Zwei Dörfer wollen Windräder

In der Verbandsgemeinde Hermeskeil wagen mit Beuren und Grimburg gleich zwei Kommunen einen neuen Vorstoß in Sachen Windenergie. Es gibt aber eine hohe Hürde: Beide Hochwalddörfer sind im Raumordnungsplan für die Region Trier nicht als Standort für weiße Riesen vorgesehen.

Grimburg/Beuren. Ihre Chancen sind derzeit zwar nicht die besten. Die Gemeinden Grimburg und Beuren bemühen sich dennoch um Windenergie. Allerdings wollen sie, wie sich bei den jüngsten Gemeinderatssitzungen gezeigt hat, verschiedene Wege beschreiten.

Denn während Grimburg bisher kein Interesse an Windrädern bekundete, steht dieser Wunsch in Beuren seit Jahren ganz oben an. Allerdings hatten sie damit, wie mehrfach im TV berichtet, bisher noch keinen Erfolg.

Erst 2006 war Beuren im Kampf um Windkraft vergeblich vor Gericht gezogen, um den Raumordnungsplan (ROP) zu kippen, der den baulichen Wünschen der Kommunen übergeordnet ist. Nun will der Ort erneut ein Raumordnungsverfahren einleiten. Angespornt dazu haben Ortsbürgermeister Manfred Köhl (SPD) jüngere Gerichtsurteile sowie eine auch im Landesentwicklungsplan ersichtliche neue Einstellung zu alternativen Energien.

Es gebe Entscheidungen, dass ein intaktes Landschaftsbild da zurückstehen müsse. Ein Trierer Uni-Professor wolle sich daher im Auftrag der Stadtwerke um ein erneutes Öffnen des ROP bemühen.

Grimburg, dessen "Bioenergiedorf"-Pläne mit den Pfalzwerken derzeit festgefahren sind (der TV berichtete), will einen anderen Weg beschreiten. Die Gemeinde setzt bei der Realisierung eines Windparks Grimburg/Gusenburg auf die voraussichtlich 2012 ohnehin anstehende Fortschreibung des ROP. Empfohlen hat das An dreas Adams, der mit dem Konzept der "Juwi Wind" den Gemeinderat überzeugte.

Vier Windräder könnten 8500 Haushalte versorgen



Denn Windexperte Juwi, der mit den Pfalzwerken eine gemeinsame Tochter hat, die "Pfalzwind", bietet jährliche Einnahmen von 140 000 Euro für vier mögliche Anlagen an. Weitere vier könnten auf Gusenburger Gemarkung stehen. Die Anlagen sollen 180 Meter hoch sein, 50 Meter lange Rotorblätter haben und jeweils 8,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Rein rechnerisch könnten die vier Grimburger Anlagen daher 8500 Haushalte mit Strom versorgen.

Ortsbürgermeister Franz-Josef Weber sieht Chancen für den Windpark, der an drei bereits bestehende Anlagen auf saarländischem Gebiet grenzen würde. Das seien die Zeichen der Zeit. Es gehe darum, fossile Energieträger zu ersetzen, die die Landschaft zerstörten, sodass es irgendwann vielleicht keinen Wald mehr gebe, der bedauert werden könne, argumentiert Weber.

VG-Bürgermeister Michael Hülpes (CDU), der erst kürzlich das klare Nein des Hermeskeiler Stadtrats zu Anlagen auf dem Übungsplatz der Kaserne miterlebte, dämpfte die Euphorie. Für Grimburg seien wie für Beuren weder im ROP noch im Flächennutzungsplan der VG Windkraftflächen vorgesehen. Die Gemeinde müsse daher bei der Planungsgemeinschaft die Ausweisung eines Standorts beantragen. Mit Blick auf eine "Überbelastung der Landschaft" sei man dort aber "nicht oder noch nicht" gewillt, den ROP zu öffnen.

Der Leitende Planer Roland Wernig bestätigt das. Mit 376 Anlagen in der Region plus weiteren 56 genehmigten und 28 noch geplanten (Stand Ende 2009) seien die Hausaufgaben gemacht. Die Regionalvertretung setze derzeit mehr auf Erhalt statt auf Erweiterung.

Meinung

Nicht in Zement gegossen

Die Windkraft-Diskussion im Hochwald frischt wieder auf. Daran kann auch der gültige Raumordnungsplan nichts ändern, der eigentlich ein klares Nein zu neuen Standorten enthält. Im Kampf, weiße Riesen aufstellen zu dürfen, haben Grimburg und Beuren, das sich schon in der Vergangenheit eine blutige Nase geholt hat, also zunächst schlechte Aussichten. Nun ist es zwar nachvollziehbar, dass die Regionalplaner an der bestehenden Festlegung, wo sich Windräder drehen dürfen, festhalten und für Grimburg und Beuren keine Ausnahmen machen wollen, weil sie sich dann von Anfragen anderer windkraftwilliger Gemeinden nicht mehr retten können. Aber: Auch der Raumordnungsplan ist nicht aus Zement gegossen und darf verändert werden. Insofern stellt sich schon die Frage, ob man wirklich auf Dauer mit dem Argument, das Landschaftsbild schützen zu wollen, finanzschwachen Kommunen eine der wenigen Chancen verbauen kann, Investoren anzulocken und Geld für die Erfüllung ihrer gemeindlichen Aufgaben zu verdienen. a.munsteiner@volksfreund.deExtra Raumordnungsplan: Rheinland-Pfalz ist planungsrechtlich in Regionen eingeteilt. Die Planungsgemeinschaft Region Trier ist zuständig für vier Kreise (Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und Vulkaneifel) und die Stadt Trier. Wichtigstes Instrument von Regionalplanung und -entwicklung ist der Regionale Raumordnungsplan (ROP), den die Planungsgemeinschaft aufstellt und fortschreibt und der aktuell seit 2004 rechtsgültig ist. Der Plan legt behördliche Ziele und Grundsätze zur Raumentwicklung fest. Dem entscheidenden Gremium, der Regionalvertretung, gehören an: Kreistags- und Stadtratsmitglieder, Landräte, Bürgermeister, Vertreter von Kammern und Verbänden. (urs)

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