Winzer gibt im Weinort den Ton an

Winzer gibt im Weinort den Ton an

THÖRNICH. "Kein Ruck nach rechts, kein Ruck nach links, nicht alles ändern, aber weiter voran." Was wie ein Appell des Bundeskanzlers klingt, ist die Marschroute, die auch der neue Ortsbürgermeister im Winzerort Thörnich, Hans-Peter Brixius, einschlagen will.

Nachdem Manfred Linden nach 15-jähriger Dienstzeit nicht mehr als Ortsbürgermeister kandidiert hatte, wählten die Bürger im Juni Hans-Peter Brixius zum neuen Gemeindechef. Vertrauen will auch der neue Mann an der Spitze von Thörnich auf das, was sich bewährt hat. Zumal man sich im zirka 180 Einwohner zählenden Ort ohnehin schwer tun würde, wenn es politisch einen Ruck nach rechts oder links geben würde. Gibt es doch im Ortsgemeinderat weder Parteien noch Wählergruppen. Rein namentlich - wie einst im römischen Senat - vertritt jedes Ratsmitglied seine kommunalpolitische Gesinnung. "Aber das funktioniert", betont Hans-Peter Brixius. "Wichtige und weniger wichtige Beschlüsse wurden bisher bei uns überwiegend einvernehmlich gefasst."Neues Baugebiet liegt ihm am Herzen

Als Winzer kennt sich der neue Ortsbürgermeister mit den Problemen des Winzerortes aus. Insbesondere "laufende Angelegenheiten" will er weiter vorantreiben. So das Projekt "Interkommunaler Gewerbepark". Neben Thörnich sind die Gemeinden Detzem, Köwerich und Leiwen daran interessiert. Es sei jedoch schwierig, zum jetzigen Zeitpunkt Interessenten zu finden, meint Brixius. Interessenten genug gibt es dagegen für das Projekt "Baugebiet". Allerdings gibt es dafür noch keine detaillierte Planung. "Viele Grundstückseigentümer zögern mit dem Verkauf, weil sie das Land für ihre Kinder behalten wollen", beschreibt Brixius die Situation. Vielleicht würden aber von den 40 möglichen Baustellen zumindest ein Teil für den Hausbau in Betracht kommen, hofft er. Auch in Thörnich gelte der saloppe Spruch "Unsere Finanzen sind zwar immer ausgeglichen, aber große Sprünge erlauben sie nicht", ist von Brixius zu hören. Sorgen bereiten die Weinbergbrachen, "die immer größer werden". Das zu verhindern, sei ihm ein besonderes Anliegen. Nicht ganz nach den Vorstellungen des neuen Ortsbürgermeisters sind die Busverbindungen von und nach Thörnich. Sein Urteil: "Erträglich während der Woche, sprich Schulzeit, miserabel an den Wochenenden". Angesichts des in letzter Zeit stark zunehmenden Tourismus sieht Brixius für Thörnich als Winzerort noch viele Perspektiven. So wie das seit 1987 gefeierte, stets lange vor Beginn ausgebuchte Weinhöfefest längst zum Thörnicher Markenzeichen avanciert sei und der Ort bei Radwanderern immer beliebter werde, könne der Ausbau attraktiver Wanderwege, beispielsweise durch die Hauptlage der "Thörnicher Ritsch", zusätzliche Belebung bringen. Hans-Peter Brixius ist 51 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Ehefrau Maria arbeitet mit im Winzerbetrieb. Entspannung von der Last des Berufes und vom Stress des Bürgermeisteramtes findet Brixius beim Lesen, seinem großen Hobby. "Die Palette dessen, was mich interessiert, ist groß", erklärt er. "Ich nutze jede freie Minute."