Zweites Standbein an der Saar

Viel Zeit zum Überlegen hatte Markus Molitor aus Bernkastel-Wehlen nicht, als Eric Le Moguen die Domäne Serrig zum Verkauf anbot. Doch 22 Hektar zusammenhängende Fläche lockten. Eine Chance, die sich der vielfach ausgezeichnete Winzer nicht entgehen lassen wollte.

Serrig/Bernkastel-Wehlen. Markus Molitor arbeitet aufwendig, akribisch und zeitintensiv. Der Winzer aus Bernkastel-Wehlen (Kreis Bernkastel-Wittlich) kennt es nicht anders. Seine knapp 70 Hektar Rebfläche, die er an der Mosel bewirtschaftet, verteilen sich auf mehr als 170 Parzellen. Hier ein paar Hektar Wehlener Klosterberg oder Ürziger Würzgarten, dort einige Hektar Zeltinger Sonnenuhr, Bernkasteler Badstube oder Brauneberger Mandelgraben: Fast alles Toplagen, darunter viele Steillagen, die mit immensem logistischen Aufwand mühsam zu bearbeiten sind.
Eine Aufgabe, mit der jeder normale Winzer genug zu tun hätte. Doch Markus Molitor lockten Wingerte an der Saar, weil er Weine machen wollte, die anders sind: "An der Saar gibt es tolle Böden. Dort herrscht ein kühleres Klima als an der Mosel. Ich kann spät lesen und richtig reife Trauben ernten. Die Weine haben eine schöne Mineralität und Aromatik und sind in vielen Jahren etwas leichter im Alkohol."
Bereits vor einigen Jahren erwarb Molitor einige Hektar Ockfener Bockstein und Saarburger Rausch, rekultivierte gemeinsam mit Roman Niewodniczanski die einstige Toplage Ockfener Geisberg. Als Eric Le Moguen im Sommer die Domäne Serrig verkaufen wollte, blieb Markus Molitor nicht viel Zeit zum Nachdenken. Elf Hektar Rebfläche besaß er bereits an der Saar, und die Tatsache, dass die Domäne Serrig nicht irgendein Weingut ist, sondern tief im Süden der Saarregion liegt, machte die Entscheidung nicht gerade einfacher. "Das Haus hat eine Riesentradition. Die 22 Hektar Riesling, die zum Weingut gehören, sind das letzte große zusammenhängende Stück. So ein geschlossener Weinberg ist ein Geschenk des Himmels", sagt Molitor, der über die Kaufsumme Stillschweigen wahren will. Doch auch Himmelsgeschenke machen mitunter viel Arbeit, denn: "Wir haben gewisse Vorstellungen, was den Zustand der Wingerte angeht. So werden wir etwa die Erziehungsformen der Reben umstellen." Dazu sucht Molitor ab nächstem Jahr einen Betriebsleiter, der vor Ort mit einem etwa 22-köpfigen Team die Weinberge bewirtschaftet. Hinzu kommt ein kompletter Maschinenpark. Verarbeitet werden die Trauben bei ihm im Weingut Klosterberg in Bernkastel-Wehlen. "Ich bin ja mein eigener Kellermeister. Da muss ich die Weine schließlich hier haben."
Dennoch, so lautet sein Plan, bleiben die beiden Weingüter getrennt. Die Domäne Serrig soll auch künftig Domäne Serrig heißen, deren Weine ein eigenes Etikett schmücken wird, versehen mit dem Namen Markus Molitor. "Es wird wohl Weine aus der Lage Serriger Vogelsang geben", verrät Molitor. "Vielleicht noch einen aus einer zweiten Lage."
Die Nachfrage nach filigranen Saarweinen ist jedenfalls da. Das bestätigt Claus Piedmont von der Weinprüfstelle Trier. "Restsüße Weine, die säurebetont sind, werden international gefragt. Da passen die Saarweine perfekt rein. Der Fachhandel verlangt danach, nicht nur in Deutschland, vor allem auch in Asien." Weinhändler Dieter Weber aus Trier nennt Saarweine gar "eine Hausnummer, die man im Bestand haben muss. Unsere Kunden fragen gezielt nach Saar. Sie sind spritziger, säurebetonter, prägnanter."
Auf die neuen Weine von Markus Molitor dürfen seine Kunden gespannt sein, denn seiner Philosophie will er weiterhin treu bleiben: "Wenn im Weinberg sorgsam gearbeitet wurde, muss im Keller fast nichts für einen perfekten Wein getan werden."Meinung

Weiter am Image arbeiten!
Dass Markus Molitor sein Engagement an der Saar weiter ausbaut, ist konsequent und bringt das Gebiet weiter nach vorne. Nicht erst seit Günther Jauch 2010 das Weingut von Othegraven in Kanzem übernahm, wachsen Achtung und Anerkennung für die Saarweine. Roman Niedwodniczanski vom Wiltinger Weingut van Volxem erregt mit ehrgeizigen Projekten Aufsehen, Egon Müllers Scharzhofberger Weine sind bei Kennern legendär, und Hanno und Dorothee Zilliken vom Weingut Forstmeister Geltz Zilliken aus Saarburg zeichnete der renommierte Weinführer Gault&Millau jüngst als "Winzer des Jahres" aus. Das Engagement dieser Spitzenwinzer belebt die Kulturlandschaft, zieht Touristen an und steigert Image und Wertschätzung der Region. Nicht zuletzt, weil jahrzehntelang brachliegende oder vernachlässigte Weinberge wieder bewirtschaftet werden. Oft sind es einstige Toplagen, deren Wert steigt und mit ihnen der Wert des Weines. Denn dank ihres niedrigen Alkoholgehalts und ihrer ausgeprägten Mineralität liegen diese Tropfen international im Trend. Seit einiger Zeit haben sie wieder Kultstatus, erzielen bei Versteigerungen Höchstpreise. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts fanden sich Saarweine auf den Karten der teuersten Restaurants der Welt. Jetzt sind sie auf einem guten Weg, sich diese Position zurückzuerobern. v.kerl@volksfreund.deExtra

Zweites Standbein an der Saar
Foto: (g_geld )

Die Staatliche Weinbaudomäne Serrig wurde um 1904 als staatlicher Musterbetrieb erbaut. Bis zum Ersten Weltkrieg zählte das Unternehmen mit etwa 30 Hektar zu einem der größten Weingüter Deutschlands. 1990 wurde die Domäne privatisiert, nachdem schon vorher die landwirtschaftlichen Flächen und die Wohnhäuser der Mitarbeiter an die Lebenshilfe in Serrig verkauft worden waren. Zuletzt gehörte die Domäne dem Franzosen Eric le Moguen. Er verkaufte den Besitz an Markus Molitor aus Bernkastel-Wehlen. Das Weingut Haus Klosterberg hat seinen Sitz in Bernkastel-Wehlen (Kreis Bernkastel-Wittlich). Zurzeit bewirtschaftet Inhaber Markus Molitor knapp 70 Hektar an der Mosel und 33 Hektar an der Saar. 2014 wählte ihn das Fachmagazin Falstaff zum Winzer des Jahres. 2015 erhielt er für drei seiner Riesling-Auslesen aus dem Jahrgang 2013 die Höchstwertung von jeweils 100 Parker-Punkten im Fach-Journal The Wine Advocat. Im aktuellen Weinführer Gault&Millau ist er mit vier von fünf Trauben bewertet. vk