Wo Biber im Hochwald Probleme haben – Vier Nager auf der B 407 überfahren

Umwelt : Wo Biber im Hochwald Probleme haben – Vier Nager auf der B 407 überfahren

Für den streng geschützten Nager ist die B 407 eine Gefahr. Der TV hat sich mit dem zuständigen Förster angeschaut, mit welchen Schwierigkeiten die Tiere im Wadrilltal ansonsten zurechtkommen und warum sie sich dort trotzdem wohlfühlen.

Die Sonne scheint, und es ist trocken. Für den Förster Martin Ritter sind solche Witterungsverhältnisse häufig ein Anlass, nach Reinsfeld an die Hunsrückhöhenstraße zu fahren und die Biberbauten zu begutachten. Die streng geschützten Nagetiere (siehe Info) leben schon seit einigen Jahren dort im Wadrilltal, und bauen ihre Dämme. Laut Ritter werden es immer mehr am Osterbach und an der Wadrill. Für ihn ein Indiz, dass sich die Tiere im Hochwald wohlfühlen.

Zuletzt gab es allerdings auch Grund zur Sorge, berichtet Ritter. Innerhalb kurzer Zeit seien gleich zwei tote Biber am Rand des Bundesstraße 407 bei Reinsfeld gefunden worden. Die Tiere wurden nach Meinung von Experten von Autos überfahren. „Hier in diesem Kessel um die B 407 und die L 148 haben wir vor 17 Jahren einen der ersten Biberdämme entdeckt“, erzählt der Revierförster. „Bis vor wenigen Wochen war nie so etwas passiert.“ Damals kamen die Nagetiere über die Prims im Saarland und die Wadrill bis an den Osterbach nach Reinsfeld. Förster und Biber-Fachleute seien allerdings schon überrascht gewesen, dass sich die Tiere ausgerechnet einen Ort in der Nähe einer lauten und viel befahrenen Straße ausgesucht hatten, um dort ihren Staudamm zu bauen.

Nach Einschätzungen von Experten gibt es derzeit im Hochwald mehr als 13 Biberbauten, die von etwa 40 Bibern bewohnt werden. Die Jungtiere bleiben zwei Jahre bei ihrem Rudel und wandern dann ab, um neue Dämme zu bauen. Beim Gang am Osterbach entlang stellt der Förster fest, dass in einem kleinen Seitenarm des Baches in Richtung des Firmengeländes von Siegenia Aubi ein weiterer neuer Damm entstanden ist. „Der ist besonders außergewöhnlich, weil der Biber bis zu 30 Meter den Hang hinaufgeklettert sein muss, um die dünnen Bäume zu fällen“, erläutert er. Normalerweise blieben die Tiere am Bachlauf und nagten dort die Rinden und Bäume an.

Martin Ritter fährt mit dem Auto weiter in Richtung des Wadrilltals nahe der Mühle am Wanderweg Frau Holle. Dort wurden in der Vergangenheit ebenfalls zwei Nagetiere überfahren. „Insgesamt mussten wir schon vier tote Biber beklagen“, sagt Ritter. Was die Ursache dafür sein könnte, dazu hat der Förster eine Vermutung. Schuld daran könnten die Durchlässe sein, durch die das Wasser unter der Straße hindurchfließt. „Wir haben im Bereich der Biberdämme zwei Durchlässe für die Bäche. Aber sie könnten zu klein sein“, sagt der Förster. Wenn es stark regne, seien die Bachdurchlässe randvoll gefüllt mit Wasser, und hätten eine sehr starke Strömung. Dies bedeute, dass der Biber dort nicht durchkomme. Deshalb sucht er sich vermutlich den Weg über die Straße, um auf die andere Seite des Tals zu kommen. Und dort werde der Verkehr zum tödlichen Hindernis. Eine Lösung wäre, die Durchlässe zu vergrößern. Allerdings: „Der Kostenaufwand dafür stünde in keinem Verhältnis. Die Kosten sind einfach zu hoch. Wir müssen mit diesem Problem leben“, stellt Ritter fest. Er könne an die Verkehrsteilnehmer nur appellieren, die Geschwindigkeit zu reduzieren und aufmerksam im Bereich der Biberdämme zu fahren.

Ein Problem, das dagegen der Biber verursacht, ist gleich neben der Bundesstraße sichtbar. Dort sind zahlreiche Bäume angenagt und gefällt. „Wir mussten in Absprache mit dem Landesbetrieb Mobilität schon zahlreiche Bäume fällen, um eine Verkehrsbehinderung auszuschließen“ erklärt der Förster aus Reinsfeld.

Der Naturfreund ist trotz aller Widrigkeiten aber erfreut, dass die Tiere sich trotzdem so wohlfühlen. „Mensch und Tier kommen hier sehr gut zurecht. Dem Biber macht der Lärm durch Verkehr und Wanderer wohl nichts aus, was uns erfreut.“ Normalerweise bauen die Nagetiere eher in ruhigeren Gebieten.

Ein anderes Problem entdeckt der Förster an einem Biberbau gleich neben dem Durchlass an der Hunsrückhöhenstraße: Müll. „Die Menschen werfen ohne nachzudenken, welche Folgen es haben kann, ihren Müll aus dem fahrenden Auto. Das ist eine Sauerei,  ärgert sich Martin Ritter. Auch der Biber finde so etwas nicht gut und ziehe vermutlich weiter.

„Wir freuen uns über jeden einzelnen Biber, der sich hier in unserer Region niederlässt. Achten wir alle einfach mal auf unsere Umwelt und helfen so, dass sich der Biber hier weiterhin noch viele Jahre ausbreiten kann“, mahnt der Förster.

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