Kommunalpolitik : Zerfer Schule: Neu bauen oder sanieren? Beides wird teuer

Kommunalpolitik : Zerfer Schule: Neu bauen oder sanieren? Beides wird teuer

Die Verbandsgemeinde Kell am See will ihren Grundschul-Standort Zerf in Schuss bringen. Ein Architekturbüro hat in einer Studie aufgezeigt, was baulich möglich wäre. Angesichts der geschätzten Kosten mussten die Politiker erst einmal durchatmen.

Der Keller Verbandsgemeinderat hat sich im Sommer 2016 festgelegt: Nur die Grundschulen in Zerf und Schillingen bleiben langfristig bestehen. Die Schule Hentern/Lampaden wurde – trotz heftiger Proteste vor Ort – geschlossen. Die Kinder werden seitdem in Zerf unterrichtet. Doch wie dort die sanierungsbedürftigen Gebäude für die neue Schulgemeinschaft in Schuss gebracht werden sollen, ist bislang unklar.

Einen ersten Fingerzeig haben die VG-Politiker in einer Sitzung ihrer Finanz- und Planungsausschüsse erhalten. Dort präsentierten Vertreter des Architekturbüros Lempges & Bost aus Kell am See das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie. Das Büro hatte untersucht, welche Optionen für die Schulgebäude von Generalsanierung bis Neubau möglich und mit welchen Kosten diese verbunden wären.

Die Studie Analysiert wurden drei Sanierungs- und eine Neubau-Lösung. Dabei ging es ausschließlich um die Turnhalle und das untere der beiden Schulgebäude (Atrium). Laut Architekt Frank Lempges ließe sich der Raumbedarf für eine zweizügige Grundschule in jeder Variante erfüllen. Der energetische Zustand der Gebäude sei jedoch „katastrophal“. Vor der Präsentation warnte der Fachmann die Politiker: „Die Zahlen werden sie nicht amüsieren, aber es sind ehrliche Zahlen.“

Die teuerste Variante 1 sieht vor, das Atrium komplett zu erhalten und samt Innenhof vollständig zu sanieren (Kostenschätzung: 7,4 Millionen Euro). Bei den Varianten 2 und 3 würde der Verwaltungstrakt abgerissen und im Innenhof neu errichtet, jeweils unterschiedlich angeordnet (5,5 bis 6,2 Millionen Euro). Für einen kompletten Abriss und Neubau des Atriums müsste die VG etwa 6,65 Millionen Euro investieren. In diesen Berechnungen ist die Turnhalle noch nicht enthalten. Für deren Komplettsanierung kämen 2,5 Millionen Euro hinzu, 3,15 Millionen Euro für einen Neubau. Nach Ansicht des Architekten wären Abriss und Neubau der Gebäude „die mit Abstand kostengünstigste Lösung“. Damit wäre die Schule auch energetisch „für die nächsten 30 Jahre“ gut aufgestellt.

Reaktionen der Politiker Bürgermeister Martin Alten betonte, dass die Zahlen „grobe Schätzungen“ seien und durch eine „ordentliche Vorplanung“ noch korrigiert werden könnten. Das Ziel der Studie, einen „Schubs in eine Richtung zu geben“, sei erreicht. Ob er zu einer Sanierung oder einem Neubau tendiere, ließ der VG-Chef allerdings offen – ebenso wie die Ausschussmitglieder. Einige mussten angesichts der hohen Summen erst einmal schlucken. Sascha Kohlmann (CDU) sagte: „Für eine vernünftige Schule müssen wir Geld in die Hand nehmen.“ Er sehe sich aber nicht in der Lage, jetzt schon eine Empfehlung abzugeben. Kohlmann schlug vor, zunächst in den Fraktionen zu beraten. Dem stimmte Manfred Rauber (SPD) zu, forderte aber, „dass wir die Entscheidung nicht auf die lange Bank schieben sollten“. Die Investition in Zerf – egal in welcher Höhe – wird die jetzige Verbandsgemeinde vermutlich nicht mehr schultern müssen. Ab dem 1. Januar 2019 bildet sie eine neue Verbandsgemeinde mit der VG Saarburg. Für die Grundschulpolitik wird dann auch ein neu zu wählender VG-Rat Saarburg-Kell zuständig sein.

Reaktionen von Eltern Vor dem Umzug der Henterner Schüler hatten Eltern Bedenken wegen des schlechten Zustands der Zerfer Gebäude geäußert (der TV berichtete mehrfach). Gerd Justinger aus Hentern erklärt auf TV-Nachfrage: „Wir wollten, dass unsere Kinder in eine sanierte Schule wechseln. Ob dort ein Neubau entsteht oder saniert wird, spielte keine Rolle.“ Dass ein Jahr später außer der Studie nichts passiert sei und auch die Toiletten nicht saniert seien, bestätige damalige Befürchtungen: „Man hat den zweiten vor dem ersten Schritt gemacht und wundert sich jetzt über die exorbitanten Kosten.“ Viele Eltern wünschten sich, „dass man die Finanzierungsfrage endlich klärt und unseren Kindern die Lernumgebung schafft, die versprochen wurde“. Eine Mutter aus Lampaden, die nicht mit ihrem Namen in der Zeitung stehen möchte, spricht von „großer Frustration“.

Ausblick Noch ist der Landkreis Trier-Saarburg Träger der Zerfer Grundschule, weil sie organisatorisch mit der Realschule plus Kell/Zerf verbunden ist. Deshalb kann nur der Kreis bauliche Verbesserungen anordnen. Man werde darauf drängen, dass bei den Toiletten etwas passiere, hatte die VG-Verwaltung vor kurzem in einer Ratssitzung erklärt.

Auf Nachfrage teilt Büroleiter Norbert Willems mit, dass die Trägerschaft der Schule schon bald auf die VG Kell übergehen werde. Im selben Zug bearbeite die Schulbehörde einen Antrag des Kreises, die bisherige Aufteilung der Realschule (RS) plus auf zwei Standorte aufzuheben.

Schon ab dem Schuljahr 2018/19 soll Kell der einzige Standort sein (der TV berichtete) und in Zerf nur die Grundschule zurückbleiben. Was dort mit den Gebäuden passiere, dazu würden sich nach den Sommerferien die Keller VG-Ratsfraktionen sicherlich „positionieren“, sagt Willems.