Züsch setzt auf Sonnenenergie

In Züsch soll die dritte große Flächen-Photovoltaikanlage im Hochwald entstehen. Die Gemeinde will das eine Million Euro teure Projekt auf einem 1,5 Hektar großen Areal im Gewerbegebiet verwirklichen und legt dabei Tempo vor. Denn wegen der auslaufenden Einspeisevergütung für den Bau neuer PV-Anlagen in Gewerbegebieten muss sie schon Ende August fertig sein.

Züsch. Der Ortsgemeinderat Züsch lässt sich nicht bange machen. Die stetig steigenden Schulden sind zwar nach wie vor ein großes Problem für die 640-Einwohner-Kommune. In dem mit nur einer Stimme Enthaltung verabschiedeten Haushaltsplan 2015/16 (ausführlicher Bericht folgt) ist aber dennoch ein ambitioniertes Projekt vorgesehen, das der Gemeinde eine neue Einnahmequelle verschaffen soll. Im Gewerbegebiet am Ortseingang aus Richtung Hermeskeil soll auf insgesamt circa 1,5 Hektar der Solarpark Züsch, eine Flächen-Photovoltaik (PV)-Anlage entstehen (siehe Extra). Bauherr ist der Bürgerservice Trier, der unter anderem auch Anlagen wie in Longuich, Kenn, Mehring oder am Petrisberg errichtete.

Energie für 280 Haushalte


Die Anlage in Züsch könnte rein rechnerisch zirka 280 Haushalte mit einem Jahresverbrauch von je 3500 Kilowattstunden versorgen. Wegen der auslaufenden Einspeisevergütung für PV-Anlagen in Gewerbegebieten müsste sie aber bis Ende August stehen. Andernfalls würden die Züscher nur ein Drittel der bisherigen Einnahmen aus der Einspeisevergütung erhalten. Der Rat gab daher mächtig Gas seit dem erst Ende Mai mehrheitlich gefassten Grundsatzbeschluss. So wurden etwa alle Beteiligten, darunter die Kommunalaufsicht des Kreises, vorab kontaktiert und bereits am 6. Juli der Bauantrag gestellt. Bevor gebaut werden kann, wofür lediglich zwei Wochen benötigt werden, müssen sich nun noch vier Behörden abschließend äußern: die untere Landespflege- und die Wasserbehörde, der Landesbetrieb Mobilität und die Trie rer Aufsichtsbehörde ADD. Vorausgesetzt, dass das wie vorgesehen klappt, hat sich Züsch eine bis Ende des Jahres befristete Kaufoption vorbehalten. Der Solarpark könnte dann für 970 000 Euro den Eigentümer wechseln. Hinzu kommen 55 000 Euro für zusätzlich gekauftes Bauland. Edelbert Bach vom Bürgerservice betonte, das Risiko liege nicht bei der Gemeinde, sondern bei ihrer Firma als Errichter. Aufgrund vorab geführter Gespräche ist er aber zuversichtlich, dass die Baugenehmigung noch im Juli erteilt wird. Ortsbürgermeister Hermann Bernardy sieht in dem Projekt die in absehbarer Zeit einzige Möglichkeit, Züschs "Einnahmesituation zu verbessern". Immerhin sei über einen Zeitraum von 20 Jahren - abzüglich aller Kosten - mit einem Plus von insgesamt etwa 250 000 Euro zu rechnen. Pro Jahr ist das zwar nur ein kleinerer fünfstelliger Betrag. Doch zumindest fließt Geld in die Kasse des Ortes, der ansonsten nur auf seinen nicht allzu großen Gemeindewald bauen kann.
Laut Hans-Peter Lorang, Leiter des Fachbereichs Finanzen der Verbandsgemeinde, könnten aber damit Löcher gestopft werden. Dennoch bringe der Solarpark allein die Gemeinde nicht entscheidend weiter. Das Vorhaben sei lediglich "ein Baustein, die Situation etwas zu verbessern". Bernardy wies zudem auf den Nebeneffekt hin, dass Züsch als Nationalparkgemeinde, was bald die Ortseingangsschilder signalisieren sollen, saubere Energie erzeugen werde.Extra

In den Hochwald-Verbandsgemeinden Hermeskeil und Kell gibt es bisher zwei große Flächen-Photovoltaikanlagen. Zum einen im Keller Gewerbegebiet Grammert den Solarpark Kell am See GmbH mit einer Fläche von sechs Hektar. Er ist zu 100 Prozent in den Händen der Ortsgemeinde, die einzige Gesellschafterin ist und das Fünf-Millionen-Euro Projekt 2010 auf den Weg brachte. Zum anderen gibt es auf dem Gelände der ehemaligen Hochwaldkaserne Hermeskeil eine zweite Anlage der Firma Viresca, dem privaten Eigentümer des Areals. Abgesehen davon wurden in den vergangenen Jahren in der Verbandsgemeinde Hermeskeil auf vielen öffentlichen Gebäuden wie unter anderem der Grundschule der Stadt oder dem Züscher Bürgerhaus Solaranlagen auf den Dächern von Gebäuden installiert. urs