Zum Abschied ein Lob der Schüler

Zum Abschied ein Lob der Schüler

KONZ. (kdj) Ein Rektor verabschiedet sich in den Ruhestand, und "seine" Kinder antworten auf die Frage "Was sagt ihr dazu?" im einstimmigen Chor: "Schade!" Ein besonderes, in keiner Urkunde festgehaltenes Lob für Norbert Müller, den (Noch-) Rektor der Konzer Grundschule St. Johann.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge beendet Müller seine Laufbahn als Pädagoge, die 1964 in Betteldorf (Kreis Daun) begann. Gerade 22 Jahre alt, stand er bereits als Schulleiter vor seinen Schülern, Schulleiter deshalb, weil das "Bildungsinstitut" aus einer einzigen Klasse mit 44 Kindern vom ersten bis zum achten Schuljahr bestand. Der junge Lehrer war "Mädchen für alles": Pädagoge, Hausmeister, Verwalter und was es sonst noch gab, aber kaum etwas mit dem Lehramt zu tun hatte. Gleich zu Anfang machte er klar, dass die Besucher einer einklassigen Schule das gleiche Recht auf Bildung haben wie die Kinder in voll ausgestatteten Stadtschulen. Und dass zu einer kleinen Dorfschule mehr gehöre als nur ein schlecht beheizbarer Klassenraum mit geöltem Bohlenboden. Zuerst schaffte er das obligatorische Holzhacken ab, mit dem die Schüler sich selber mit Heizmaterial versorgen mussten. Müller heute schmunzelnd: "Der Gemeinderat meinte damals, in all den Jahren vorher habe sich beim Holzhacken noch niemand die Hand abgehackt. Wahrscheinlich haben die gedacht: Und da kommt jetzt so ein Schnösel her und verlangt einen Ölofen…" Müller bekam seinen Ölofen, und weil der geölte Holzboden zu glatt war und obendrein erbärmlich stank, machte er sogar einen Parkettboden beim Gemeinderat locker. Nach acht Jahren verließ er Betteldorf und wurde mit 30 Jahren in Dockweiler (ebenfalls Kreis Daun) jüngster Konrektor in Rheinland-Pfalz. Dort unterrichtete er zwei Jahre, ehe er für 15 Jahre zur Grundschule Kyllburg ging. Es folgten zwei Jahre als Konrektor an der Keune-Schule in Trier. Dort engagierte Norbert Müller sich erfolgreich beim Schulversuch, Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen in einer Schule zu integrieren. Dann wurde er als Rektor an die Grundschule St. Johann in Konz berufen, wo er den Schulversuch "Folgekonzept" - ebenfalls Einbindung beeinträchtigter Kinder - über vier Jahre bis zum Jahr 2000 betreute. Seither ist seine Schule eine von 300 Förderschulen im Land und die einzige im Kreis Trier-Saarburg. Seine letzte große Aufgabe im schulischen Bereich hat er fast abgeschlossen: Die Grundschule St. Johann wird vom 1. August an Ganztagsunterricht anbieten. Der Lehrkräftestamm wird durch Kollegen aufgestockt, die auf Honorarbasis arbeiten. An der Grundschule St. Johann werden derzeit rund 260 Kinder unterrichtet, das sind durchschnittlich 22 Kinder je Klasse. Was unternimmt ein 64 Jahre junger Pädagoge demnächst im Ruhestand? Müller: "Ich werde ein Jahr Auszeit nehmen, dann Städtereisen unternehmen, nach Prag, Barcelona, Budapest, Stockholm. Ich werde fotografieren und mich ganz sicher wieder der Jugendarbeit widmen und mich vielleicht sogar auf Honorarbasis im Schulbereich engagieren."

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