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Wipproller, Schlitten und eine beleuchtete Holzburg

Wipproller, Schlitten und eine beleuchtete Holzburg

Unmengen an Spielzeug, Süßigkeiten, Technik vom iPod übers Handy bis zum Computer oder der Spielekonsole - so sieht bei vielen Kindern der heutige Heiligabend aus. Wie war das früher? Der TV hat mit Senioren aus Stadt und Landkreis gesprochen und sie gebeten, von den schönsten Weihnachtsgeschenken aus ihrer Kindheit zu berichten. Hier ihre Erlebnisse.

"Ich war schon 17 oder 18 Jahre alt, als mir mein Vater Joseph ein ganz besonders schönes Weihnachtsgeschenk machte: einen selbst gebauten Schlitten. Dafür war er schon Wochen vorher im Wald Holz suchen. Ich kann mich noch erinnern, dass der Schlitten wie geschmiert lief und deshalb auch bei all meinen Geschwistern heiß begehrt war. Wir waren sieben Kinder in der Familie und hatten nicht viel Geld. Weihnachten war bei uns aber immer ein Fest, am dem wir viel Freude hatten."
Paula Bonerz (89) aus Grimburg

"So richtig glücklich gemacht hat mich ein Weihnachtsgeschenk, das ich mit fünf Jahren bekam. Man war in diesem Alter natürlich auch noch fest davon überzeugt, dass das Christkind es gebracht hat. Bei der Bescherung gab es für mich eine Puppe, die ich vor lauter Freude immer wieder hochgeworfen und aufgefangen habe. Später hat meine Mutter dann immer wieder neue Kleider für die Puppe genäht, die dann auch ein Weihnachtsgeschenk waren."
Thea Resch (83) stammt aus Pirmasens und wohnt heute in Hermeskeil.

"Wenn an Heiligabend das Christkind hinter der verschlossenen Tür geläutet hat, die Tür sich dann langsam öffnete, innen alles schön leuchtete und man nachschauen konnte, was alles da war - das war immer ein besonderes Erlebnis. Mit 13 oder 14 Jahren habe ich einen Kaufladen aus Holz geschenkt bekommen. Er hatte viele Regale und eine kleine Waage. Ich und meine drei Geschwister haben damit immer Verkäufer gespielt."
Maria Mayer (90) aus Grimburg

"Ich habe als Kind immer viel gespielt und Spielzeug geschenkt bekommen - Puppen oder einen Kaufladen. Damals gab es keine Plastikpuppen, sie waren aus weißem Leder, hatten einen Porzellankopf und echtes Haar. Wenn ich dann Friseur gespielt habe, brauchten meine Puppen eine neue Perücke. Für die Geschenke haben wir damals nicht viel Geld ausgegeben - wir haben auch gestrickte Socken oder Handschuhe bekommen. Auch dann waren wir glücklich. Man kann jemandem auch eine Freude machen, wenn es nicht so teuer ist."
Gertrud Borg (92), stammt aus Bernstadt (Oberlausitz/Sachsen), lebte seit 1948 in Trier und wohnt nun in Konz im Seniorenhaus zur Buche.

"Mein Vater war Metzgergeselle. Und sein Meister hatte mir Weihnachten 1939 eine Holzburg geschenkt. Die konnte man mit einer Batterie beleuchten. Damals war ich sieben Jahre alt, und diese Burg war etwas ganz Besonderes für mich. Wir haben ganz traditionell gefeiert und viele Lieder gesungen - Schallplatten und CDs gab es ja nicht. Singen musste sein, aber wir Kinder haben natürlich immer schon mit großen Augen auf die Geschenke geschielt. In diesem Jahr werde ich das Familienfest mit meinem Sohn feiern."
Manfred Kurz (80) aus Saarburg-Krutweiler

"Wir waren Bauersleut in Lonzenburg. Die Eltern schickten uns fünf Kinder am ersten Weihnachtstag morgens um 5 Uhr nach Pluwig in die Christmette. Alle zehn Lonzenburger Kinder gingen gemeinsam die drei Kilometer lange Strecke. Es war wunderbar, im Schein einer Laterne durch den Schnee zu stapfen. Die Eltern kamen ebenfalls zu Fuß nach und waren pünktlich um 6 Uhr in der Kirche. Sie hatten in der Zwischenzeit die kleine Bescherung zu Hause vorbereitet, während wir glaubten, sie arbeiteten noch im Stall. Geschenke sind vergänglich, aber von der Erinnerung an unsere weihnachtlichen Kirchgänge zehre ich noch heute."
Rosa "Röschen" Lenz (88), Trier-Weismark

"Ich war die mittlere von drei Töchtern, und so um 1930 herum bekamen wir alle zusammen einen Wipproller zu Weihnachten. Einfach herrlich! Iffy, Della und ich wurden bewundert in der ganzen Umgebung. Mit dem Wipproller sind wir abwechselnd mitten auf der Straße den Alleenring um die Altstadt rauf- und runtergefahren. Es war völlig ungefährlich, weil damals ganz wenige Autos unterwegs waren. Wir haben uns das Ding schwesterlich geteilt. Streit gab es nie. Viele Jahre später ist mir klar geworden, dass unsere Eltern den Roller im Spielwarengeschäft Roth in der Fleischstraße gekauft haben."
Else Fichter (85), Mutter-Rosa-Altenzentrum Trier

"Wir waren zu Hause fünf Geschwister. Meine beiden Brüder haben immer vor Weihnachten ein Dorf geschnitzt mit vielen Häusern und einer Krippe. Am Weihnachtstag sind wir morgens um sechs in die Mette gegangen, da musste aber das Vieh schon versorgt sein. Danach hat die ganze Familie gefrühstückt, es gab gebratene Blutwurst mit Brot. Dann ging\'s ins Hochamt. Mein älterer Bruder Anton hat Orgel gespielt, Nikolaus hat immer vorgesungen, wir waren alle im Chor. Das schönste Geschenk, das wir Kinder bekommen haben, war ein Grammophon. Das muss in den zwanziger Jahren gewesen sein. Ein Nachbar brachte Platten mit, und dann haben wir Musik gehört.
Gertrud Gierten ("Oma Traudchen"), 97, Langsur-Mesenich)