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Bahn schickt neuen Zug auf die Strecke

Glänzend steht er da: Der neue Zug der Bahn vom Typ Talent 2 kommt bei den Fahrgästen sehr gut an. TV-Foto: Jürgen Boie
Glänzend steht er da: Der neue Zug der Bahn vom Typ Talent 2 kommt bei den Fahrgästen sehr gut an. TV-Foto: Jürgen Boie
Nittel/Konz/Trier. Eigentlich sollte der neue Zug der Deutschen Bahn, Talent 2, schon seit 2009 auf der Obermoselstrecke unterwegs sein, doch es gab Zulassungsprobleme. Jetzt fährt der Zug einmal täglich von Perl aus über Konz nach Koblenz - wegen eines Softwarefehlers derzeit noch mit zwei Zugführern. Jürgen Boie

Nittel/Konz/Trier. Kurz vor sieben Uhr. Es ist noch stockdunkel. Im Nitteler Bahnhof fährt fast lautlos ein roter Nahverkehrszug ein: der neue Zug vom Typ Talent 2. Nach vielen Verzögerungen ist der neue Triebwagen auf der Obermoselstrecke endlich im Einsatz (siehe Extra). Bisher fährt er aber nur einmal am Tag und auch nur in Richtung Trier.
Um diese frühe Stunde nutzen fast nur Schüler den Zug. Michael Lemmer (44) aus Wincheringen ist eine Ausnahme. "Ich fahre öfters mit dem neuen Zug. Er ist hochmodern und viel besser als die alten Wagen", sagt der Berufspendler.
Das moderne Design mit vielen Rundungen kommt auch bei den Schülern gut an. Sie alle finden den neuen Zug besser als die bisherigen Waggons. Vera, Ina und Bianca, drei Schülerinnen aus Temmels, bemängeln zwar, dass es an einigen Stellen im Zug, etwa gegenüber der Toilette, recht eng sei, aber auch ihnen gefällt das neue Gefährt. "Nichts ist beschmiert oder verdreckt", meint Vera und zeigt zur Wagendecke, wo Kameras angebracht sind.
Der durchgehende Wagen, doppelt so lang wie die herkömmlichen Triebwagen auf der Obermoselstrecke, wirkt hell und aufgeräumt. An allen Sitzen, die fest, bequem und mit dem bekannten blauen Stoff mit Karomustern überzogen sind, befinden sich Haltegriffe. Die sind auch dringend nötig, denn obwohl auch an den engeren Stellen im Waggon Klappsitze montiert sind, reichen die Sitzplatzkapazitäten ab Oberbillig nicht mehr aus. Und spätestens ab Wasserliesch herrscht bis Konz-Mitte ein qualvolles Gedrängel im völlig überfüllten Zug.
Trotz des steigenden Lärmpegels sind die Lautsprecheransagen im Wagen deutlich und gut verständlich. Beim Öffnen der Türen fahren Trittbretter aus, so dass zwischen der Bahnsteigkante und dem Zug nur ganz schmale Spalten bleiben.
Das ermöglicht das Einfahren in den Waggon mit Kinderwagen oder Rollstühlen, zumal es beim Ein- und Ausstieg auch keine Stufen mehr gibt.
Das Fazit der Fahrgäste ist positiv. Die Schülerinnen Lena Fisch und Theresa Wagner fassen stellvertretend zusammen: "Alles ist sehr neu und bequem. Kein Vergleich zu den alten Zügen." Wann weitere Züge des neuen Typs auf der Obermosel eingesetzt werden können, weiß Thomas Geyer, Chef beim Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Nord, nicht. "Der Einsatz weiterer Einheiten hängt von der Installation einer neuen Software zur Fahrzeugsteuerung ab", sagt der Manager.
Damit spielt Geyer darauf an, dass die Züge zurzeit wegen eines Softwarefehlers mit zwei Zugführern gefahren werden. Bombardier habe das Softwareupdate für Ende Januar angekündigt, es sei aber noch nicht installiert worden, sagte ein Bahnsprecher auf TV-Anfrage. Ansonsten liefen die Züge an der Mosel bislang "sehr zuverlässig".
Die jüngste Preiserhöhung habe mit dem Einsatz der neuen Züge nichts zu tun, sagt Geyer. Das sei eine Sache der Bahn und des VRT. "Allerdings sieht der mit der Bahn abgeschlossene Vertrag vor, dass wir unsere Zahlungen an die Bahn mindern können, wenn die vereinbarten modernen Züge nicht zum Einsatz kommen."
Wie hoch diese Minderungen sind, verrät der SPNV-Chef nicht. Die Bahn hüllt sich ebenfalls in Schweigen. "Wir haben vereinbart, dass nur ein Vertragspartner mit der Presse spricht, und das ist der SPNV", sagt ein Bahnsprecher.Extra

Das Kurzwort Talent steht für Talbot leichter Nahverkehrs-Triebwagen. 2007 hat die Bahn mit dem Hersteller Bombardier einen Liefervertrag über 300 Talent-2-Züge mit einem Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden Euro ausgehandelt. Bis Anfang Januar 2012 sind aber nur 26 von vertraglich vereinbarten 178 Triebwagen ausgeliefert worden. Von den drei Fahrzeugen, die die Bahn für die Moselstrecke bekommen habe, sei fahrplanmäßig immer nur ein Zug zwischen Perl und Koblenz unterwegs, sagte ein Bahnsprecher auf TV-Anfrage. Die beiden anderen würden für Test- und Schulungszwecke eingesetzt. Hersteller Bombardier hatte bis November 2011 126 Züge gebaut. Auch nach zahlreichen Nachbesserungen hatte das Eisenbahn-Bundesamt die Abnahme der Züge verweigert, weil laut Bombardier Normen nach der Auftragserteilung verändert worden seien. Ende 2013 sollen alle bestellten Züge ausgeliefert worden sein. Der Bahn sind durch die Zulassungsprobleme Kosten in Millionenhöhe entstanden. Wie teuer der Bahn die Lieferverzögerungen an Moselstrecke kommen, wollte der Bahnsprecher nicht preisgeben. cmk/red/dpa