Wincheringer fürchten 15 000 zusätzliche Autos täglich

Wellen/Grevenmacher/Wormeldange/Wincheringen · Mit dem Bau einer neuen Grenzbrücke zwischen Wellen und Grevenmacher soll noch in diesem Jahr begonnen werden. 2013 wird die alte Brücke für vier Monate gesperrt. Dann wird der Verkehr wohl auch über Wincheringen und Wormeldange geleitet. Deren Bürgermeister kritisieren die hohe Belastung.

 So leer wie hier wird die Brücke zwischen Wormeldange und Wincheringen nicht bleiben. TV-Foto: Falk Straub

So leer wie hier wird die Brücke zwischen Wormeldange und Wincheringen nicht bleiben. TV-Foto: Falk Straub

Wellen/Grevenmacher/Wormeldange/Wincheringen. Rund 15 000 Autos fahren täglich über die Grenzbrücke zwischen Wellen und Grevenmacher. In vielen davon sitzen Pendler, die in Luxemburg arbeiten und in Deutschland leben. 2013 müssen sie sich für vier Monate einen anderen Weg über die Mosel suchen.
Denn die 1955 erbaute Brücke ist mittlerweile sanierungsbedürftig. Seit Oktober 2010 ist ein Neubau beschlossen (siehe Extra). Die geplante Stahlbrücke wird zunächst auf der luxemburgischen Seite parallel zur alten Brücke vormontiert. Später wird sie um 90 Grad gedreht und an den aktuellen Brückenstandort verschoben. Dafür ist eine viermonatige Vollsperrung der Brücke notwendig (der TV berichtete mehrfach).
Wohin der Verkehr in dieser Zeit umgeleitet wird, ist noch nicht geklärt. Klaus Wagner vom Landesbetrieb für Mobilität (LBM) Trier verweist darauf, dass das noch zu erstellende Konzept auch noch mit den luxemburgischen Verkehrsbehörden abgestimmt werden müsse. Dass der Verkehr so lange über benachbarte Brücken umgeleitet wird, liegt jedoch nahe. "Ich arbeite auf dem Potaschberg, da gibt es für mich außer Wormeldange keine Alternative", sagt Pendler Thomas Meyer aus Nittel. Auch Joachim Bach aus Konz-Könen und Roswitha Schmitt aus Saarburg wollen 2013 über die Moselbrücke zwischen Wincheringen und Wormeldange zur Arbeit fahren. Für die beiden Grenzorte bedeutete dies eine zusätzliche Belastung.
"Unsere Brücke kann den Verkehr, der täglich bei Grevenmacher über die Mosel geht, bei weitem nicht aufnehmen", sagt Wincheringens Bürgermeister Leo Holbach. Auch Jean Beining, Bürgermeister im benachbarten Wormeldange, sieht das erhöhte Verkehrsaufkommen kritisch. "Die Brücke bei Grevenmacher muss gebaut werden. Dass durch den Bau auf alle Seiten Unannehmlichkeiten zukommen, ist klar. Es kann aber nicht sein, dass die 15 000 Autos nur über unsere Brücke geleitet werden", sagt Beining. Im Oktober oder November seien Gespräche mit den Verkehrsbehörden angedacht. Danach sehe man weiter. Eventuell könne man die Grenzbrücke zwischen Wellen und Grevenmacher in der Ferienzeit sperren und dadurch den Pendlerverkehr minimieren, sagt Beining. Den Gesprächen blickt der Luxemburger positiv entgegen: "Solange wir noch nicht wissen, was auf uns zukommt, sollten wir die Lage noch nicht überbewerten."
Landrat zeigt Verständnis


Günther Schartz, Landrat des Kreises Trier-Saarburg, hat Verständnis für die Sorgen der beiden Bürgermeister. Als Wincheringer wisse er, dass die Brücke und deren Zufahrten für die erhöhte Verkehrsbelastung nicht ausgelegt seien. "Ein flüssiges, durchdachtes Verkehrskonzept, das auch mit Luxemburg abgestimmt ist, ist daher dringend erforderlich", sagt Schartz.
Extra: Brückenneubau


Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat im Oktober 2010 mit seinem luxemburgischen Amtskollegen Claude Wiseler den Bau einer neuen Moselbrücke zwischen Wellen und Grevenmacher mit einem Staatsvertrag besiegelt. Fast 17 Millionen Euro lassen sich die beiden Länder das Projekt kosten. Der deutsche Anteil soll je nach Entwicklung des Stahlpreises zwischen fünf und sieben Millionen Euro betragen. Vor Baubeginn muss der Staatsvertrag von den Parlamenten bestätigt werden. Läuft alles planmäßig, wird noch in diesem Jahr mit dem Bau der Brücke begonnen. red