Zwei Friedhöfe vor einer ungewissen Zukunft

Zwei Friedhöfe vor einer ungewissen Zukunft

ZÜSCH. Eine Ausnahmeerscheinung in der Region wird bald der Vergangenheit angehören: Auch in Züsch soll nun die Zeit der konfessionellen Trennung auf den Begräbnisstätten zu Ende gehen. Doch welcher Kirchenfriedhof dient künftig als Gemeindefriedhof? Diese sensible, aber noch offene Frage stand im Mittelpunkt eines Info-Abends, bei dem den Züscher Bürgern die verschiedenen Lösungsvarianten vorgestellt wurden.

Die Ausgangslage ist klar: Ob evangelisch oder katholisch - beide Kirchengemeinden in Züsch wollen ihre Friedhöfe an die Zivilgemeinde übertragen. Das hat vor allem finanzielle Gründe, die unter anderem aus der rückläufigen Zahl an Beisetzungen resultieren: "Wir sind in der Bredouille und können die Kosten auf dem Friedhof nicht mehr decken", begründete Clemens Grünebach vor fast 100 Zuhörern das gemeinsame Anliegen, mit dem der katholische Pfarrer und sein evangelischer Amtskollege Peter Sorg bereits vor zwei Jahren an die Kommune herangetreten sind. Prinzipiell ist die Ortsgemeinde dazu bereit, es stellt sich für sie aber die Frage: Welcher Friedhof dient im Fall der Übernahme künftig als kommunaler Friedhof, welcher wird nach Ablauf der Ruhefristen eingeebnet? "Es gibt darüber noch keine Entscheidung, aber verschiedene Vorschläge", betonte Ortsbürgermeister Hermann Bernardy (SPD). Klar sei für ihn jedoch, "dass wir jetzt die Gelegenheit ergreifen sollten, um auch in Züsch die konfessionelle Trennung des Bestattungswesens über Bord zu werfen und uns schnell auf eine gemeinsame Lösung zu verständigen". Der Bürgerschaft präsentierte der Gemeindechef vier Varianten, wobei der Bau eines komplett neuen Gemeindefriedhofs kaum zu finanzieren ist und somit ausscheidet. Unter den drei verbliebenen favorisiert Bernardy persönlich die Lösung, wonach die evangelische Ruhestätte als Gemeindefriedhof übernommen wird, während auf dem katholischen bis zum Ablauf der Liegefristen in 25 Jahren nur noch Unterhaltungspflege betrieben wird. "Sie ist zwar nicht die bequemste, aber die kostengünstigste Variante, und ich habe die Verpflichtung, das Geld der Gemeinde zusammen zu halten", argumentierte der Dorfchef. Ein anderer Vorschlag ist umgekehrt die Aufgabe der evangelischen Gedenkstätte und die Übernahme des katholischen Friedhofs als Gemeindefriedhof, wofür die Kommune jedoch mehr investieren müsste, weil dort größerer Sanierungsbedarf besteht. Eine weitere Lösung wäre schließlich, beide Friedhöfe zu übernehmen. Das sei zwar der "Weg des geringsten Widerstands", so Bernardy. Doppelte Unterhaltungskosten müssten sich aber zwangsläufig auf die Gebühren niederschlagen, so dass "irgendwann die Kostenfalle zuschnappt". In der sehr sachlich geführten Diskussion gab es dazu aber auch andere Auffassungen. So plädierten sowohl Grünebach als auch VG-Bürgermeister Hülpes (CDU) dafür, zunächst beide Friedhöfe zu übernehmen und erst in zwei oder drei Jahren die endgültige Entscheidung über den künftigen Gemeindefriedhof zu fällen. "Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern mit diesem Vorgehen könnte man bei diesem sensiblen und emotionalen Thema möglichst viele Menschen mitnehmen", sagte Grünebach. Für den Beigeordneten Hartmut Heck stellt sich ohnehin die Frage, "ob wir in Züsch nicht auch als Gemeinde auf lange Sicht an zwei Orten Bestattungen vornehmen können und sich die Friedhöfe verkleinern lassen". Meinungsbild der Bürger ist geteilt

Auch in der Bürgerschaft ist das Meinungsbild geteilt: Während sich etwa Horst Schmitt zu Wort meldete, um Bernardys Vorschlag zu unterstützen, sprach sich Hermann Meter für die Übernahme beider Friedhöfe und eine "Entscheidung zum späteren Zeitpunkt" aus. Deutlich wurde jedoch: Der vom Bürgermeister als mittelfristiges Ziel angesehene Bau einer "neuen, zeitgemäßen Leichenhalle" ist in den Augen vieler Züscher überhaupt nicht notwendig. Mehrere Bürger betonten, dass die bislang praktizierte Aufbahrung von Verstorbenen beider Konfessionen in der ehemaligen Sakristei hinter der katholischen Kirche aus ihrer Sicht beibehalten werden kann. Das sieht sogar der protestantische Pfarrer Sorg so: "Das ist ein würdiger Ort, der nur einer gewissen Renovierung bedarf."

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