Zweite Halbzeit bei der Lese

Endspurt bei der Traubenlese - die Winzer an der Obermosel und im Konzer Tälchen sind sehr zufrieden. Gesunde Trau-ben und ausreichende Mengen lassen trotz des verregneten Sommers auf ein gutes Weinjahr hoffen.

Konz/Nittel. "Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun' und Fass." Diese Bauernregel trifft in diesem Jahr zumindest für die Elbling-Winzer an der Obermosel zu. Sie ernten in diesem Jahr gute Qualität in großer Menge, und dank eines Fassweinpreises von circa 1000 Euro für das Fuder (= 1000 Liter) Most kommen sie wirtschaftlich gut zurecht.Die anderen früh zu erntenden Sorten wie Rivaner (Müller-Thurgau), Weiß- und Grauburgunder und Kerner sind größtenteils eingebracht. "Die Qualität ist überdurchschnittlich", erzählt Winzer Hubert Apel aus Nittel.

Das Weingut Apel hat Grauburgunder mit 97 Grad Oechsle gelesen, andere Weingüter berichten von ähnlich hohen Mostgewichten. Hans Befort, ebenfalls aus Nittel: "Die Trauben haben trotz des Regens in den letzten Tagen keinerlei Fäulnis."

In Oberemmel und im Konzer Tälchen sieht es ähnlich aus. Die Trauben sind reif und gesund. Bis auf den Riesling, der bekanntlich spät gelesen wird, sind die meisten Reben abgeerntet. "Dieses Jahr besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Menge und Qualität", hat Matthias Rausch aus Obermennig festgestellt. "Je geringer der Ertrag, desto besser die Qualität." Ludwin Schmitt aus Oberemmel hat beobachtet, dass die Trauben dieses Jahr viel Fruchtfleisch und relativ wenig Flüssigkeit haben: "Wir haben mehr Trester als sonst."

Das Weingut Schmitt hat die Lese der frühen Sorten bereits abgeschlossen. "Wir haben nur noch den Riesling vor uns", beschreibt der Oberemmeler Winzer den Stand der Traubenernte.

Die Winzer an Saar und Obermosel sind sich einig, dass der warme April und die damit zusammenhängende frühe Blüte dem Wein dieses Jahr zwei bis drei Wochen zusätzliche Reifezeit ermöglicht hat. Hubert Apel: "Sonst wären diese überdurchschnittlichen Qualitäten nicht möglich." Matthias Dostert aus Nittel ergänzt: "Man muss dieses Jahr die Nerven behalten und die Trauben einfach etwas länger hängen lassen. In den letzten Tagen haben sich die Mostgewichte noch deutlich erhöht." Wenn der richtige Zeitpunkt zum Traubenlesen gekommen ist, fährt verstärkt der Vollernter aus. Mittlerweile bringen die meisten Betriebe die Lese zumindest teilweise maschinell ein. Einige Betriebe schwören aber noch auf die Lese per Hand. "Ich kann mir so besser die Zeit im Keller einteilen", sagt Winzer Heinz Dostert aus Nittel.

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