Zum Tode von Armin Schneider, Mitbegründer der Kulturwerkstatt
Irsch/Trier · Trier ist um einen Künstler ärmer. Wie der TV erst jetzt erfahren hat, verstarb am 30. Juni plötzlich Armin Schneider, einer der Gründungsväter der Kulturwerkstatt im Alter von 53 Jahren.
Irsch/Trier. "Die Kunst braucht die Vielfalt", das war eine seiner Grundeinstellungen. Als Sammelbecken unterschiedlicher Ausdrucksformen und alternativer Ideen verstand Armin Schneider denn auch die Kulturwerkstatt der Trierer Tufa, zu deren Gründungsvätern er gehört. "Wir sind offen für alle", pflegte er zu sagen. Wie konsequent offen, belegen die traditionellen Jahresausstellungen der Werkstatt, die Schneider 1985 initiierte.
"Jeder, der Kunst macht, sollte auch ausstellen dürfen", lautete sein Credo. Eine Option, die er für die künstlerische Entwicklung der jungen Kollegen für unabdingbar hielt. Überhaupt war der Wahltrierer einer, der sich um die Welt sorgte. Monatelang habe er nach einer Ausstellung der Kulturwerkstatt im ukrainischen Kiew 1998 die Bilder der Armut dort im Kopf gehabt, berichtet sein Sohn Søren. Auch seine Kunst war für den hochgewachsenen Mann immer wieder Anlass, sich tiefsinnige Gedanken zu machen. Ausdauernd und durchaus streitbar sprach er über seine farbmächtigen Arbeiten oder über die Strukturen seiner Materialbilder. Der Umgang mit Farbe und Fläche, den er in seinen zahlreichen Kunst-am-Bau- Projekten gleichsam in den Raum erweiterte, blieben für den 1962 in Siegen geborenen Künstler, der 1984 nach Trier kam und zwischendurch nach Irsch/Saar und in die Künstlersiedlung Weißenseifen übersiedelte, eine stetige Herausforderung wie nie versiegende Inspirationsquelle.
Mit Goethes Farbenlehre im geistigen Gepäck und als Schüler des Allgäuer Malers Wolfgang Tillmann und Student des Humboldt-Kollegs in Keitum auf Sylt, hatte Schneider seinen ideellen Nährboden in Rudolf Steiners anthroposophischer Lehre gefunden. Ihr Verständnis von der sinnlichen Kraft der Farbe und ihrer Symbolik waren dem Künstler Grundlage für die eigene Bildsprache. Nach zahlreichen Ausstellungen und Kunst-am-Bau-Projekten ist es in den vergangenen Jahren eher still um Armin Schneider geworden. Hierzulande bleiben seine Verdienste um die Kulturwerkstatt, wie seine Farbgestaltungen der Waldorfschule in Trier oder des römischen Tempels in Tawern sowie unlängst das Konzept des Kunst-Cafés Momo im Gartenfeld in Erinnerung.
Erst in jüngster Zeit engagierte sich der Künstler zudem im neugegründeten Verein Karl-Marx-Viertel, wo er auch zuletzt wohnte. Nun hat der Tod diesem neuen Aufbruch ein jähes, viel zu frühes Ende gesetzt. Armin Schneider wird am Freitag, den 10. Juli, um 12 Uhr auf dem Hauptfriedhof Trier beigesetzt.
Eva-Maria Reuther