Züsch will ein umweltfreundliches Dorf werden

Züsch will ein umweltfreundliches Dorf werden

Möglicherweise wird im nächsten Jahr in Züsch nicht nur in den Ausbau der Ortsdurchfahrt investiert. Der Ortsgemeinderat will überprüfen lassen, ob es sich rechnen würde, dann auch ein Nahwärmenetz im Dorf zu installieren. Die Bürger begrüßen die Idee offenbar.

Züsch. Im näheren Umkreis gibt es nur wenige Vorreiter, an denen sich die Ortsgemeinde Züsch orientieren könnte. Doch nach Hermeskeil und Reinsfeld, der zweitgrößten Kommune der Verbandsgemeinde, wird eventuell auch Züsch in eine Nahwärmeversorgung investieren.

Eine Chance dafür zeichnet sich im Zuge des Ausbaus der durch den gesamten Ort führenden L 166 ab. Wie berichtet, möchte der Trie-rer Landesbetrieb Mobilität (LBM) damit 2018 beginnen und dann auch neue Wasser- und Kanalleitungen verlegen. Da die Straße dafür ohnehin komplett aufgerissen wird, wäre das also der optimale Zeitpunkt, ein Projekt wie ein Nahwärmenetz anzupacken.Ortstermine im Raum Simmern


Für Züsch bietet es sich also geradezu an, ein solches Vorhaben zumindest in Erwägung zu ziehen. Außerdem könnte sich die Nationalparkgemeinde dann quasi nebenbei als umweltfreundliche Kommune positionieren. Als der LBM kürzlich in einer Anliegerversammlung über den geplanten Straßenausbau informierte, wurde das Thema Nahwärmenetz allerdings nur kurz angesprochen. Im Anschluss hätten sich viele Leute positiv oder sogar begeistert ihm und Ratsmitgliedern gegenüber geäußert, berichtet Ortsbürgermeister Hermann Bernardy.

Der Rat sehe das daher als Ansporn, "in die Richtung weiter zu denken", und habe auch schon erste Schritte getan. So etwa bei zwei Ortsterminen im Raum Simmern, wo sich die gewählten Vertreter realisierte kommunale Nahwärmenetze anschauten. Nach einem Gespräch am Umweltcampus Birkenfeld ist zudem daran gedacht, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Ein Fachmann will prüfen, in welchem Umfang das beispielsweise vom Land bezuschusst werden könnte. Sollte die Gemeinde mit einer hohen Förderquote rechnen können, wird der Rat wohl eine solche Studie in Auftrag geben.

Ein solches Projekt müsse "sauber kalkuliert sein", spricht Bernardy von einer "Gleichung mit vielen Unbekannten". Als Laie in Sachen Nahwärmenetz ist er daher froh, auf professionellen Rat vertrauen zu können. Henning Lorang, ein aus dem Ort stammender Fachmann, wird die Gemeinde unverbindlich beraten. Ähnlich wie er das im Zuge der Entscheidung für die Flächen-Photovoltaikanlage am Ortsrand tat.

Für Fragen wie die, womit die Gemeinde ein solches Nahwärmenetz betreiben könnte - denkbar wären beispielsweise Holzhackschnitzel, ist es laut Bernardy zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh. Wichtig sei aber - auch mit Blick auf die Lage im Nationalpark Hunsrück-Hochwald - das Ziel: "weg von fossilen Brennstoffen, hin zu erneuerbaren Energien." Daneben gibt es einen weiteren Aspekt, der ihm am Herzen liegt.

Denn angesichts der demografischen Entwicklung sei natürlich auch der Komfort eines Nahwärmenetzes nicht zu verachten: "Da kommt die Wärme aus der Steckdose", sieht er gerade für ältere Hauseigentümer den Vorteil, sich nicht mehr selbst um Dinge wie regelmäßige Wartungsarbeiten kümmern zu müssen.Anschluss von Seitenstraßen


Folglich werden im Grunde auch die Bürger "entscheiden", ob Züsch das vorerst nur angedachte Projekt realisieren wird oder nicht. Denn je mehr Anwohner letztlich tatsächlich bereit sind, ihr Haus an eine solche Anlage anschließen zu lassen, umso mehr rechnet sich ein solches Nahwärmenetz. Laut Bernardy könnten möglicherweise sogar Seitenstraßen angeschlossen werden, in denen in absehbarer Zeit kein Straßenausbau ansteht. Sollten beispielsweise mehrere Anwohner interessiert sein, wäre das dank heutiger technischer Möglichkeiten sicherlich machbar.