Winnetou hat eine neue Heimat

PLUWIG. Spät, aber nicht zu spät, fiel die Entscheidung über den neuen Aufführungsort der Karl-May-Festspiele. Die Blutsbrüder Winnetou und Old Shatterhand sowie die übrigen Akteure reiten in Zukunft in Pluwig.

Die Zukunft der Karl-May-Festspiele scheint gesichert,allerdings nicht am Silbersee in Hockweiler, sondern im altenSteinbruch (Nähe Angelweiher) in Pluwig. "Der Pachtvertrag istunterschriftsreif", sagt Ernst Witz, der Vorsitzende derKarl-May-Freunde. Das Vertragswerk soll am 11. April abgesegnetwerden. Der Wechsel des Aufführungsortes war nötig, weil sich der Verein und die Pächter des Hockweiler Silbersees nicht über die Modalitäten (Zeiten für Aufbau und Proben) einigen konnten.

Weil die Verhandlungen lange dauerten, sahen sich die Karl-May-Freunde frühzeitig nach Alternativen um. Dabei fiel ihnen der alte Steinbruch in Pluwig ins Auge. Er befindet sich im Eigentum der Gemeinde. Die Gespräche mit Ortsbürgermeister Wolfgang Annen seien schnell über die Bühne gegangen, berichtet Ernst Witz.

Sechs Aufführungen sind in der Planung

Die Zeit drängte. An den zwei letzten August-Wochenende (jeweils freitags bis sonntags) sollen, so der Stand der Planungen, sechs Aufführungen von "Winnetou I" über die Bühne gehen. "Wir werden ab sofort mit Vehemenz an den Kulissen arbeiten", verspricht Witz erhöhte Betriebsamkeit. Die Kapazität der Tribüne soll auf bis zu 1000 Plätze aufgestockt werden. In Hockweiler fanden circa 700 Zuschauer Platz.

Der Pachtvertrag soll langfristig angelegt werden. "In den nächsten zehn Jahren wollen wir auf jeden Fall spielen", versichert der Vereinsvorsitzende. Er schließt auch nicht aus, dass die Karl-May-Freunde in Zukunft im Jahresrhythmus die Karl-May-Klassiker aufführen. Bisher ist ein Zwei-Jahres-Rhythmus die Regel.

Pluwigs Ortsbürgermeister Wolfgang Annen ist froh über den Zuschlag für seine Gemeinde. Er betont, dass die Gespräche aber erst in ein konkretes Stadium getreten seien, als die Absage für Hockweiler festgestanden habe. "Es gab keine Abwerbung", sagt er.

Unsicherheit gab es bis zuletzt über den Natur- beziehungsweise Tierschutz. Es wurde gemutmaßt, dass sich auf dem Steinbruch-Gelände ein Uhu-Brutgebiet befindet. Auch von Wildkatzen war die Rede.

Ein Gutachten macht den Weg frei

Ein Gutachten, das mit dem Einverständnis der Kreisverwaltung auf den Weg gebracht wurde, habe ergeben, dass sich weder Uhu noch Wildkatze dort aufhalten, berichtet Ortsbürgermeister Annen. "Damit steht einer Genehmigung nichts im Wege", sagt er.

Die Karl-May-Festspiele sollen nach Annens Auskunft in die Kulturveranstaltung "Pluwiger Sommer" eingebettet werden. Damit wird sich die Zahl der Veranstaltungen in diesem Jahr von sechs auf zwölf verdoppeln. "Das ist eine Werbung für die Gemeinde und die Ruwer-Region", sagt er.

Auch Bernhard Busch, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ruwer, begrüßt die Pläne, die Karl-May-Festspiele in der Verbandsgemeinde anzusiedeln, und verspricht Unterstützung. Am kommenden Freitag wird er sich mit Ernst Witz über die Zukunftspläne der Karl-May-Freunde unterhalten.

Weniger begeistert sind natürlich die Verantwortlichen in der Verbandsgemeinde Trier-Land. "Ich bedauere, dass es zu keiner Einigung zwischen den Karl May-Freunden und den Pächtern des Silbersees gekommen ist", sagt Bürgermeister Wolfgang Reiland. "Ich bin aber froh, dass die Festspiele der Region erhalten bleiben", fügt er an.