Wohin mit den Trümmern?

SAARBURG. Ein paar junge Leute aus Saarburg haben sich viel vorgenommen: Simon Godart, Mike Hemmer und die anderen vom Jugendtreff wollen den alten jüdischen Friedhof in Niederleuken aus der Vergessenheit holen. Eine große Aufräumaktion war der erste Schritt in diese Richtung. Unterdessen hat die Stadt ihre Unterstützung zugesagt.

An einem Samstagvormittag im Saarburger Stadtteil Niederleuken: Eine hauptsächlich aus Jugendlichen bestehende rund zehnköpfige Gruppe steht vor einem großen Eisentor unterhalb der Straße "Erdenbach". Bernd Bredin, städtischer Jugendsozialarbeiter, sperrt das Tor auf. Dann beginnt die große Aufräumaktion. Ausgerüstet mit geländetauglichen Schuhen und Arbeitskleidung macht sich die Gruppe ans Werk. Während die einen der üppig sprießenden Vegetation mit Heckenscheren zu Leibe rücken, machen sich andere auf die Suche nach Müll - zerbrochene Flaschen, Getränkedosen, Plastiktüten und andere Überbleibsel des menschlichen Konsumentendaseins finden sie auf dem gesamten Gelände. "Schwere Brocken" zusammengetragen

Eine weitere Gruppe hat schon nach kurzer Zeit einen großen Haufen mit rotbraunen, teils mit Moos bewachsenen "Steinen" zusammengetragen. Erst beim genauen Hinsehen sind auf einigen der teils mehrere Kilo schweren Brocken kunstvolle Verzierungen und hebräische Schriftzeichen zu erkennen. Tatsächlich handelt es sich bei den vermeintlichen Steinen um die Bruchstücke von Grabmalen. Denn das verwahrlost wirkende Gelände, auf dem die jungen Leute um Bernd Bredin fleißig werkeln, ist der alte jüdische Friedhof von Niederleuken. "Wir sind uns noch nicht sicher, was wir mit den Grabsteintrümmern machen sollen", erklärt Bredin wenige Tage nach der Aktion im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund. Sicher sind sich Johannes Türstig, Thomas Vadrot und die anderen vom Saarburger Jugendtreff hingegen, weshalb sie diesen Samstagvormittag und einen Teil des Nachmittags lieber im "Grünen" verbringen, als den schulfreien Tag zum Ausschlafen zu nutzen. Ursprünglich hatten die Jugendlichen - wie jedes Jahr - einem Aufruf des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge nachkommen und Spenden sammeln sollen (der Trierische Volksfreund berichtete). Doch es kam anders, denn die jungen Leute stellten sich die Frage: "Weshalb kümmert man sich schon seit Jahren um die Kriegsgräber und andere Weltkriegs-Erinnerungsstätten, während der jüdische Friedhof in Niederleuken zusehends verfällt?" Schon bald war der Entschluss gefasst: "Wir wollen den Friedhof wieder aufmöbeln und ihn so ins Bewusstsein der Saarburger zurückbringen", erklärte Simon Godart vom Jugendtreff Ende September. Ein erster Schritt in diese Richtung war die "große Aufräumaktion". Inzwischen hat die Stadt ihre Unterstützung zugesagt. "In näherer Zukunft werden wir die Begehbarkeit des Friedhofs wieder herstellen. Dazu wollen wir im Eingangsbereich einen Fußweg anlegen", stellt Stadtbürgermeister Jürgen Dixius in Aussicht.Stadt plant Fußweg und Info-Tafel

Darüber hinaus sei geplant, eine Info-Tafel aufzustellen, die die historischen Hintergründe aufzeigen soll. Dixius betont: "Wir sind uns der Verantwortung gegenüber der Geschichte durchaus bewusst." Allerdings treffe es nicht zu, dass sich in der Vergangenheit niemand um den Ort, der im Verantwortungsbereich der Stadt liege, gekümmert habe. "Unter anderem wurden regelmäßig Mäharbeiten durchgeführt." "Mit der Aufräumaktion ist das Gröbste erst mal erledigt", sagt Jugendsozialarbeiter Bredin, für den der Wille der Jugendlichen, sich um den Friedhof zu kümmern, keineswegs ein "Strohfeuer" ist. "Die Leute sind sehr motiviert und packen gerne mit an." Allerdings: "Unser Ziel ist nicht, die Arbeit des städtischen Bauhofs zu übernehmen. Letztlich geht es in erster Linie darum, einen in Vergessenheit geratenen Ort aus seinem Schattendasein zu holen. Wenn die Stadt aber unsere Hilfe braucht, sind wir zur Stelle."

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