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Workshops der LAG Erbeskopf: Wie sich der Hunsrück entwickeln soll

Ideen-Workshops der LAG Erbeskopf : Mehr Radwege, lebendigere Dörfer, ein „Naturbus“ – So wollen Hunsrücker ihre Region voranbringen

Geld für innovative Projekte fließt aus Brüssel regelmäßig in den Hunsrück. Doch wo sind noch Schwächen der Region, die damit in Zukunft gezielt beseitigt werden könnten? Darum ging es in Workshops der LAG Erbeskopf. Welche Ideen es gab und wie es damit weitergeht.

Neue Dorftreffs, Ferienwohnungen, Erlebniswege: Viele Projekte im westlichen Hunsrück und Hochwald haben schon vom Leaderprogramm der Europäischen Union profitiert. Für eine Förderung ausgewählt werden die Projekte von der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Erbeskopf, die sich aktuell auf eine neue Förderphase ab 2023 vorbereitet. Es geht jetzt darum, wofür das Geld aus Mainz und Brüssel in Zukunft fließen soll. Dazu gab es vor kurzem vier Ideenworkshops, bei denen sich jeder Interessierte einbringen konnte.

Der TV erklärt, was dabei herauskam, was mit den Ideen nun weiter passiert und wie die Förderung von Projekten bis 2023 funktioniert.

Wie liefen die Workshops ab? Insgesamt gab es vier Termine – in Morbach, Birkenfeld, Niederwörresbach (VG Herrstein-Rhaunen) und Hermeskeil. Dort haben sich laut Jens Lauer, Geschäftsführer der LAG Erbeskopf, im Durchschnitt 30 bis 40 Teilnehmer Gedanken über die vier Handlungsfelder gemacht, aus denen künftig Projekte verstärkt gefördert werden sollten. Beteiligt hätten sich vorwiegend Akteure, die „bereits in der ländlichen Entwicklung engagiert sind“, aber auch einige Bürger, die selbst schon von Zuschüssen profitiert haben.

Welche Ideen wurden gesammelt? Jeder Workshop hatte einen eigenen Themenfokus: Dorf- und Stadtentwicklung, Regionale Wirtschaft und Energie, Tourismus und regionale Identität sowie Natur und Kultur. Dokumentiert sind alle Ergebnisse im Internet (www.lagerbeskopf.de). „Lebendige Dorfgemeinschaften, die alle Altersgruppen einbeziehen“ – das haben sich laut Lauer viele Teilnehmer gewünscht. Man müsse mehr gegen die „Vereinsamung älterer Menschen“ unternehmen und mehr Angebote für Familien und Jugendliche schaffen. Ein Wunsch seien zudem „multifunktionale Zentren“, in denen man zum Beispiel eine Arztpraxis und ein Café am selben Ort zusammenbringe, um neue Treffpunkte zu schaffen. Lebensmittelbusse, bestückt durch Hofläden, könnten die Versorgung in den Dörfern sichern.

Im Bereich Wirtschaft wurde ein Förderlotse für die gesamte LAG-Region angeregt, der Firmengründungen erleichtern könnte. Diskutiert wurden Imagekampagnen etwa fürs regionale Handwerk, um junge Fachkräfte in der Region zu halten. Ein weiterer Wunsch: regionale Produzenten und Abnehmer von Energie mehr zusammenbringen, etwa über lokale Nahwärmenetze.

Ein großes Thema in allen Workshops war laut Lauer, den Radverkehr auszubauen. In Sachen Tourismus sei zudem eine stärkere Vernetzung der Akteure und Angebote in der Region gefordert worden, beispielsweise durch einen gebietsübergreifenden Wander-Bus und eine gemeinsam gepflegte Internetplattform für regionale Produkte.

Wichtig sei der Schutz von Natur und Landschaft. Dafür könne Kita-Kinder und Schüler zum Beispiel ein „Naturbus“ sensibilisieren. Auch Ideen zur Identitätsstiftung, etwa zur Vermarktung der regionalen Geschichte, sollten gefördert werden. „Insgesamt wollen wir privates Engagement noch mehr unterstützen“, sagt der LAG-Geschäftsführer.

Wie geht es jetzt weiter? Aus den gesammelten Ideen müssen die vier Handlungsfelder der künftigen Förderstrategie und dazu passende Themen gebildet werden. Darum kümmert sich das Institut für ländliche Entwicklung aus Frankfurt, das die Workshops begleitet hat. Am 26. Oktober soll das vorläufige Ergebnis öffentlich präsentiert werden, der Ort dafür steht laut Lauer noch nicht fest. Im Februar 2022 soll dann die fertige Entwicklungsstrategie mit der Bewerbung für die neue Förderphase nach Mainz gehen.

Wie viel Geld ist im Fördertopf? In der seit 2014 laufenden Förderphase sind laut Lauer für 93 Projekte bislang 10,3 Millionen Euro ausgezahlt worden: „Damit haben wir Investitionen von 21 Millionen Euro angeschoben.“ Für die nächste Periode bis 2027 beträgt das Budget rund 3,5 Millionen Euro. Lauer rechnet aber mit zusätzlichen Landesmitteln für die Nationalparkregion.

Gibt es bis 2023 keine Zuschüsse mehr? Doch. Denn die aktuelle Leader-Förderperiode ist bis Ende 2022 verlängert worden. Aktuell sind eine Million Euro zu verteilen, für die sich bis zum 15. Oktober Bewerber melden können.

Wie kommen Private oder Gemeinden an das Geld? Erster Ansprechpartner ist die LAG-Geschäftsstelle in Hermeskeil (Telefon   06503/809-159 oder 809-167, E-Mail an  j.lauer@hermeskeil.de). „Wir klären schnell, ob das Projekt überhaupt Aussicht auf Förderung hat“, sagt Lauer. Die drei Mitarbeiter unterstützten dann beim Projektsteckbrief. Auf dessen Basis entscheiden die LAG-Mitglieder (siehe Info) regelmäßig bei Versammlungen, ob und wie hoch die Zuschüsse ausfallen. Die endgültige Zustimmung erfolgt durch das Land.