Wissenschaft im Kindergarten

In einem Labor der Kita Freudenburg können auch die Kleinsten schon zu Forschern werden.

Freudenburg Kleine Hände fassen in Schüsseln mit Speisestärke und bunt gefärbtem Wasser. Doch was ist das? Das Wasser will sich einfach nicht mit der Stärke mischen. Kinderaugen staunen.
Wissenschaftlich heißt das Ganze nicht-newtonsche Flüssigkeit (siehe Info). Das Experiment findet nicht etwa in einer Realschule oder einem Gymnasium statt, sondern im neuen Forscherraum der Freudenburger Kindertagesstätte. Es ist das Abschlussprojekt von Lisa Löwe im Berufspraktikum zur Erzieherin.
Wie kam sie auf diese Idee? Lisa Löwe sagt: "Ich habe gesehen, wie Kinder an der Wippe das Hebelgesetz ausprobiert haben." Türme aus Bauklötzchen bauen habe doch viel mit Statik zu tun und ein Junge habe gefragt: "Kann ich aus Wasser Schnee machen?" Ohne, dass die Kinder die Fachbegriffe kennen würden, sei ein Interesse an Wissenschaft in ihnen angelegt, sagt Löwe erfreut.
So wurde mithilfe des Fördervereins und Sponsoren für 1500 Euro ein Labor samt Mobiliar eingerichtet, in dem allerlei Experimente möglich sind. Guter Rat, wie diese am besten für solch kleine Kinder aufgebaut werden, kam von der Lehrerin für Chemie, Physik und Mathematik, Elisabeth Müller, von der Realschule plus in Saarburg.
Kita-Leiterin Sandra Bräutigam will es nicht bei einem Experiment belassen: "Das Projekt wird nachhaltig fortgeführt." Dafür wurde eine Experimentier-AG gegründet. "Kein Kind muss daran teilnehmen. Wir fördern nur den Wissensdrang", sagt die Leiterin.
150 Kita-Plätze gibt es in Freudenburg. Ab dem vierten Lebensjahr beginnt sich das Interesse an Naturgesetzen zu regen. Jetzt kann diese Neugier mit Versuchen gestärkt werden. Beispielsweise können die Kinder zuschauen, wie aus Licht per Solarzelle Strom wird, wie unsichtbare Kräfte von Magneten wirken oder wie aus Kaffeefiltern kleine Kunstwerke werden. Wissenschaftlich hießt das: Papierfilterchromatographie-Versuch. Dabei erhält ein runder Kaffeefilter ein Loch in der Mitte. Drumherum werden bunte Kringel gemalt. Durch dieses Loch wird gerolltes Filterpapier gesteckt und ins Wasser getaucht. Wie durch Zauberhand zerläuft die Farbe der bunten Kringel. "Das Staunen motiviert weiter und die Kinder kommen auch später in der Grundschule ganz allgemein besser zurecht", sagt die Kita-Leiterin. "Vor allem fällt die Abschreckung bei Naturwissenschaft weg", argumentiert Lisa Löwe. So sollen auch Frauen früh für einen naturwissenschaftlichen Weg begeistert werden.
Ideen und Vorlieben sind bei Jungs und Mädchen unterschiedlich, haben die Kita-Erzieherinnen beobachtet. Mädchen arbeiten lieber mit Farben, während die Jungs sich für Mechanisches begeistern lassen. "Die Kinder begreifen das alles recht schnell", sagt Realschullehrerin Müller.Extra: ÜBERS WASSER LAUFEN, GEHT DAS?


Man muss nicht Jesus sein, um auf Wasser laufen zu können. Es reicht, wenn man etwas Maisstärke in einen Pool kippt und damit aus einer newtonschen Flüssigkeit mit idealem Fließverhalten ein nicht-newtonsches Fluid macht, das sich ganz unerwartet verhält und zumindest Kinder tragen kann.