Winzerkapelle aus Oberemmel feiert 105. Geburtstag: Die Freude soll überspringen

Winzerkapelle aus Oberemmel feiert 105. Geburtstag: Die Freude soll überspringen

Ein richtig rundes Jubiläum ist es nicht. Dennoch steht das Jahreskonzert der Winzerkapelle Oberemmel am Samstagabend in der Turnhalle im Zeichen der langen Tradition. Modern will sich das Ensemble unter seinem Dirigenten Burghart Müller mit dem Programm zeigen.

Das sind die Gründerväter der Winzerkapelle im Jahre 1911. TV-Repro: Herbert Thormeyer. Foto: Herbert Thormeyer (doth) ("TV-Upload Thormeyer"

Konz-Oberemmel. Wenn Burghart Müller am Samstag in der Turnhalle des Bürgerhauses den Taktstock hebt, stimmen rund 40 Instrumentalisten große Klänge zum 105. Geburtstag der Winzerkapelle Oberemmel an. Es ist sein elftes Konzert mit dieser Formation, die sich schon vom Namen her die Weinbautradition auf die Fahnen geschrieben hat.
"Wir sind als Organisator des Oberemmeler Weinfestes von allen Vereinen übrig geblieben", sagt Hermann-Josef Benzkirch, Ortsvorsteher und Tenorhornspieler. "Nein, ein richtiges Jubiläum ist das nicht", fährt Vorsitzender Markus Jonas im Gespräch mit dem TV fort. Trotzdem seien 105 Jahre Bestehen doch ein Grund zum Feiern.
Als Musikverein Eintracht 1911 gegründet, haben die Musiker als Musikzug der Feuerwehr, wieder Eintracht und erst 1972 als Winzerkapelle mehrfach den Namen gewechselt, aber nie ihre Begeisterung für die Musik. Dabei konnten in früheren Zeiten schon mal strenge Sitten herrschen. "Ich habe 1963 unter Dirigent Peter Berchens angefangen", erinnert sich der Älteste im Orchester, Albert Schmitt. Der heute 65-jährige Posaunist weiß noch gut, wie sich das auswirkte, dass der Orchesterchef aus der Militärmusik kam: "Da sind noch viele Märsche gespielt worden."

Als kaum jemand Noten lesen konnte

Aber Berchens legte den Grundstein für das heutige Können, denn damals konnte noch kaum jemand Noten lesen. Nach einem Jahr Theorie wurde bestimmt, wer welches Instrument spielt - Widerspruch zwecklos. "Das war damals halt so", weiß auch Albrecht Biwersi (63) und sagt: "Die eigentliche Jugendausbildung kam erst später." Heute leitet Lisa Grundhöfer das 25-köpfige Jugendorchester der Winzerkapelle, der Garant für die Zukunft des Vereins.
Mit dem Trompeter im Philharmonischen Orchester der Stadt Trier, Burghart Müller, haben die Musiker eine echte Fachkraft an der Spitze. Er konnte in Oberemmel seine besondere Handschrift verwirklichen. "Das war nach mehreren Dirigentenwechseln auch gut so", findet Vorsitzender Jonas.
Alle Musikgeschmäcker sollen getroffen werden und die Begeisterung dabei erhalten bleiben. "Unsere Freude am Spielen soll auf die Zuhörer überspringen", ist das Ziel des Dirigenten. Die Programmgestaltung wird gemeinsam erarbeitet. Dabei wirkt es sich günstig aus, Noten zu stiften. "Das ist die effektivste Form der Mitwirkung", witzelt der Vorsitzende.
Heute liegen rund 500 Stücke im Notenschrank. 80 davon kann das Orchester spontan spielen. Welche davon die rund 300 erwarteten Gäste am Samstag, 16. April, um 20 Uhr zu hören bekommen, soll hier noch nicht verraten werden. Nur so viel: Es darf in die Musik abgetaucht werden.

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