Windräder in Kernzone möglich

Bei der Suche nach geeigneten Standorten für neue Windräder kommen in der Verbandsgemeinde (VG) Kell am See noch fünf Flächen infrage. Dazu zählen weiterhin drei Gebiete, die in der Kernzone des Naturparks Saar-Hunsrück liegen. Zwei Standorte bei Greimerath hat der VG-Rat aus der weiteren Betrachtung herausgenommen, dafür werden nun zwei neue Areale bei Mandern und Kell näher untersucht.

Kell am See/Waldweiler. In einer viereinhalbstündigen Mammutsitzung hat sich der Keller VG-Rat am Donnerstagabend mit dem Thema beschäftigt, um das sich seit längerem in der politischen Diskussion fast alles dreht - die Windkraft.
Die Entscheidungen im Rat: Reinhold Hierlmeier vom beauftragten Büro BGH Plan trug im Rat die Äußerungen vor, die aus landesplanerischer Sicht im Verfahren zur geplanten Änderung des Flächenutzungsplans (FNP) gemacht wurden (siehe Extra). Deshalb musste das Gremium bei der Abwägung dieser Stellungnahmen circa 20 Einzelbeschlüsse fassen.
Zunächst klärte der VG-Rat aber eine grundsätzliche Frage. Er beschloss, dass beim Bau von Windrädern zu Wohnhäusern im Ort ein Mindestabstand von 1000 Metern beziehungsweise vom zehnfachen der Nabenhöhe einer solchen Anlage eingehalten werden muss. Damit legte sich der VG-Rat auf eine weitere Entfernung fest, als es im neuen Rundschreiben des Landes (800 Meter Mindestabstand) empfohlen wird.
Schon diese Entscheidung hatte zur Konsequenz, dass der vorgeschlagene Standort Baldringen/Hentern im weiteren FNP-Verfahren nicht mehr weiterverfolgt wird. Schnell einig war sich der Rat auch darin, dass alle Pläne im Greimerather Wald und auf dem Judenkopf aufgegeben werden.
Anders sieht es mit dem Teufelskopf und dem Zerfer Wald/L 142 aus. Obwohl diese beiden Standorte wegen ihrer Lage in der Kernzone des Naturparks Saar-Hunsrück im VG-Rat nicht unumstritten sind, werden sie in der Betrachtung weiter berücksichtigt.
Die SPD-Ortsbürgermeister und VG-Ratsmitglieder Manfred Rauber (Waldweiler) und Dieter Engelhardt (Zerf), deren Gemeinden schon Vorverträge mit Investoren in der Tasche haben, machten sich erneut für diese Flächen - die im Fall Zerf aber verkleinert wurde - stark. Laut Hierlmeier bleibt Zerf der "Schwachpunkt im Verfahren". Die ins Auge gefasste Fläche tangiert nämlich teilweise ein FFH-Gebiet, was die VG andernorts als Ausschlusskriterium für den Bau von Windrädern betrachtet hat. "Damit würde ein Präzedenzfall geschaffen", warnte Hierlmeier. Auch wenn sich CDU-Sprecher Klaus Marx deswegen Sorgen um die Rechtssicherheit des künftigen FNP machte, beschloss der Rat mehrheitlich, den Standort Zerf zunächst weiter im Verfahren zu belassen. Allerdings müssen dort ebenso wie in Waldweiler - direkt auf dem Höhenkamm am Teufelskopf plant auch die saarländische Gemeinde Weiskirchen Räder - weitere Untersuchungen im Hinblick auf den Natur- und Artenschutz sowie der Auswirkungen auf das Landschaftsbild gemacht werden.
Keller Gebrüch


Außerdem soll weiter geprüft werden, ob diese Standorte mit dem Schutzzweck des Naturparks vereinbar sind. Gleiches gilt für das Keller Gebrüch, das zumindest teilweise in der Naturpark-Kernzone liegt und in dessen Nähe möglicherweise die VG Ruwer Räder aufstellen wird. Die Vorschläge für die beiden neu vorgeschlagenen Standorte Manderner Rodung und Kell/B 407 wurden vom Rat begrüßt und in die weitere Planung aufgenommen. Diese beiden Areale liegen nicht in der Naturpark-Kernzone. Dort sind zwar weniger Hindernisse durch den Natur- und Artenschutz zu erwarten. Allerdings bläst dort weniger Wind als etwa am Teufelskopf.
Windräder in eigener Regie


Beide Flächen sollen an die Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) verpachtet werden. Mit dieser kommunalen Energiefirma will die VG Kell Windräder in eigener Regie betreiben. Laut Bürgermeister Werner Angsten (CDU) soll die AöR im April offiziell gegründet werden.
Er rechnet damit, dass bis Herbst 2013 alle Gutachten vorliegen und dann der FNP mit den endgültig festgelegten Standorten verabschiedet werden kann. Zuvor ist noch eine VG-weite Bürgerversammlung zur Windkraft geplant.Meinung

Kriterien müssen überall gleich sein
Windräder in der Kernzone des Naturparks sind anders als früher nicht mehr völlig tabu,. Es bedarf bei Plänen in diesem Bereich der Einzelfallprüfung. Das ist eine schon länger bekannte Aussage des Landes. Dass die VG Kell die Gebiete auf den Kammlagen des Hochwalds, wo nun mal der Wind am meisten weht, zumindest mit in die Betrachtung nimmt, ist also nichts Ehrenrühriges. Man muss die Standorte aber differenziert betrachten: Eine Aussage á la "Keine Windräder in der Kernzone" würde am zweifelsohne problematischen Standort Teufelskopf spätestens dann ad absurdum geführt, wenn direkt daneben die Weiskircher - das Saarland kennt keine Naturpark-Kernzone! - ihre Räder aufstellen dürften. Denn dann ist das Landschaftsbild "vorbelastet" und es wäre Otto Normalbürger nicht mehr einleuchtend zu erklären, warum die Saarländer weiße Mühlen aufstellen dürfen, während man das 300 Meter weiter einer windkraftwilligen (das ist inzwischen der Unterschied zu Greimerath) Gemeinde wie Waldweiler verwehrt. Anders sieht es beim Zerfer Wald aus. Dort gibt es keine Pläne von Grenznachbarn und die VG Kell würde ihren eigenen Kriterienkatalog aufweichen, wenn sie dort nicht nur Räder in der Naturpark-Kernzone, sondern sogar im besonders geschützten FFH-Gebiet zulassen will. Das könnte in der Tat das Einfallstor für Investoren und Privatleute sein, die dann womöglich ihr Recht auf den Bau von Windrädern in anderen FFH-Gebieten im Keller Raum einklagen werden. Ein Verzicht auf den Standort Zerfer Wald wäre deshalb vernünftiger. a.munsteiner@volksfreund.deExtra

Um zu klären, an welchen Stellen künftig Windräder aufgestellt werden, muss die VG Kell ihren FNP ändern. Das ist mit einem komplexen Verfahren verbunden. Es müssen unterschiedliche Gutachten erstellt werden. Behörden und Bürger können zu diesen Plänen Stellung beziehen. Letztmals hatte sich der VG-Rat Ende 2012 mit dem Thema beschäftigt. Seitdem standen fünf Standorte in der näheren Betrachtung: der Judenkopf, der Greimerather Wald, der Zerfer Wald, das Keller Gebrüch und der Teufelskopf. Weil schon damals bei allen Standorten wegen des Naturschutzes Bedenken vorgebracht wurden, kamen neue Vorschläge ins Spiel - und zwar auf der Manderner Rodung und an der B 407 zwischen Kell und Reinsfeld. Auch eine Fläche bei Baldringen/Hentern war im Gespräch. Gegen den geplanten Bau von fünf Rädern auf der saarländischen Seite des Judenkopfs erhob sich in Greimerath ein Proteststurm. ax

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