"Wir fürchten um unsere Existenz"
Trassem · Der Waldstausee in Trassem verlandet. Der Angelsportverein Trassem-Perdenbach sieht sich dadurch in seiner Existenz bedroht und fordert, dass die Gemeinde einen Vorfluter instand setzt. Doch die Gemeinde wiegelt ab. Sie will gelegentlich die nötigsten Arbeiten ausführen lassen.
Die Blätter sind goldbraun. Nur manchmal trifft ein Sonnenstrahl auf den Waldboden. Im Hintergrund plätschert leise der Kehrbach. Entlang des Bachbettes laufen immer wieder Fußgänger und Jogger. Es scheint, als sei die Idylle im Trassemer Wald perfekt.
Ist sie aber nicht. Dietmar Trierweiler steht am Rande einer Furt und ist sauer. "Über dieses Bauwerk, auf dem ich hier stehe, dürfte kein Wasser laufen", schimpft der Vorsitzende des Angelsportvereins Trassem-Perdenbach. Er steht auf einer sogenannten Geröllsperre, die die Fließgeschwindigkeit des Baches verringern und Feststoffe aus dem Wasser herausfiltern sollte. Errichtet wurde sie vor zwölf Jahren. Ihr Bau kostete damals rund 65 000 Euro, von denen das Land zwei Drittel übernahm. Den Eigenanteil von 22 400 Euro stemmten die Gemeinde sowie der Angelsportverein.350 Euro Pacht im Jahr
"Der Vorfluter erfüllt nicht mehr seinen Zweck", schimpft Trierweiler. "Er muss dringend gereinigt und wieder instand gesetzt werden." Zuständig dafür ist die Ortsgemeinde Trassem. Sie hat das Gelände zwischen Stausee und Vorfluter an den Verein verpachtet. Als Pachtzins sind 350 Euro im Jahr vereinbart.
Von diesem Betrag muss die Gemeinde jedes Jahr 100 Euro zurücklegen, um den Vorfluter in Schuss zu halten. "Wir wissen um das Problem", sagt Wolfgang Benter auf telefonische Nachfrage. Der Ortsbürgermeister von Trassem kann die Aufregung der Angler nicht ganz nachvollziehen: "Irgendwann müssen wir in den sauren Apfel beißen und den Vorfluter ausbaggern." Daher habe der Gemeinderat auf seiner jüngsten Sitzung beschlossen, die Arbeiten gelegentlich ausführen zu lassen. Allerdings mit der Einschränkung, dass zunächst passendes Gerät in der Nähe stehen muss. "Das ist eine Minibaumaßnahme. Da müssen wir versuchen, die Kosten niedrig zu halten", erklärt Benter die aktuelle Beschlusslage.
Trierweiler glaubt nicht, dass sich das Problem mit zwei bis drei LKW-Ladungen lösen lässt. Er ist sauer, dass der Stausee, in dem der Verein seine Fische hält, immer weiter verlandet: "Als wir vor zwölf Jahren mit der Gemeinde den Pachtvertrag schlossen, war der See noch knapp sechs Meter tief. Inzwischen hat er eine ausgelotete Tiefe von etwa drei Metern." Auch die drei Aufzuchtbecken des Vereins, durch die der Bach fließt, seien kaum noch nutzbar.Beliebtes Ausflugsziel
"Ich fürchte, dass dem Verein mit seinen rund 90 Mitgliedern die Existenzgrundlage entzogen wird, wenn hier nicht schnell gehandelt wird", sagt Trierweiler. Mit viel ehrenamtlichem Engagement würde man gemeinsam mit zwei Angestellten die Fischerhütte führen. Das würde aber nur funktionieren, weil die Vereinsmitglieder als Ausgleich zu ihrer Hilfe, die Forellen und Schleien aus dem See angeln dürfen.
Trotz wiederholter Mahnungen vonseiten des Vereins sehe der Ort tatenlos zu, wie der Waldstausee verlandet. Da kann Trierweiler nur noch mit seinem Kopf schütteln.Meinung
Gesucht: Weg aus der MisereSicher, mit der Pacht und den Rücklagen, die der Angelsportverein an die Gemeinde zahlt, ist der Vorfluter oberhalb des Waldstausees nicht in Schuss zu halten. Aber es kann auch nicht sein, dass die Gemeinde Einrichtungen, die ihr gehören, verlanden lässt. Und das, obwohl sie von ihrem Pächter immer wieder auf das Problem angesprochen wird. Klar ist aber auch, dass eine deluxe Unterhaltung des Vorfluters von der Gemeinde nicht finanziert werden kann. Gerade deshalb ist es wichtig, dass beide Vertragspartner sich zusammensetzen und nach einem gangbaren Weg aus der Misere suchen. Der Waldstausee ist Ausgangspunkt des Trassemer Waldlehrpfads und die Fischerhütte ist für Wanderer, Ausflügler und Touristen ein wichtiger Haltepunkt, an dem sie Kraft schöpfen können. Nur wenn beide Partner an einem Strick ziehen, lässt sich die Idylle am Waldstausee langfristig erhalten. Davon profitieren der Ort und der Verein. a.schumitz@volksfreund.de