| 21:07 Uhr

"Wir sitzen auf einem guten Drahtesel"

KELL AM SEE. Was tun, wenn die Radfahrer kommen? Der Bau des Ruwer-Hochwald-Radwegs soll in Kell am See auch im Umfeld der Trasse zur Neugestaltung des Ortsbilds genutzt werden. Eine besondere Rolle könnten dabei, so die ersten Gedankenspiele im Gemeinderat, der historische Bahnhof und der frühere Bahnübergang am Rathaus spielen. ARRAY(0xcbc1f0e0)

Läuft alles nach Plan, dann rollen die Radler in einem Jahr an: Ende 2006 soll die zweite Etappe beim Bau des Ruwer-Hochwald-Radwegs beendet werden, erreicht die Trasse auf der früheren Bahnstrecke von Reinsfeld aus Kell am See. Die Vorfreude und die Erwartungen, die die politischen Leistungsträger in der touristischen Hochburg im Hochwald mit dem 10,5 Millionen-Euro-Projekt verbinden, sind groß. "Wir sitzen auf einem guten Drahtesel. Wenn der Radweg fertig ist, haben wir ein Highlight, dass sich mit allen anderen Wegen in Deutschland messen kann", meint beispielsweise CDU-Fraktionssprecher Dittmar Lauer. Auch für Bürgermeister Werner Angsten gibt es keinen Zweifel: "Der Bau des Radwegs bedeutet einen Aufbruch in die richtige Richtung." Einig sind sich die Verantwortlichen aber noch in einem weiteren Punkt: "Wir haben gerade hier in Kell phantastische Möglichkeiten", so das Credo von Lauer. Bei den Beratungen im Gemeinderat spielte deshalb der neue Radweg eine entscheidende Rolle. "Wir müssen wissen, was uns vorschwebt und diese Pläne mit dem Kreis abstimmen", betonte Ortsbürgermeister Markus Lehnen (CDU) die Notwendigkeit, "sich jetzt schon Gedanken über begleitende Maßnahmen im Ort zu machen". Diese könnten vor allem mit Hilfe von Zuschüssen aus dem Dorferneuerungsprogramm des Landes finanziert werden. "Ich bin guter Dinge, dass wir eine maximale Förderung von 65 Prozent bekommen", berichtete Angsten von den Ergebnissen seiner Gespräche in Mainz. Die CDU-Mehrheitsfraktion legte im Keller Rat bereits ein erstes Ideenpapier mit insgesamt 16 Vorschlägen für mögliche Umgestaltungen entlang der späteren Radweg-Trasse vor. Schwerpunkte setzten die Christdemokraten dabei an zwei Stellen. Am historischen Bahnhof sollen nicht nur eine Rad-Service-Station und Parkplätze eingerichtet werden. Angedacht ist dort zudem, Raum für museale Daueraustellungen zu schaffen, die sich beispielsweise mit der Geschichte der Hochwaldbahn beschäftigen könnten. Favorisiert wird seitens der CDU, diese Ausstellungen in Eisenbahnwaggons zu präsentieren, die auf dem Schienenstrang im Besitz des Keller Heimatvereins aufgestellt werden könnten. Auch einen Anbau an das Bahnhofsgebäude brachten die Christdemokraten ins Gespräch. Wenn das Radfahr-Geschäft voll läuft, müsse aber eine bessere Lösung gefunden werden, damit die Zulieferer den Accord-Markt nicht mehr direkt über den Bahnhofsbereich ansteuern, betonte Lauer. Möglich sind aus Sicht der CDU mehrere Optionen, etwa die Ausbesserung der Pflasterstraße unterhalb des Marktes, an deren Ende ein Wendehammer gebaut werden könnte. "An den Kosten müsste sich die Distributa GmbH aber angemessen beteiligen", forderte Lauer. Ein besonders neuralgischer Punkt ist darüber hinaus die "Barrea", der ehemalige Bahnübergang am Rathaus, wo gleich mehrere Straßen zusammenlaufen. Die Keller Kommunalpolitiker würden dort zwar den Bau eines Verkehrskreisels bevorzugen. Ein Ortstermin mit dem Planern vom Landesbetrieb Straßen- und Verkehr (LSV) habe jedoch ergeben, dass ein solches Vorhaben schätzungsweise 200 000 Euro kosten würde, informierte Lehnen. Da es sich an dieser Stelle jedoch um den Ausbau einer Kreisstraße handeln würde, sei eine Abstimmung mit dem Kreis unumgänglich, sagte Lehnen. Letztlich gehe er aber davon aus, dass ein Kreisverkehr nicht finanzierbar sei, so der Gemeindechef weiter. Diese planerischen Schwierigkeiten sind auch Lauer bewusst. Gleichwohl richtete er eine deutliche Forderung an den LSV: "Wenn im unteren Ruwertal aufwändige Brücken gebaut werden, dann erwarten wir im Hochwald, dass hier nicht das Geld für vernünftige Lösungen fehlt." Als Ergebnis der Diskussion beauftragte der Keller Gemeinderat ein Planungsbüro in Wadern damit, die bisherigen Ideen zu konkretisieren. Allerdings, so Lehnen, könne man nicht erwarten, dass die Umgestaltungen im Ort bereits bis Ende 2006 abgeschlossen sind. "Wenn der Radweg komplett fertig ist, sollten auch wir fertig sein", setzt der Gemeindechef als vorläufiges Ziel das Jahr 2008.