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"Wir wollen nicht nur den Notarzt spielen"

"Wir wollen nicht nur den Notarzt spielen"

HERMESKEIL. Sie sind die beiden starken Frauen im neuen, geschäftsführenden Vorstand und haben den krisengeschüttelten Hermeskeiler Gewerbeverband (HGV), der zunächst ohne Führung da stand, vor der Auflösung bewahrt. Im TV-Interview sprechen Angelika Kohlhaas und Renate Keßler über die Ziele in ihrer zweijährigen Amtszeit.

Sie haben im September praktisch in allerletzter Sekunde ihre Bereitschaft erklärt, die Verantwortung beim HGV zu übernehmen. Damit ist zwar der Fortbestand des organisierten Hermeskeiler Einzelhandels gesichert. Es stellt sich aber die Frage: Ist der neue Vorstand nur eine Verlegenheitslösung?Kohlhaas: Nein, wir wollen ganz bestimmt nicht nur den Notarzt spielen und Pflaster aufsetzen, sondern haben uns für die Zukunft schon einiges vorgenommen." Welche Ziele haben Sie sich denn konkret vorgenommen?Keßler: Wir sind ja alle in unseren Läden engagiert und haben wenig Zeit. Umso wichtiger erscheint es uns, dass uns eine professionelle Hilfe zur Verfügung steht. Deshalb suchen wir einen Marketing-Assistenten. Das ist zunächst das Nahziel.Kohlhaas: Um aber eins deutlich zu sagen. Es geht dabei nicht nur um den HGV, sondern die Arbeit des Marketing-Assistenten soll der ganzen Stadt zugute kommen. Welche Aufgaben soll denn ein solcher Marketing-Assistent übernehmen?Keßler: Es handelt sich natürlich nicht um einen Vollzeit-Job. Entscheidend ist aus unserer Sicht aber ein Konzept, dass die HGV-Aktivitäten auf eine bessere und professionellere Basis stellt. Unsere Hoffnung ist, dass schon der Weihnachtsmarkt vom Marketing-Assistenten organisiert werden kann.Kohlhaas: Natürlich soll er aber auch frischen Wind reinbringen und Ideen für neue Events hier in Hermeskeil entwickeln. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass wir mit einem Marketing-Assistenten einen Punkt hätten, an dem alle Fäden zusammenlaufen. Diese Koordinierungsstelle wollen wir in einem Büro im Rathaus einrichten. Ein Marketing-Assistent kostet aber auch Geld. Wie wollen Sie den finanzieren?Keßler: Unsere Mitglieder haben uns schon signalisiert, dass sie bereit sind, finanziell mehr zu leisten. Außerdem führen wir Gespräche mit größeren Hermeskeiler Firmen, die bislang noch nicht dem HGV angehören und versuchen, sie von unserer Idee zu begeistern. Schließlich sind wir auch zuversichtlich, dass uns die Stadt unterstützen wird. Gerade diese Zusammenarbeit war in der Vergangenheit aber nicht unproblematisch. Die Idee des Marketing-Assistenten ist ja nicht neu, und der alte Vorstand hat den Stadtrat damit nicht überzeugen können.Kohlhaas: Das ist zwar richtig und wir stehen auch erst am Anfang. Zumindest sind die Gespräche mit Stadtbürgermeisterin Ilona König und Bürgermeister Michael Hülpes aber positiv verlaufen. Wir müssen den städtischen Gremien jetzt einfach klar machen, dass Attraktivität ihren Preis hat. Ich denke, wenn wir hier etwas bewegen wollen, müssen wir dafür auch gemeinsam etwas tun. Stichwort Attraktivität: Was muss aus ihrer Sicht getan werden, damit die Menschen wieder in die Stadt zurückkommen und Hermeskeil als Einkaufsziel interessanter wird?Kohlhaas: Das neue Einkaufszentrum in der Donatusstraße ist schon mal ein wichtiger Schritt nach vorne. Wir beim HGV sind froh, dass das Gebäude jetzt fast fertig ist und erhoffen uns davon eine Magnetwirkung für die gesamte Innenstadt.Keßler: Etwas tun könnte sich ohne Zweifel beim Erscheinungsbild von Hermeskeil. Eine attraktivere und modernere Gestaltung wäre vor allem in der Fußgängerzone, aber auch anderen Stellen in der Stadt sicher wünschenswert. Sind denn nicht auch die Händler selbst gefordert? Nicht wenige Kunden ärgern sich beispielsweise über die uneinheitlichen Öffnungszeiten und die langen Mittagspausen in vielen Geschäften?Kohlhaas: Klar, die Öffnungszeiten sind schon ein Thema, bei dem der HGV an einer einheitlichen Regelung interessiert wäre. Wir können darauf aber keinen Einfluss nehmen. Man muss ja bedenken, dass es hier viele Geschäfte gibt, in denen nur der Inhaber im Laden steht. Im übrigen bin ich der Meinung, dass es mit den unterschiedlichen Öffnungszeiten in Hermeskeil gar nicht so schlimm ist, und es bei uns keinen Unterschied zu anderen kleineren Städten gibt. Was wollen Sie erreicht haben, wenn ihre Amtszeit in zwei Jahren zu Ende geht?Keßler: Wir hoffen, dass der HGV dann gefestigt ist. Außerdem sollen unsere Aktivitäten dann professioneller ablaufen. Schön wäre es auch, wenn wir unsere Mitgliederzahl von rund 70 erhöhen könnten." Das Gespräch führte TV-Redakteur Axel Munsteiner.