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Wohnanlage für alte und junge Menschen in Irsch geplant​

Bauen : Wohnanlage für ältere und junge Menschen in Irsch geplant

Unter dem Titel Generationen-Wohnen will ein Ayler Unternehmen ein großes Projekt an der Hauptstraße ins Leben rufen. Eine Bürgerinitiative kritisiert unter anderem die Dimensionen.

„Quartier Bei Hofhaus“ (siehe Info) nennt sich das Vorhaben, das die Ayler Firma Dawen und Rieth Immobilien in Irsch plant. Alt und Jung sollen dort zusammen leben, wie Holger Rieth, neben dem Irscher Zimmermeister Jörg Dawen einer der beiden Geschäftsführer, erklärt.

Für wen das Projekt gedacht ist

Das Projekt sei für ältere Menschen gedacht, denen der eigene Haushalt zu viel werde. Ihnen würden in der Irscher Hauptstraße kleinere, barrierefreie Bleiben und Serviceleistungen angeboten. So könnten über ein Servicebüro beispielsweise Umzugshilfen organisiert, Reinigungs-, Fahr- und Notrufdienste sowie ein Hausmeister- und Essensservice vermittelt werden. In einem zweiten Gebäudekomplex soll Wohnraum für jüngere Menschen geschaffen werden.

Kein betreutes Wohnen

Rieth spricht von Generationen-Wohnen. Er sagt: „Wir gebrauchen bewusst nicht den Begriff ,betreutes Wohnen`.“ Der sei missinterpretiert worden. Dennoch sollen Pflegeleistungen bei Bedarf zumindest vermittelt werden können. Laut Rieth wird versucht, einen Pflegedienst in einer Gewerbeeinheit der Anlage anzusiedeln. Gemeinschaftliche Aktivitäten wie Singen und Spieleabende sollen in der Anlage ebenfalls geplant werden. Dafür wollen die Planer mit dem Verein Zeitgarten mit Sitz in Tawern zusammenarbeiten. Ziel des Konzepts sei es, die Eigenständigkeit der Bewohner möglichst lange zu erhalten und soziale Isolation und Einsamkeit zu verhindern, heißt es in einer Projektbeschreibung.

Wie weit das Genehmigungsverfahren ist

Das Unternehmen, zu dessen Projekten auch das Objekt Brunnenhof in Irsch mit 24 Eigentumswohnungen gehört, plant das Generationen-Wohnen an der Bundesstraße mitten im Ort, schräg gegenüber der Kirche. Laut Rieth hat die Firma dort zwei ehemalige Gaststätten gekauft. Der Ortsgemeinderat, mit dem der Investor laut eigener Aussage „im permanenten Austausch“ steht, hat im September 2021 einen Aufstellungsbeschluss für einen maßnahmenbezogenen Bebauungsplan gefasst. Die Investoren haben daraufhin ein Planungsbüro mit einem entsprechenden Entwurf beauftragt.

Planung stößt auf großes Interesse

Auch erste Visualisierungen hat es schon gegeben, die allerdings überholt sind. Demnach sollten zur Bundesstraße hin ein zweigeschossiger Gebäudekomplex mit Mansardendach und Balkonen für die älteren Menschen entstehen. Im rückwärtigen Bereich zum Sportplatz hin waren zwei dreigeschossige Gebäude mit Tiefgarage und Loggien für Jüngere geplant. Laut Projektbeschreibung sollten auf dem rund 4700 Quadratmeter großen Grundstück 70 Wohneinheiten entstehen, laut Rieth maximal 65. Nach ersten Veröffentlichungen über die sozialen Medien und andere Kanäle habe es sehr viele Anfragen aus der Region und 700 Kontakte gegeben, sagt der Investor.

Die neue Planung

Aufgrund der gestiegenen Baukosten wird nun neu gedacht, klar ist noch nichts. Rieth sagt: „Die Gebäude im hinteren Bereich werden hinterfragt.“ Eventuell sollen dort nur noch Parkplätze entstehen. Die Zahl der Wohneinheiten insgesamt werde dann verringert, über die Zahl der Stellplätze werde noch diskutiert.

Die Kritik der Bürgerinitiative

Dies käme der Bürgerinitiative, die das Projekt kritisch begleitet, entgegen. Denn die Größe des Projekts gehört zu ihren Kritikpunkten. Mitglied Janine Louis sagt: „Ein Projekt für ältere Menschen ist prinzipiell eine gute Sache. Aber ich denke nicht, dass dieser Bedarf da ist.“ Nach Auffassung der Initiative mit einem harten Kern von fünf Leuten und einem Unterstützerkreis von 20 hat die ursprüngliche Planung die Dimensionen des alten Ortskerns gesprengt.

Die Initiative erwartet zudem Konflikte, wenn im rückwärtigen Geländeteil gebaut würde. Denn auf dem benachbarten Fußballplatz kämen Hunderte Zuschauer bei Spielen zusammen, und dort sowie in der nahen Mehrzweckhalle werde gefeiert. Die Kritiker glauben, dass sich die ohnehin schwierige Verkehrssituation auf der engen, recht viel befahrenen Bundesstraße mit einem großen Projekt weiter verschärft. Sie hinterfragen, wie die Gemeinde sichern will, dass perspektivisch ältere Menschen in dem vorderen Gebäudekomplex wohnen. Sie kritisiert zudem, dass über das für den 1500-Einwohner-Ort große Projekt nicht ausreichend informiert werde.

Die Reaktionen

Investor Rieth und Ortsbürgermeister Jürgen Haag weisen die Kritik zurück. Die Gemeinde hat auf entsprechende schriftliche Fragen der Initiative auch schriftlich geantwortet. Zur Informationspolitik heißt es dort, das Projekt sei in den sozialen Medien und in Gesprächen mit Nachbarn thematisiert worden. Rieth verspricht: „Wenn das Grundkonzept mit dem Rat abgestimmt ist, dann werden wir damit an die Öffentlichkeit gehen.“ Zum Thema Lärm verweisen beide auf ein Schallgutachten, das passiven Schallschutz empfehle. Dass Altersgrenzen festgeschrieben werden, will Haag in einem Durchführungsvertrag und späteren Teilungserklärungen fixieren. Eine Überprüfung der tatsächlichen Belegung sei seitens der Verwaltung oder Gemeinde allerdings nicht möglich, heißt es.

Wie es weiter geht

“Wann seid ihr so weit?“ Diese Frage zum Generationen-Wohnen bekommt Ortsbürgermeister Haag laut eigenen Angaben ziemlich oft gestellt. Dass so etwas komme, sei der Wunsch etlicher Leute, sagt er. Doch bis er in Erfüllung geht, wird es wohl noch eine Weile dauern. Rieth geht davon aus, dass in der Sommerpause wohl nicht viel passiere. Es gebe keinen strikten Zeitplan, sagt er.