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Wirtschaftsministerium bestätigt Aus für Hochwaldbahn: Gleise werden abgerissen

Förderverein schockiert : Die Gleise der Hochwaldbahn werden abgerissen

Die Gleise der Hochwaldbahn zwischen Nonnweiler und Freisen werden zurückgebaut. Eine Reaktivierung sei unrealistisch, bestätigte das Wirtschaftsministerium dem saarländischen Rundfunk. Kritik kommt von einem Förderverein und den Grünen, die ein Rückbau-Moratorium fordern.

Schockiert zeigt sich der Förderverein „Bahn und Rad im Hochwald“ über das Aus für eine mögliche Reaktivierung der Hochwaldbahn von Türkismühle über Sötern, Otzenhausen und Nonnweiler bis Hermeskeil für das er seit Jahren kämpft.„Bundesweit werden Bahnstrecken reaktiviert, so auch in unserem Nachbarland Rheinland-Pfalz, nur in unserem Saarland will keiner diese Entwicklung sehen“, teilt der Förderverein auf seiner Facebookseite mit und kritisiert die „Kurzsichtigkeit“ des saarländischen Wirtschaftsministeriums. Die Bahnstrecke ist seit 2014 stillgelegt, aber nicht entwidmet, könnte also theoretisch reaktiviert werden.

Das Wirtschaftsministerium hatte dem SR zuvor bestätigt, dass die Gleise der stillgelegten Hochwaldbahn abgerissen werden. Vor Jahren hatten das Land, der Landkreis St. Wendel und die betroffenen Kommunen beschlossen, die Trasse zu einem Fahrradweg umzubauen. Anders als bei anderen stillgelegten Bahnstrecken im Saarland sei eine Reaktivierung der Strecke unwirtschaftlich, zitiert der SR aus einer Mitteilung des Ministeriums.

Das hätten die Stellungnahmen der Beteiligten im Rahmen des Planverfahrens gezeigt. Auch ein Gutachten habe ergeben, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Trassen negativ wäre. Das Ministerium sieht keinen Bedarf durch Firmen oder andere Wirtschaftszweige. Der geplante Radweg sei zudem touristisch bedeutsam und werde vom Bund gefördert.

Der Förderverein widerspricht dieser Darstellung. Seiner Ansicht nach bietet die ehemalig zweigleisige Strecke genug Platz für Bahn und Rad. „Der öffentliche Personennahverkehr im nördlichen Saarland ist in einem desolaten Zustand. Hier wird in einem Tourismusgebiet eine wichtige Chance vertan“, kritisiert der Förderverein und weiter: „Die Zerstörung der Bahnstrecke zeigt die Uneinsichtigkeit unserer Politiker auf die Zeichen der Zeit zu reagieren.“

Kritik an der Entscheidung, die Gleise abzureißen kommt auch vom saarländischen Grünen-Bundestagsabgeordneten Markus Tressel. Er forderte Saar-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) auf, ein Rückbau-Moratorium zu erlassen. „Mit der Genehmigung für den Abriss der Hochwaldbahn trägt Verkehrsministerin Rehlinger leichtfertig zu einem weiteren Kahlschlag von Bahninfrastruktur im Saarland bei.

Vor dem Hintergrund der Klimakrise und der notwendigen Verkehrswende ein massiver Fehler, der auch zu Lasten kommender Generationen geht. Sind die Gleise erstmal weg, kommen sie meist nie wieder“, sagt Markus Tressel, der auch Chef der Saar-Grünen ist. Er forderte die Eigentümerin der Bahnstrecke, die Naturland-Ökoflächenmanagement-Gesellschaft, eine 100-prozentige Tocher der gemeinnützigen Naturlandstiftung Saar auf, ihre Haltung überdenken.

Die Naturlandstiftung Saar unter Vorsitz von Umweltminister Reinhold Jost (SPD) müsse sich fragen, ob der Abriss von Bahnstrecken mit ihren satzungsgemäßen Stiftungszwecken vor dem Hintergrund des Klima- und Umweltschutzes überhaupt vereinbar sei. „Klar ist, nur mit einer starken Bahn und weniger Auto- und LKW-Verkehr werden wir die Klimaziele erreichen und damit unsere natürlichen Lebensgrundlagen erhalten“, sagte Tressel abschließend.