Wiltinger kritisiert neuen Bahnhaltepunkt im Dorf Ortsbürgermeister kontert

Verkehr : Neuer Wiltinger Haltepunkt in der Kritik

Während ein Verkehrswissenschaftler aus dem Saarort Probleme am Bahnhof ausmacht, verteidigt der Ortsbürgermeister die Umsetzung der jahrelangen Planungen für die Neugestaltung.

Der Bahnhaltepunkt Wiltingen wurde in den vergangenen Monaten umgestaltet. Es gibt einen neuen  Bahnsteig in Richtung Trier, und der ganze Bahnhof ist jetzt barrierefrei. Obwohl die Ortsgemeinde jahrelang geplant und die Bürger beteiligt hat, sieht der Verkehrswissenschaftler Dr. Karl-Georg Schroll aus Wiltingen Mängel in der Konzeption des Haltepunktes.

Der Wiltinger Ortsbürgermeister Lothar Rommelfanger (SPD) ist sehr verärgert über die seiner Meinung nach ungerechtfertigte Kritik: „Seit 20 Jahren planen wir den Umbau des Wiltinger Bahnhaltepunkts. Ulrich Ritter, ein Architekt aus Darmstadt, der auch den Konzer Hauptbahnhof verantwortlich geplant hat, hat für den Wiltinger Haltepunkt ein Konzept mit barrierefreien Zugängen zu den Zügen entwickelt. Der Bahnhof wurde näher an die Dorfmitte verschoben, der Ortsgemeinderat hat sich in unzähligen Sitzungen damit beschäftigt, und nun sagt Herr Schroll, dass das alles großer Mist sei!“

Schroll lässt aber nicht locker. Er hat sich nicht nur als Verkehrsexperte einen Ruf erarbeitet, sondern ist auch politisch aktiv. Für die Linke und für die Piraten war er schon engagiert. Nun kandidiert er auf Kreis- und Verbandsgemeindeebene bei der Kommunalwahl am 26. Mai für die Grünen. In Bezug auf den Wiltinger Haltepunkt erklärt er, dass sich der Weg vom Wohngebiet In den Kampen, wo Schroll selbst auch wohnt, bis zum Bahnhof durch den Umbau verlängert habe. Ein Fußweg, der am ehemaligen Bahnhofsgebäude entlang zu den Bahnsteigen führte, sei „gekappt“ worden. Und der Umbau des Bahnhofs habe diverse Mängel produziert, die dem Bahnkunden das Leben unnötig schwer machen würden. „Es gibt keine Unterführung unter den Gleisen, um unabhängig von der Bahnschranke von einem Bahnsteig zum anderen zu gelangen. Außerdem gibt es nur einen Fahrkartenautomaten, und die häufigen Schrankenschließungen wegen durchfahrender Güterzüge erforderten, dass man sehr früh vor Abfahrt seines Zuges am Bahnhof sein muss, wenn man zum Erreichen des richtigen Bahnsteigs den beschrankten Bahnübergang benutzen muss“, kritisiert Schroll, der nach eigenen Bekunden selbst die Bahn häufig nutzt.

In Bezug auf den Fußweg zum Bahnsteig Richtung Saarbrücken beim Bahnhofsgebäude stimmt Ortsbürgermeister Rommelfanger Schrolls Kritik sogar zu. „Allerdings gehört das Gebäude mittlerweile einem privaten Besitzer, der eine Vinothek in dem hübschen Gemäuer errichten möchte (der TV berichtete). Mit dem Verkauf des Gebäudes hat die Bahn auch das Wegerecht für den Fußweg zum Bahnsteig an den neuen Eigentümer zurückgegeben, ohne dies mit der Ortsgemeinde abzustimmen“, erklärt Rommelfanger. Er sei aber zuversichtlich, dass er mit dem Grundstückseigentümer eine Einigung erreichen könne, die im Sinne der Bahnnutzer den Fußweg wieder eröffne. So könne zumindest vom Bahnsteig in Richtung Saarbrücken das Wohngebiet In den Kampen wieder besser erreicht werden.

 Die anderen Kritikpunkte akzeptiert Rommelfanger aber nicht. „Den Bau einer Unterführung kann die Gemeinde finanziell nicht stemmen. Die Bahn ist nicht verpflichtet, diese Unterführung zu bezahlen“, sagt der Ortsbürgermeister. Der Wiltinger Bahnhaltepunkt sei aber barrierefrei, was ein besonders wichtiger Aspekt sei. Der zweite Fahrkartenautomat wäre aus Sicht des Gemeindechefs sicherlich kein Nachteil.

Die Bahn, so erklärt es deren Pressestelle, stelle so viele Automaten auf, wie der SPNV Nord als Auftraggeber bestelle. Ortsbürgermeister Rommelfanger berichtet, dass im Rahmen eigener Recherchen an anderen Bahnhöfen auf der Saarstrecke „zweite“ Fahrkartenautomaten abmontiert worden seien, weil sie kaum genutzt würden. Viele Pendler hätten Dauerkarten, und der Ticketverkauf über das Internet mache viele Automaten überflüssig. Kritiker Schroll kauft seine Fahrkarte am Automaten. Und ärgert sich, dass die wenigen Automaten oft auch noch defekt seien.

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