Wiltinger kritisieren Gerichtsurteil

Wiltingen · Die neue Wiltinger Saarbrücke kommt an den alten Standort. Mit diesem Urteil des Verwaltungsgerichts Trier ist eine Bürgerinitiative unzufrieden. Klagen kann sie nicht, aber sie verweist darauf, dass die Frage der Anbindung der Gemeinde an das Radwegnetz noch geklärt werden muss.

Wiltingen. Der Standort für eine neue Saarbrücke bei Wiltingen wird seit Jahren diskutiert. Das Trierer Verwaltungsgericht hat Anfang September ein Machtwort gesprochen. In seinem Urteil gibt es dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) recht, der eine neue Brücke am alten Standort bauen will. Die Gemeinde hat mit ihrer Klage dagegen den Kürzeren gezogen (der TV berichtete).
Bei Lutwin Ollinger, Sprecher der Bürgerinitiative für einen neuen Brückenstandort, stößt das auf großen Missmut. Die Entscheidung widerspreche dem Bürgerwillen. Die Wiltinger - allen voran die BI - wollen die neue Brücke lieber einen Kilometer flussabwärts haben.
Redet Ollinger über die Wiltinger Saarbrücke, ist er leidenschaftlich und überzeugend. Auch als CDU-Fraktionssprecher im Gemeinderat, wo alle Fraktionen ähnlich denken, setzt er sich für den neuen Standort ein. Mit der BI hat er mehr als 600 Unterschriften gesammelt und Demonstrationen organisiert. "Es ist ein Trauerspiel, wenn man jahrelang für eine Sache kämpft, ohne dass etwas passiert", sagt er.
Radweganbindung unklar


Das Urteil sei zwar rechtlich nicht anfechtbar, aber inkonsequent. "Wenn eine Umweltbilanz aufgemacht worden wäre, hätte alles für den neuen Standort gesprochen", sagt Ollinger.
Diese Bilanz erklärt er folgendermaßen: Der Brückenneubau hätte aus seiner Sicht im Zusammenhang mit dem ebenfalls geplanten Ausbau der Kreisstraße 147 samt Radweg betrachtet werden müssen. Beide Bauprojekte liegen innerhalb eines EU-Umweltschutzgebiets am Altarm der Saar. Stünde die Brücke am neuen Standort, könnte der Radweg samt Gabionenwand - das ist Schutzmauer aus mit Steinen gefüllten Drahtkörben - einen Kilometer kürzer ausfallen, meint Ollinger. Das Naturschutzgebiet würde weniger belastet.
Der LBM verteidigt den alten Brückenstandort: Das sei die einzige Lösung, die alle Naturschutzvorgaben berücksichtige. Egal, wer in dieser Umweltfrage recht hat, ein weiterer Punkt bleibt ungeklärt: Die Gemeinde und über sie auch das Konzer Tälchen wollen an den Saar-Radweg angebunden werden. Wie, das ist zurzeit vollkommen unklar.
Für den Plan, den Radweg parallel zur K 147 zu führen, besteht seit mehr als zehn Jahren Baurecht. 2001 war das Bauprojekt sogar im Kreisstraßenbauprogramm. 511 000 Euro sollte das Ganze - mit Radweg und Gabionenwand - kosten. Ein Betrag, der vermutlich heute verdoppelt werden müsste.
In der Gemeinde gab es schon damals Widerstand gegen das Vorhaben. Einerseits spreche die Optik mit der Gabionenwand gegen den Radweg an dieser Stelle, sagt Ollinger. Außerdem laufe der Radweg, wenn er über die alte und bald auch neue Wiltinger Brücke führe, an der Gemeinde vorbei. Früher - beim Bau der Wiltinger Brücke - lag die Brücke noch direkt am Ortseingang. Nach dem Bau der L-138-Ortsumgehung führt sie einen Kilometer entfernt vom Ortseingang auf die Landesstraße.
Für das Radwegnetz ist der Kreis Trier-Saarburg verantwortlich. Die Kreisverwaltung hält sich in der Frage des Radwegausbaus zurück. Zuerst wartet sie ab, bis das Urteil rechtskräftig ist. Dann folgt der Brückenneubau - wenn möglich 2012.
Danach müsse man sich erneut mit der Weganbindung auseinandersetzen, heißt es bei der Verwaltung auf TV-Anfrage. Dass der Kreis neu planen wolle, liege auch an der befürchteten Kostenexplosion bei der bisher geplanten Radweg-Variante.
Die Ortsgemeinde selbst kann bis Mittwoch, 5. Oktober, Berufung beim Oberverwaltungsgericht in Koblenz beantragen. Ortsbürgermeister Lothar Rommelfanger will das Thema am 4. Oktober im Haupt- und Finanzausschuss noch einmal ansprechen. Zurzeit ist ein Berufungsantrag unwahrscheinlich. Die Erfolgsaussichten sind zu gering.

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