Zwischen Kanzel und Radiosender

Nach zwei Jahren in der Pfarreiengemeinschaft Schillingen wechselt Kaplan Michael Pauken zu Cityradio Trier. Bei dem ab September startenden Lokalsender wird er die Redaktionsleitung übernehmen und obendrein als Kirchenredakteur für Rheinland-Pfalz und das Saarland zuständig sein. An den Wochenenden wird er aber weiter Messen halten.

Hermeskeil/Kell. (urs) Der Abschied von Kaplan Michael Pauken hat nicht nur die Gläubigen der Pfarreiengemeinschaft Schillingen mit Heddert, Kell, Reinsfeld, Mandern-Waldweiler und Lampaden überrascht. Auch er selbst hat diese Entwicklung nicht absehen können. Auslöser war nämlich das Aus des Lokalsenders Antenne West, dessen Frequenzen im Juni an die "Radio Group GmbH" vergeben wurden. Diese betreibt ein Dutzend Lokalsender in Rheinland-Pfalz und dem Saarland und will ab September auch aus Studios in Trier, Wittlich und Daun senden.

Die Redaktionsleitung des sechsköpfigen Teams in Trier wird Kaplan Pauken übernehmen. Der ehemalige Praktikant von Radio RPR Koblenz zeichnet mitverantwortlich für den Aufbau von Antenne Koblenz. Außerdem brachte er in Bretzenheim bei Bad Kreuznach "Deutschlands erstes Pfarr-Radio auf den Weg".

Seit 2006 ist er dort Programmchef, was private Radiosender auf ihn aufmerksam machte, die bei ihm auf offene Ohren trafen. Zum einen, weil er "sehr begeisterst Radio mache". Zum anderen, weil er als Kaplan, der meist erst nach sechs Jahren die Verantwortung für eine Pfarrei erhält, nur eingeschränkt tätig sein und nichts verändern könne. Und das fiel Pauken, der sich als Machertyp bezeichnet, schwer.

Das Angebot, als Kirchenredakteur für das gesamte Sendegebiet der Gruppe ein Mittagsgebet zu entwickeln, kam dem 37-Jährigen daher sehr entgegen. Daher bat er Bischof Stephan Ackermann um seine Freistellung, quasi unbezahlten Urlaub.

Für die Gläubigen in der Region ist der Priester aber weiter da. Ab September wird er in der Pfarreiengemeinschaft Hermeskeil-Beuren an den Wochenenden Messen feiern. Ursprünglich hatte der Spätberufene mit klassischer Musikausbildung den Beruf des Krankenpflegers erlernt, den er zehn Jahre ausübte.

Die Entscheidung für das Priesteramt traf er mit 31 Jahren während seines fünfjährigen Theologiestudiums. Es sei schon gut, als Priester Lebenserfahrung zu haben. Der Beruf des Diakon stand für ihn nicht zur Debatte: "Ein Diakon kann nie die Messe feiern - und das war mir schon wichtig." Heute sieht er sich als "Priester für alle Menschen" - egal, ob diese katholisch seien oder nicht.

Seine Leidenschaft fürs Radio basiert auf dem Wunsch, Botschaften zu vermitteln und etwas für die Menschen zu tun. Außerdem ist Pauken überzeugt: "Wir brauchen heute neue Wege, um die Menschen zu erreichen." Als "Kirchenmann" der Radiogruppe könnten 70 000 Menschen im Saarland und in Rheinland-Pfalz seine Beiträge über die Heilig-Rock-Tage oder über die Bolivienpartnerschaft des Bistums hören.

Daneben wird er ganz normales Lokalradio machen mit Talksendungen wie "Helden wie ihr", zu denen Vereine oder Gruppen eingeladen werden. Besonders freut er sich darauf, wieder mit vielen jungen Leuten wie Praktikanten oder Studenten arbeiten zu können. Das habe ihm in der Gemeinde, wo sich das auf den Religionsunterricht, die Arbeit mit Messdienern oder jährliche Zeltlager beschränkte, schon gefehlt. Die Seelsorge im Dekanat ist laut Dechant Clemens Grünebach gesichert. Im Seelsorgebezirk Waldrach werden künftig Pfarrer Thomas Corsten und Kaplan Axel Feldmann, der in Zerf wohnen wird, Dienst tun.