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Podiumsdiskussion
Konzer diskutieren über Antisemitismus

Ein Thema, das alle bewegt. 30 Konzer diskutieren über die Konsequenzen von und die Präventionsmaßnahmen gegen Antisemitismus.
Ein Thema, das alle bewegt. 30 Konzer diskutieren über die Konsequenzen von und die Präventionsmaßnahmen gegen Antisemitismus. FOTO: Julia Schulz
Konz. Wie können wir Judenfeindlichkeit verhindern? Über diese und andere Fragen wurde beim vierten Politischen Salon gesprochen. Von Julia Schulz

Wenn ein israelischer Schüler nur wegen seiner Herkunft die Schule verlässt, wird eines klar: Antisemitismus ist auch in Trier top­aktuell. Das erkannten auch die fünf Organisatoren des vierten politischen Salons im Kolpingheim in Konz am Sonntag. Dieser stand unter dem Thema „Antisemitismus – immer noch oder schon wieder?“

Organisator Thomas Zuche erzählt den 30 Diskussionsteilnehmern aus Konz von den Levy Schwestern, die bis 1942 in Konz lebten und dann in Auschwitz umgebracht wurden, nur weil sie jüdisch waren. Erst 2017 wurde am Moselufer laut Zuche ein Graffito mit der Aufforderung: „Tötet Flüchtlinge und Juden“ gefunden. „Diesen Antisemitismus können wir doch nicht einfach dulden“, protestiert Peter Musti, Behindertenbeauftragter der Verbandsgemeinde Konz.

Außerdem berichtet der Gastvortragende, Dieter Burgard, Beauftragter des Landes Rheinland-Pfalz für jüdisches Leben und Antisemitismus, dass ein zwölfjähriger Schüler in Trier nur aufgrund seiner israelischen Herkunft so starke Anfeindungen und Übergriffe erlitten habe, dass er die Schule verlassen musste.

Diese Geschichte sorgt bei den Teilnehmern für große Aufregung. Von allen Seiten wird gefordert, die Schule zur Verantwortung zu ziehen. Ein Schulwechsel und ein freiwilliges Weiterbildungsprogramm für Lehrer könnten nicht die einzige Konsequenz sein.

Sascha Berweiler, Leiter des Westwallmuseums in Konz, schlägt vor, dass alle Schüler zum Beispiel verpflichtend ein Kriegsmuseum oder eine KZ-Gedenkstätte besuchen sollten, um sich die Folgen des Antisemitismus bewusst zu machen. Genau dieser Austausch von Ideen und Meinungen über aktuelle politische Begriffe, die häufig von den rechten Parteien verwendet werden, ist das Ziel des Politischen Salons. Dieser wird durch den Caritasverband Trier und die lokale Partnerschaft für Demokratie Konz unterstützt.

Auch die Notwendigkeit eines Antisemitismusbeauftragten wie Dieter Burgard diskutieren die Bürger. „Wir müssen das gesamte Thema Fremdenfeindlichkeit betrachten, nicht nur den Teilbereich des Antisemitismus“, erklärt ein Teilnehmer.

Am Ende der Diskussion steht eine Frage im Raum: Wie kann Antisemitismus bekämpft werden? Die Ideen der Teilnehmer reichen von Videos über die Erlebnisse der Juden, Museumsbesuchen und Schulungen der Menschenfreundlichkeit bis hin zu Veranstaltungen, bei denen die Begegnung von verschiedenen Kulturen und Religionen möglich gemacht werden sollte. Bei so vielen Vorschlägen steigt die Hoffnung, dass der Antisemitismus in Zukunft zumindest in Konz erfolgreich bekämpft wird.

Das Treffen für den nächsten Politischen Salon findet am 11. November statt.