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Wiederverwendbare Becher beim Umzug: Karnevalsverein in Konz-Könen will Plastikmüll reduzieren

Kostenpflichtiger Inhalt: Weniger Plastikmüll : Zu Fastnacht keine Wegwerfbecher in Konz-Könen - So soll das neue System funktionieren

Der Könener Karnevalsverein will beim Umzug weniger Müll produzieren, indem er wiederverwendbare Becher verkauft. Die Jecken in anderen Orten finden die Idee, die 2019 erstmals in Tawern getestet wurde, gut. Für die Stadt Trier scheint sie nicht praktikabel.

Haufenweise Plastikmüll, darunter Hunderte Plastikbecher, die zuvor von Umzugteilnehmern mit Getränken verteilt wurden. Das gehört in etlichen Orten dazu, wenn ein Fastnachtsumzug durch die Stadt oder das Dorf gezogen ist. Doch einige Karnevalsvereine – zum Beispiel der Verein Riet Rous aus dem Konzer Stadtteil Könen – wollen den Müll reduzieren. Statt auf Einwegbecher setzen die Könener im Kampf gegen Müllberge auf wiederverwendbare Gefäße. Thorsten Hoffmann, Vorsitzender des Karnevalsvereins Riet Rous, sagt: „Mich haben in den letzten Jahren die Müllberge in den Straßen doch sehr gestört.“ Die Berichte in den Medien zum Thema Umwelt hätten ihn dazu gebracht, darüber nachzudenken, was man besser machen könne. Und dann sei da noch die Idee des Nachbarvereins CC Rot-Weiß Tawern gewesen, der 2019 beim Umzug Becher verkauft hat, um Müll zu vermeiden. „Es ist meiner Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Hoffmann.

Das System Auf TV-Anfrage erklärt der Vereinsvorsitzende das System: Wenn der Zug am Samstag, 22. Februar, 15.11 Uhr, durch den Konzer Stadtteil zieht, gibt es laut Hoffmann mindestens zwei Verkaufsstände an der Strecke. Außerdem würden mehrere Teams vor dem Umzug die Strecke mit Bechern ablaufen, um sie zu verkaufen. Der Karnevalsverein arbeite mit der Vereinsgemeinschaft zusammen. „Die Becher werden ausschließlich verkauft. Es gibt also kein Pfandsystem“, sagt Hoffmann. Ein 0,2-Liter-Becher mit dem Könener Wappen kostet dann einen Euro. „Selbstverständlich bleibt es den Besuchern überlassen, sich ihr eigenes Gefäß mitzubringen. Nur bitte keine Einwegbecher“, sagt Hoffmann.

Die Rückmeldungen auf Facebook- und Instagram-Beiträge zur Einführung der Becher beschreibt Hoffmann als positiv. Er denke, dass die Mehrheit mitmacht, aber: „Ausnahmen wird es immer geben.“ Eine absolute Kontrolle sei nicht umsetzbar. Aufräumen wird in Könen laut Michael Naunheim, Sprecher der Konzer Verwaltung, wie immer der städtische Bauhof. Die meisten Anlieger helfen laut Naunheim tatkräftig mit. Prinzipiell begrüße die Stadt solch nachhaltige Initiativen. Er sei gespannt, wie sich der Becherverkauf auf die Müllmenge auswirke, sagt Naunheim.


Vorbilder im Nachbarort Der Könener Verein hat sich vom Carnevalsclub (CC) Rot-Weiß Tawern inspirieren lassen, der schon im vergangenen Jahr auf den Becherverkauf gesetzt hat. Thomas Koltes vom CC Rot-Weiß sagt, dass sich die Einführung des Bechersystems in Tawern auf jeden Fall gelohnt habe. „Die Aktiven durften keine Einwegbecher mehr mitbringen“, sagt er. Das habe der Verein im Vorfeld bekannt gemacht. Und tatsächlich habe sich das positiv ausgewirkt: „Die Müllberge waren kleiner“, sagt Koltes. Sowohl die Gemeindearbeiter, die sich ums Aufräumen kümmern, als auch die Anwohner an der Zugstrecke seien zufrieden gewesen. Die Tawerner haben laut Koltes insgesamt 3000 Becher mit dem Vereinswappen über ein Internetportal gekauft. Wenn 2021 wieder ein Zug durch Tawern ziehe, sollen wieder Becher verkauft werden. „Wer dann mit Einwegbecher am Rand steht, bekommt nichts mehr zu trinken“, sagt Koltes, der auch von anderen Vereinen auf das Tawerner System angesprochen wurde.

Diskussionen in anderen Orten Die Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval hält ein Bechersystem wie in Könen aufgrund der Größe des Trierer Zugs nicht für umsetzbar (siehe Info). Andere Vereine können sich jedoch vorstellen, selbst auf den Becherverkauf zu setzen. Patrick Schons vom Karnevalsverein Närrische Kupp Ayl sagt zum Beispiel: „Wir haben es vor, aber die Becher wurden noch nicht geliefert.“ Auch die Vereine in Wasserliesch und in Oberemmel bestätigen auf TV-Anfrage, dass sie einen Verzicht auf Wegwerfbecher erwägen, ihn aber dieses Jahr noch nicht umsetzen. Philipp Hoffmann vom Verein Saarburger Fastnacht, der in Saarburg den Zug organisiert, erklärt, dass im Verein zumindest allgemein über Müllvermeidung diskutiert worden sei. Allerdings werde sich dieses Jahr noch nichts ändern.

Der Könener Karnevalsverein will den Müll durch den Verkauf solcher Becher mit Ortswappen reduzieren. Foto: Thorsten Hoffmann

Jörg Hartig vom Karnevalsverein Ruck Zuck aus Hermeskeil erklärt, dass Müllreduzierung auch dort ein Thema sei. Bei eigenen Veranstaltungen verwende der Verein schon lange bruchsichere Kunststoffbecher, die gespült und wiederverwendet werden. So könne auch Glasbruch vermieden und das Verletzungsrisiko gering gehalten werden. Zur Könener Idee sagt Hartig: „Es wird schwierig sein, ganz auf Einwegbecher bei den Umzügen zu verzichten.“ Die Organisatoren müssten die Gruppen kontrollieren, das führe zu Missstimmung. Hartig sieht auch die Industrie in der Pflicht, Alternativprodukte zu entwickeln.