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Wohltäter auf knatternden Maschinen

Wohltäter auf knatternden Maschinen

520 Motorradfahrer haben am Sonntag eine Sternfahrt an der Mosel unternommen. Das Startgeld und der Erlös des zweitägigen Festes an der Oberbilliger Uferpromenade - insgesamt weit über 10 000 Euro - kommen der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke zugute.

Oberbillig. Der Asphalt am Oberbilliger Moselufer riecht noch nach verbranntem Gummi von der Motorrad-Stuntshow, als Jean-Luc aus Luxemburg den 1800-Kubik-Motor seiner pechschwarzen Harley startet. Rund 500 Biker tun es ihm am Sonntag um 13 Uhr gleich und lassen die Erde erzittern.
Die Luft flimmert, und die Motorradfahrer drehen nur zart am Gas, was allerdings einem infernalischen Gewitterdonner gleichkommt. Sie haben sich zu einer Sternfahrt entlang der Mosel getroffen, um ihrer Leidenschaft zu frönen und gleichzeitig ein gutes Werk zu tun. Der Reinerlös der zweitägigen Veranstaltung mit Musik und Tanz, Speisen und Getränken und vielen "Benzingesprächen" geht nämlich an die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke.
Initiator ist Markus Betz aus Oberbillig, dessen Sohn Marius (17) auch an einer Muskelerkrankung leidet. Zehn- bis fünfzehntausend Euro werden wohl zusammenkommen, schätzt Betz am Sonntagmittag.
Dafür hat er sich mit seinem hundertköpfigen Helferteam aus sämtlichen Oberbilliger Vereinen mächtig ins Zeug gelegt, auch die MCs (Motorradclubs) aus der Region unterstützen ihn und zeigen sich von ihrer besten Seite. Neben den Motorrad-Stunts des Vize-Europameisters Buddy X gab es ein Rahmenprogramm mit viel Musik, Travestie und einem großen Feuerwerk.
Schon am späten Nachmittag war die Leiendecker-Bloas im Einsatz, dann folgte eine Show auf die andere. "Hunderte von Leuten haben Oberbillig gerockt so wie noch nie!", freut Betz sich über die mittlerweile fünfte Auflage der Benefiz-Party.
Derweil tuckert Jean-Luc mit seiner Harley langsam Richtung Waldrach im Ruwertal, dem Wendepunkt der Tour. Er und die 500 anderen Biker lassen es langsam angehen. Die Polizei begleitet sie am Moselufer durch Trier. Passanten winken, Jean-Luc winkt zurück, das Wetter ist auch noch perfekt. "So macht Mopedfahren Spaß, so viele Gleichgesinnte trifft man selten", sagt er zur Halbzeit.
Fünf Euro Startgeld



Die 500 Motorräder bieten eine imposante Kulisse, jeder hat fünf Euro Startgeld für den guten Zweck bezahlt. Den Nummernschildern nach hat sich hier alles aus der Region TR, was zwei Räder und einen Motor hat, versammelt, dazu gibt es Trikes (dreirädrige Bikes) und Gespanne zu bestaunen. Eine 50-Kubikzentimeter Kreidler Florett aus den Siebzigern versucht mit den Boliden Schritt zu halten; antike Royal Enfields und Indians knattern durchs Ruwertal, ein kilometerlanger Lindwurm, leicht wummernd, schön langsam geht die Fahrt. Der Sanitätsdienst bekommt nichts zu tun, niemand macht Bekanntschaft mit dem Asphalt, die Motorradstaffel der Trierer Polizei hat sichtlich Spaß, auch sie lassen noch den Hut beziehungsweise Helm für den guten Zweck kreisen.
Als am späten Nachmittag der Tross wieder in Oberbillig ankommt, ist Organisator Markus Betz dankbar und begeistert: "Sensationell! Und so ein Andrang; wir werden ein absolutes Rekordergebnis einfahren!" DT