Wiederaufbau des Saarburger Rathauses nach Brand beginnt im November 2019

Kostenpflichtiger Inhalt: Nach Brand vor mehr als einem Jahr : Ab November wird das Saarburger Rathaus wieder aufgebaut

Viele werden sich noch daran erinnern, was sie an dem Tag gemacht haben, als das historische Verwaltungsgebäude in Saarburg brannte. Es dürfte noch mindestens eineinhalb Jahre dauern, bis der Bau wiederhergestellt ist.

Landrat Günther Schartz weiß noch genau, was er am 19. August 2018, dem Tag, als das Saarburger Rathaus auf dem Schlossberg brannte, unternommen hat: „Ich war bei einer Familienfeier und wollte den Abend zu Hause verbringen. Mein jüngster Sohn hat dann von unterwegs eine WhatsApp mit einem Bild der brennenden VG (Verbandsgemeinde) geschickt. Das wollte ich zunächst nicht glauben.“

Landrat geschockt Unmittelbar danach sei der Anruf des Kreisfeuerwehrinspekteurs mit der Info zum Brand gekommen. Schartz: „Das hat mich sehr geschockt, denn ich kenne das Haus Warsberg aus meiner Zeit als Bürgermeister der VG sehr gut. Ich bin dann sofort nach Saarburg gefahren und war den ganzen Abend dort.“ Er sei im Leitungsstab der Feuerwehren und bei Pressegesprächen dabei gewesen. Zum ersten Mal habe er erlebt, wie Einsatzkräfte die neue Drohne des Kreises mit einer Wärmebildkamera über das brennende Gebäude gesteuert und die Brandnester im Dach aufgespürt hätten. Die Drohne habe die Einsatzkräfte damit bestens unterstützt.

Mit Rauch geht es los So wie sich der Landrat noch genau an diesen Tag erinnern kann, können das wohl viele. Denn für viele war das Großfeuer auf dem Schlossberg, das ein Großaufgebot an Einsatzkräften nach sich zog, ein Schock. Gegen 18.45 Uhr hat an diesem sonnigen Augusttag der erste Anrufer bei der Polizei gemeldet, dass aus dem Dach der Verwaltung Rauch dringt. Zehn Minuten später traf die Beuriger Feuerwehr mit drei Fahrzeugen dort ein. Die Saarburger Kollegen folgten kurz darauf.

270 Feuerwehrleute strömen herbei Dann schlugen die ersten Flammen aus dem Dach. Die Einsatzkräfte strömten schließlich aus allen Richtungen nach Saarburg. Allein 270 Feuerwehrleute von den Wehren der damaligen Verbandsgemeinden Saarburg und Kell am See sowie von den Löschzügen Konz, Mettlach, Merzig und Trier kamen dorthin. Von fünf Drehleitern aus bekämpften sie das Feuer, das in der engen Bebauung drohte, auf die Altstadt überzugreifen. Um 23.19 Uhr hatte die Feuerwehr den Kampf gegen die Flammen gewonnen. Dann begannen die Nachlöscharbeiten.

In Windeseile wieder einsatzbereit Und dann begann die Arbeit der Verwaltung, insbesondere die von Bürgermeister Jürgen Dixius. In Windeseile organisierte er Ausweichquartiere, so dass die Verwaltung wenige Tage nach dem Brand ihre Arbeit wieder aufnehmen konnte. Auch die Aufräumarbeiten und die Vorbereitungen für den Wiederaufbau wurden flott auf den Weg gebracht. Der Dachstuhl des historischen Gebäudes mit einer Grundfläche von 1000 Quadratmetern war komplett abgebrannt. Die darunterliegenden Stockwerke waren massiv durch Löschwasser geschädigt.

Arbeiten mit Zwischenfall Zunächst wurde der denkmalgeschützte Bau ausgeräumt, dann entkernt. Eine Spezialfirma reinigte in Mitleidenschaft gezogene Akten. Noch im Dezember 2018 wurde ein provisorisches Dach errichtet. Die Zwischenlösung, die den Schlossberg noch eine Weile zieren wird, besteht aus einem riesiges Gerüst, das auf dem Erboden fußt und mit weißer Plane à la Christo überdeckt wurde. Sie schützt die Überreste des Gebäudes und demnächst wohl auch Bauarbeiter vor Regen, Wind und Schnee.

Die Planung für den Wiederaufbau hat der Verbandsgemeinderat Saarburg-Kell im November 2018 vergeben. Vor wenigen Monaten wurde dann die Elektroversorgung, die provisorisch in zwei Nebengebäuden etabliert worden war, so umgebaut, dass die Baustromversorgung gesichert ist. Richtung Boemundhof wurde das Gebäude abgestützt, um ein Zusammenbrechen zu verhindern. Zu einem Zwischenfall kam es Anfang August. Ein 30-Jähriger erlitt einen tödlichen Stromschlag bei Schweißerarbeiten im Zusammenhang mit dem Ausbau der Öltanks im Keller des Verwaltungsgebäudes.

Der Wiederaufbau Aktuell geht es mit Riesenschritten Richtung Wiederaufbau. Die Verwaltung hat die Arbeiten ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist läuft bis 16. Oktober. Im November sollen die Handwerker laut Nathalie Hartl, Pressesprecherin der VG, loslegen. Sie beginnen mit Abbruch-, Mauer- und Betonarbeiten. Ziel ist es, nicht einfach den alten Zustand herzustellen, sondern das Dachgeschoss auszubauen. 20 zusätzliche Büros samt Aufenthalts- und Besprechungsräumen sind vorgesehen. Die Verwaltung rechnet damit, dass die Arbeiten in der ersten Hälfte 2021 abgeschlossen werden. Die Kosten für den Wiederaufbau lassen sich erst nach der Ausschreibung kalkulieren. Schätzungen beliefen sich zwischenzeitlich auf mehr als fünf Millionen Euro.

Kleine Ursache, große Wirkung Und das alles wegen eines kleinen Nagers. Vermutet wird, dass ein Marder den Brand des Verwaltungsgebäudes ausgelöst hat. Typischerweise knabbern diese Tierchen Stromkabel an. Dabei können sich Funken bilden, die wiederum Feuer entfachen können.

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