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Wildbienenprojekt in Gusenburg sammelt Daten zum bundesweiten Bestand

Naturschutz : Wie viele Wildbienen gibt es in Deutschland noch? - Bürgen sollen helfen, die Antwort zu finden

Wildbienenprojekt in Gusenburg hilft, Daten zum bundesweiten Bestand zu sammeln.

(doth) Die Lage ist ernst. Schon vor seiner Haustür in Gusenburg findet Hobby-Insektenkundler Dieter Blatt eine tote Biene. Auf den 300 Metern bis zum ersten von der Regionalgruppe Gusenburg- Grimburg des Netzwerkes Blühende Landschaft aufgestellten Nistkasten sind es weitere drei. Mit seiner Kamera hält Blatt das Leben der wild lebenden Vettern der Honigbiene fest. Die Holzkästen auf Pfählen sind keine Insektenhotels, wie man sie inzwischen auch in Baumärkten kaufen kann.

Sie sind Teil eines bundesweiten Verbund-Forschungsprojektes des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit dem Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut für Biodiversität in Braunschweig. (Infos unter wildbienen.thuenen.de).

„Dabei helfen Bürger Daten zu erheben um den Ist-Bestand an Insekten zu ermitteln“, erklärt die Vorsitzende der Regionalgruppe Hiltrud Pawlik. Mit Dieter Blatt fand sie einen echten Fachmann, denn: „Ich beschäftige mich schon seit frühester Kindheit mit Insekten.“ Bereits in der Schule habe er vor der Klasse Vorträge über Insekten gehalten. Damals war die Welt der kleinen Krabbler und Bestäuber noch einigermaßen in Ordnung. Inzwischen ist Blatt im Ruhestand und kann sich umfassend mit seinen kleinen Schützlingen befassen. Als engagierter Laie ist er gefragter denn je.

Sein Urteil: „Die Wildbienen wurden lange Zeit in ihrer Bestäubungsleistung unterschätzt.“ Dabei können sie durchaus mit den Honigbienen mithalten. Die leben jedoch ungemein komfortabler. Als Volk sind sie in ihren Bienenstöcken vor Umwelteinflüssen geschützt und werden sogar vom Menschen gefüttert, sind also eine Haustierart. Wildbienen arbeiten auch für den Menschen, indem sie beispielsweise Erdbeer- Kirsch- und Apfelblüten bestäuben.

Sie haben aber weder ein Volk als Helfer, noch werden sie gefüttert. Blatt sagt: „Das sind alles Einzelkämpfer in freier Wildbahn.“ Erschwerend kommt hinzu: „Viele Arten sind auf einzelne Pflanzenarten spezialisiert. Verschwindet diese Pflanze, stirbt die Art aus.“ Das Tragische dabei, selbst wenn die benötigte Pflanze wieder auftaucht, kommt die dazu passende Wildbiene nicht wieder. Deshalb sollten seiner Meinung nach die einzelnen Populationen miteinander in Kontakt stehen und die Biotope vernetzt werden.

„Jedes Weibchen belegt eine Brutröhre in einem der drei Nistkästen in Gusenburg“, erklärt der Hobbyforscher. Es gebe aber auch Arten, die leben unter der Erde und seien deshalb umso schwerer zu erfassen.

Mit der jetzt bis zum Jahresende laufenden „Volkszählung“ soll der Bestand in Deutschland flächendeckend ermittelt werden. Welche Arten es noch gibt, kann anhand der Hinterlassenschaften in den Nistkästen, die nach Braunschweig geschickt werden, mit Gentechnik ermittelt werden, wenn die jüngste Generation von Wildbienen längst ausgeflogen ist. Fotos wie die von Dieter Blatt helfen ebenfalls. Rückschlüsse auf Veränderungen, beispielsweise in der Landwirtschaft, können daraus gezogen und die Bundesregierung mit diesen Erkenntnissen beraten werden.

Wildbienen, so Blatt seien ja auch ein wichtiges Glied in der Nahrungskette. Wird ihre Zahl kleiner, verschwinden auch immer mehr Vögel, die nicht mehr genug Nahrung für ihren Nachwuchs finden. Das Gezwitscher in unserer Heimat könnte so immer leiser werden.