Wilde, gelbe Blütenpracht

SCHILLINGEN. Gelungene Premiere: Eine wilde, schützenswerte Schönheit, die zu den botanischen Kostbarkeiten der Region zählt, hat am Sonntag zirka 2000 Naturfreunde zu einem Abstecher nach Schillingen veranlasst. Die Freizeitanlage war Haupt-Schauplatz des ersten rheinland-pfälzischen Narzissenfests.

"Wir haben mächtig gebibbert", gesteht Walburga Meyer, Geschäftsführerin des Vereins "Hochwald-Ferienland". Denn angesichts des langen Winters war es keineswegs selbstverständlich, dass die Besucher am Sonntag im Ruwertal das Naturschauspiel bewundern konnten, um das sich rund um die Schillinger Freizeitanlage alles drehte. Doch das Glück war auf der Seite der Veranstalter. Als da wären: die Ortsgemeinde Schillingen, das "Hochwald-Ferienland" und das Forstamt Saarburg sowie mehrere Naturschutzverbände, das Umweltamt der Kreisverwaltung und der Naturpark Saar-Hunsrück als Kooperationspartner. "Sie blühen. Wir konnten sinngemäß in Narzissen baden", erzählt Martin Weißhaar, der gerade von einer mehrstündigen Exkursion in der Nähe von Zerf zurückgekehrt ist und rund 40 Naturfreunden fachkundig alles Wissenswerte über die leuchtend gelben Pflanzen nahe gebracht hat, die im oberen Ruwertal an mehreren Stellen wild wachsen.Eine der größten botanischen Kostbarkeiten

Weil es sie in Deutschland in größeren Beständen nur noch in der Nordeifel gibt, ist die kleinere Verwandte der in vielen Gärten beheimateten Osterglocke ohne Zweifel eine der größten botanischen Kostbarkeiten, die es in Hochwald und Hunsrück gibt. "Sie ist das Symbol für die Schönheit unserer Landschaft", sagt Helmut Lieser, der Leiter des Forstamts Saarburg. "Was für Mallorca die Mandelblüte, ist für die Verbandsgemeinde Kell am See die blühende wilde Narzisse", fügt Bürgermeister Werner Angsten hinzu. Er stellt damit heraus, dass die Attraktivität der Natur im Hochwald auch eine wichtige touristische Bedeutung hat. Dass sich die zeitweilig stark zurückgedrängten Narzissenbestände heute wieder mehr ausbreiten, ist auch dem 6,8 Millionen Euro teuren Ruwer-Randstreifen-Programm zu verdanken, dass in seinem Pflege- und Entwicklungsplan auf die Renaturierung der Talauen großes Gewicht gelegt hatte. Nach Abschluss dieses Projekts wurde nun das erste rheinland-pfälzische Narzissenfest ins Leben gerufen, das vor allem zwei Ziele verfolgte: Den Besuchern das besondere Naturschauspiel vor der eigenen Haustür zu zeigen und sie zugleich dafür zu sensibilisieren, dass es sich bei den wilden Narzissen um schützenswerte Schönheiten handelt. "Sie gehören nicht in den Garten und man darf sie nicht pflücken, wenn man diese Rarität dauerhaft erhalten will", betont Weißhaar. Zum Programm des Narzissenfests gehörten aber nicht nur mehrere geführte Wanderungen zu den leuchtend gelben Wiesen. An 13 Ständen konnten sich die Besucher darüber hinaus an der Schillinger Freizeitanlage auf einem kleinen Markt mit Frühlings- und Osterartikeln eindecken. Rund um die Themen "Natur und Freizeit im Hochwald" versorgten mehrere Institutionen die Besucher an ihren Ständen mit Informationen, während sich die kleinen Besucher in der Erlebnisschule "Wald und Wild" umschauten oder sich beim Ostereier bemalen kreativ betätigten. Und die Naturfreunde kamen zuhauf. Mit der ganzen Familie unternahm beispielsweise der Schillinger Joachim Becker einen Ausflug zum Narzissenfest, wobei "wir in erster Linie wegen des Markts gekommen sind". Was ihm besonders gefallen hat: "Für Kinder wird sehr viel geboten." Auch Peter und Gretel Katala aus Gusenburg zogen in erster Linie die Aktivitäten an der Freizeitanlage an. Sie lobten das Ambiente: "Hier ist alles sehr einladend gemacht." Norbert Müller aus Lampaden und Reinhard Meier aus Schillingen hatten hingegen ihre Wanderstiefel geschnürt, um sich am Anblick der blühenden Narzissenwiesen zu erfreuen. "Es hat sich gelohnt, mitzugehen", betont Müller. Eine Einschätzung, die auch Meier teilt: "Wir haben sehr malerische Stellen gesehen. Die Exkursion war auch wegen der guten Erklärung des Försters ein echtes Erlebnis." "Wetter und Konzept haben gestimmt, und wir hatten einen sehr großen Andrang, mit dem wir selbst nicht gerechnet hätten", lautet das Fazit von Meyer, die die Gesamt-Besucherzahl auf fast 2000 taxiert. Auch Angsten spricht von einem "gelungenen Auftakt" und kündigt an, dass damit gute Chancen für eine Neuauflage des Fests im nächsten Frühjahr bestehen.