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Zwei Bauunternehmer sind angeklagt wegen Hausfriedensbruch und versuchter Nötigung in Konz-Oberemmel

Kostenpflichtiger Inhalt: Streit um unbezahlte Arbeiten : Anklage wegen Bedrohung mit Bagger in Konz

Zwei Bauunternehmer sollen eine schwere Maschine eingesetzt haben, um in Konz eine offene Rechnung einzutreiben. Die Staatsanwaltschaft Trier hat sie unter anderem wegen Hausfriedensbruch angeklagt. Dem TV liegen 14 Minuten Videomaterial zum Fall vor.

Die Videoaufnahmen stammen vom 16. August 2019 zwischen 8 und 9 Uhr: Ein Mann läuft über eine Einfahrt im Konzer Stadtteil Oberemmel. Eine Frau ruft aufgeregt: „Stopp!“ Der Mann sagt lauthals: „Ihr werdet sterben!“ Dann stapft er zu seinem Kollegen. Der wartet vor dem Grundstück auf der Straße an einem Fahrzeug der Baufirma, die für den Grundstückseigentümer das Außengelände des Einfamilienhauses gestaltet hat.

Dem TV liegen rund 14 Minuten Video-Material vor, die der Hauseigentümer der Redaktion zur Verfügung gestellt hat.Sie zeigen, wie die Bauunternehmer mit dem Paar aus Oberemmel streiten. Die Männer fordern das Paar teils brüllend auf, eine Rechnung zu bezahlen oder das schon verbaute Material zurückzugeben. Der Hauseigentümer verlangt von den Männern mehrfach, sein Grundstück zu verlassen. Zum Teil ist auf den Aufnahmen zu sehen, wie einer der Bauunternehmer einen Bagger führt und den Arm mit der Schaufel über den Kopf des Mannes steuert und andeutet, sie herabzusenken. Er tut es jedoch nicht.

Der Grundstückseigentümer sagt, dass die Männer ihn mit dem Bagger bedroht, ja sogar versucht hätten, ihn zu töten. Die Bauunternehmer streiten das ab. In einer Sequenz ist aber zu sehen, wie sich die Baggerschaufel in die frisch verlegten Steine auf dem Außengelände des Grundstücks krallt und darin einen Riss hinterlässt.

Der Streit im Video eskaliert, als das Paar die Männer auf einen vorherigen Besuch anspricht. „Sie haben unsere Kinder erschreckt“, sagt der Grundstückseigentümer. Um 7 Uhr morgens hätten die Männer auf der Matte gestanden und ihn angebrüllt. Die Kinder seien verängstigt in die Schule gegangen, erzählt er im Gespräch mit dem TV. Die Männer bekräftigen in einer Filmsequenz, dass der Hauseigentümer gewusst habe, dass sie an diesem Morgen das Geld einfordern würden. Das hätten sie mehrfach angekündigt.

Hintergrund des Streits ist eine aus Sicht des Grundstückeigentümers überhöhte Rechnung der Baufirma, die von dem Paar für die Ausstattung ihres Außengeländes rings ums Einfamilienhaus mehr als 90 000 Euro haben wollte. Laut dem Eigentümer lag das ursprüngliche Angebot jedoch bei nur knapp 60 000 Euro. Der Mann hat deshalb laut eigener Aussage die erste Rechnung bezahlt und dann mehr als 2000 Euro in ein Gutachten investiert, um die Arbeit auf Fehler zu prüfen. Das Gutachten, das der TV einsehen konnte, fördert mehrere Baumängel zu Tage. Mit diesen begründet der Mann, dass er die Mehrkosten nicht zahlen wolle.

Statt ein zivilrechtliches Verfahren abzuwarten, das den Streit hätte klären können, besuchten die Bauunternehmer die Familie jedoch persönlich. Der Baggerführer macht – so ist es auf den Videoaufnahmen zu sehen – ziemlich deutlich, was er von dem Gutachten und dem Gerichtsverfahren hält: „Du mit deinem Anwalt, mit deinem Gericht. Du kannst mich mal am Arsch lecken!“

Für die Aktion hat die Staatsanwaltschaft Trier die Brüder nun angeklagt. Der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen bestätigt auf TV-Anfrage, dass die Staatsanwaltschaft die die Bauunternehmer aus dem Kreis Trier-Saarburg Anfang Januar wegen versuchter Nötigung, Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Beleidigung angeklagt hat.

Hintergrund sei eine zivilrechtliche Streitigkeit wegen ausstehender Werklohnforderungen der Angeschuldigten. Der Streit habe die Angeklagten veranlasst, ihrer Forderung gewaltsam Nachdruck zu verleihen. Das Amtsgericht Saarburg müsse die Anklage noch zulassen und einen Verhandlungstermin bestimmen. Bis eine Verhandlung abgeschlossen wurde, gilt die Unschuldsvermutung.

Laut Fritzen haben die Bauunternehmer ihren Kunden ebenfalls angezeigt wegen des Vorwurfs der falschen Verdächtigung. Das Verfahren sei eingeleitet und – wie üblich – bis zum Abschluss des anderen Verfahrens vorläufig eingestellt worden.

Die Angeklagten äußern sich auf TV-Anfrage über ihren Anwalt Michal Lipinski: Seine Mandanten bedauerten „das Gesamtgeschehen, wie es sich am besagten Tage ereignet hat, und die Umstände, welche zu diesem geführt haben“. Lipinski bestätigt die Gegenanzeige seiner Mandanten. Diese bestehen darauf, dass die noch offene Rechnung beglichen wird. Die Oberemmeler hätten Material, für das das Bauunternehmen in Vorkasse getreten sei, und Leistungen in Anspruch genommen, aber nicht dafür bezahlt, argumentiert der Anwalt. Seine Mandanten wollten ihre Ansprüche in einem zivilrechtlichen Klageverfahren noch geltend machen.