemokraten mit ihrem Ruf nach professioneller Hilfe bei der Suche nach einem Gastronomiebetreiber nun plötzlich mit einer Forderung um die Ecke, die sie noch vor einigen Monaten abgelehnt haben. Hätte die CDU damals von vorneherein gesagt, dass sie dem Baubeginn nicht zustimmt, solange kein Pächter da ist, hätte man das als konsequente Haltung bezeichnen können. Das hat die CDU aber nicht getan und insofern kritisiert die Fraktion heute eine Vorgehensweise, die sie früher selbst mit auf den Weg gebracht hat. Das schaut dann doch stark nach einem Schlingerkurs aus. a.munsteiner@volksfreund.de