Zum Greifen nah – und doch so fern

LANGSUR-MESENICH. Die Bewohner von Langsur und seinen Ortsteilen sind der A 64 meist näher als sie es sich wünschen: Der Lärm, den die Verkehrsader Tag und Nacht produziert, ist für sie längst zum gewohnten Hintergrundgeräusch geworden. Doch außer der Beschallung haben sie wenig von der Autobahn – denn es fehlt ein Anschluss.

Zu den Betroffenen zählt auch das Natursteinwerk Mesenich GmbH, das auf der Höhe zwischen Liersberg und Mesenich seinen Tagebau betreibt. Rund 200 Mal pro Tag verlassen schwere Kipplaster beladen das Werk und kehren leer wieder zurück. Ihre Ziele liegen in Trier und Umgebung sowie im benachbarten Luxemburg. Die A 64 als ideale Anbindung - für die man auch gerne Maut zahlen würde - liegt nur 300 Meter entfernt "vor der Haustür". Aber ohne Anschluss ist die Autobahn nah und doch unerreichbar fern. Umgehung für Liersberg angelegt

Beim Natursteinwerk - aber nicht nur dort - fühlt man sich durch die Straßenbaupolitik des Bundes verschaukelt. Geschäftsführer Mario Lübbers: "Als Anfang der 80er-Jahre die Entscheidung für die A 64 fiel, entschieden wir uns für den Ausbau des Steinwerks Mesenich." Doch der erhoffte Standortvorteil erwies sich als Trugschluss: Der ursprünglich auf deutscher Seite am Kopf der Talbrücke Mesenich geplante Sauertal-Anschluss wurde nie gebaut. Für die Gesteinsabbauer und für die Menschen im Sauertal rückte die nahe Autobahn in die Ferne. Auch der Moselaufstieg wurde inzwischen unter der Rubrik "vergebliche Hoffnungen" abgelegt. Über die Jahre hat man sich mit der Ortsgemeinde Langsur arrangiert: Die Firma vereinbarte, die Steinbrüche nicht mehr über Mesenich anzufahren. Stattdessen wurde die K 2 von der Löwener Mühle an der B 49 nach Liersberg als Zufahrt zum Steinwerk ausgebaut. Liersberg erhielt im Zuge dieses Ausbaus, den das Steinwerk zum Teil mitfinanzierte, eine Ortsumgehung. Eine unvermeidbare Folge davon ist, dass die schweren Dreiachser die Situation in Igel täglich zusätzlich belasten. Lübbers erzählt von absurden Umwegen seiner LKW bei Lieferungen nach Luxemburg - etwa, als die Sauerbrücke nach Wasserbillig für den Schwerlastverkehr gesperrt war. Der Geschäftsführer: "Bei Fahrten nach Luxemburg ging es über Liersberg und Trierweiler zur B 51, von dort auf die A 64 und zurück in die Gegenrichtung, wobei das Fahrzeug nach geraumer Zeit und etlichen Kilometern wieder in Sichtweite am Steinwerk vorbeikam." Zurzeit gebe es dieses Problem zwar nicht, da die Brücke in Wasserbillig wieder für LKW geöffnet sei, aber: "Die Frage ist nur, für wie lange." Der Langsurer Ortsbürgermeister Karl-Heinrich Orth berichtet von einem jahrelangen und vergeblichen Kampf der Gemeinde um einen Autobahnanschluss. Orth: "Die Bewohner des Sauertals hängen ,hinten dran‘, wenn es um die A 64 geht. Ihnen bleibt nur der Umweg über den Aufstieg bei Wasserbillig in Luxemburg." Über den "einst geplanten, aber nie gebauten Anschluss" am Kopf der Talbrücke habe man schon mit der ehemaligen Bezirksregierung Trier verhandelt, viele Gespräche mit dem Autobahnamt Montabaur geführt und an das Mainzer Verkehrsministerium geschrieben. Negativ-Bescheid aus der Hauptstadt

Im Frühjahr 2005 schickte der Ortsgemeinderat Resolutionen an Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe. Die Antwort kam von Stolpes Parlamentarischem Staatssekretär Achim Großmann: Eine Behelfsausfahrt für eine Privatfirma sei aus straßenrechtlichen Gründen abzulehnen. Sie stelle eine Sondernutzung dar, die das Fernstraßengesetz nur an Bundesstraßen zulasse. Auch der Bau einer regulären öffentlichen Anschlussstelle sei geprüft worden. Im Ergebnis erfülle diese aber nicht die "an neue Autobahnanschlüsse anzulegenden strengen Maßstäbe". Eine Anschlussstelle habe "der Abwicklung des weiträumigen Verkehrs" zu dienen. Diese "Fernverkehrsrelevanz" träfe aber bei einem Sauertalanschluss nicht zu - er würde nur der örtlichen Erschließung dienen. Die Gemeinde Langsur will dennoch an ihrer Forderung festhalten. Ortsbürgermeister Orth: "Auch die Stadt Trier ist gefragt. Wir wollen mit unserem Vorstoß auch den Leuten in Zewen und Euren helfen."