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Ausbau des Tanklagers sorgt für Irritationen

Nur die Mosel trennt die riesigen Treibstofftanks (vorne) von der Gemeinde Temmels auf dem gegenüberliegenden Ufer. TV-Foto: Portaflug
Nur die Mosel trennt die riesigen Treibstofftanks (vorne) von der Gemeinde Temmels auf dem gegenüberliegenden Ufer. TV-Foto: Portaflug
Temmels/Mertert. Die Erweiterung des Hafens in Mertert stößt in der Obermoselgemeinde Temmels auf Kritik. Jetzt hat die luxemburgische Regierung ein Konzept zur Ausweitung der nationalen Treibstoffreserven vorgestellt. Die Tanks in Mertert sind darin ein wichtiger Bestandteil. Christian Kremer

Temmels/Mertert. Die Temmelser sind laut Ortsbürgermeister Joachim Mimler zurzeit verunsichert. Sie wissen nicht, wie weit das Verfahren zum Ausbau des Hafens Mertert vorangeschritten ist. Die Kommunikation zwischen der deutschen Gemeinde und den Verantwortlichen im luxemburgischen Wirtschaftsministerium verläuft zäh.
Unmut der Bevölkerung


Verstärkt wurde der Unmut der Temmelser durch einen Medienbericht von einer Pressekonferenz der luxemburgischen Regierung. Dort wurde ein neues Konzept zur Vergrößerung der nationalen Treibstoffreserven vorgestellt. Neben zwei neuen Tanklagern in Bascharage und im Westen von Luxemburg Stadt ist die Erweiterung des Tanklagers im Hafen Mertert - dem einzigen Hafen Luxemburgs - ein wichtiger Bestandteil des Plans.
Dass das Genehmigungsverfahren dafür längst nicht abgeschlossen ist, wurde in dem Medienbericht nicht erwähnt. Die Temmelser fühlten sich von der luxemburgischen Seite ignoriert, obwohl sie schon vor Jahren ihre Einwände geäußert hatten.
Denn es ist schon länger bekannt, dass die Kapazität in Mertert von 60 000 Kubikmeter auf 150 000 Kubikmeter erhöht werden soll. Dazu sollen sechs zusätzliche 15 000-Kubikmeter-Tanks aufgestellt werden. Die Erweiterungspläne stießen in dem Obermoselort, der nur durch den Fluss von dem Hafengelände getrennt ist, von Anfang an auf Kritik. Die Gemeinde äußerte schon 2009 Bedenken wegen der Erweiterung des Kais und des Tanklagers sowie gegen den Bau einer Kläranlage auf dem Hafengelände der luxemburgischen Nachbarn. Außerdem rechnet sie mit erhöhter Lärmbelästigung (der TV berichtete).
Diese Einwände werden laut Etienne Schneider, Erster Regierungsrat im luxemburgischen Energieministerium, berücksichtigt - genauso wie die von anderen Beteiligten und Betroffenen. Das sei bei einem solchen Verfahren in Luxemburg - ähnlich wie bei einem Planfeststellungsverfahren in Deutschland - gesetzlich vorgeschrieben.
"Der politische Wille der Regierung, das Lager zu erweitern, ist da", sagt der Regierungsbeamte. Das bedeute nicht, dass berechtigte Kritik ignoriert werde. "Wir haben kein Interesse daran, das Projekt durchzusetzen, ohne alle Einwände zu prüfen." Grund für den Ausbau der nationalen Treibstoffreserven ist laut Schneider eine Vorgabe der Internationalen Energiebehörde.
Luxemburg hinkt hinterher


Luxemburg soll 500 000 Kubikmeter Lagerraum vorhalten, derzeit seien es nur 196 000 Kubikmeter. Weitere Tanks in Bartringen, Cessingen, Leudelingen und Dippach fallen bald weg, weil die EU-Genehmigungen für sie ablaufen. Dass Handlungsbedarf bestehe, habe die Vorweihnachtszeit gezeigt. Die Mosel war für große Schiffe unbefahrbar, die Autobahnen in Belgien wegen extremen Schneefalls für LKW gesperrt, auch die Zugverbindungen waren beeinträchtigt. Einen Tag vor Heiligabend seien die luxemburgischen Treibstoffreserven schon nach zwei Wochen mit stockenden Lieferungen fast komplett aufgebraucht gewesen. Deswegen habe die Regierung beschlossen, in die Offensive zu gehen. Allerdings sieht auch Schneider noch Informationsbedarf in der Bevölkerung. "Auch wenn Mertert kein neuer Standort wie die beiden anderen ist, wollen wir die Leute bei einer Konferenz über den Sachstand aufklären", sagt Schneider. Der Termin dafür ist für Donnerstag, 12. Mai, im Kulturzentrum Grevenmacher angesetzt. Ortsbürgermeister Joachim Mimler bekomme noch eine schriftliche Einladung, sagt Schneider.Meinung

Europa zeigt seine Grenzen
Europa soll grenzenlos sein, doch manchmal werden einem die realen Grenzen deutlich vor Augen geführt. Der geplante Tanklagerausbau in Mertert führt dieses Dilemma vor. Die Temmelser Bürger leben zum Teil näher an den Treibstofftanks als viele Merterter. Trotzdem verhindert der Fakt, dass sie in einem anderen Land leben, eine Informationspolitik, die bei ihnen ankommt. Die Beteiligten erreichen sich gegenseitig nicht und wissen nicht, wie die Verwaltungsprozesse im jeweiligen Nachbarland ablaufen. Schön wäre es, wenn die luxemburgische Regierung den ersten Schritt machte und einen Infoabend in Temmels veranstalten würde. Die Deutschen würden sich ernst genommen fühlen. Das wäre ein geeintes und gelebtes Europa im Kleinen. c.kremer@volksfreund.de